Das Duell: EHEC in den Medien – Panikmache?

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Seit ein paar Tagen sorgt der Krankheitserreger EHEC in den Medien für Schlagzeilen. Es wird flächendeckend über mögliche Folgen gerätselt, doch zweifelhaft ist, ob die Berichterstattung wirklich nur der reinen Aufklärung der Bevölkerung dient. Oder wird das Thema aufgeputscht, um ein drohendes Sommerloch zu füllen? Ist die Berichterstattung über EHEC Panikmache? Diese Frage klärt die pflichtlektüre im Duell.

PRO
CONTRA
Ja, das ist Panikmache. Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um die schlichte Aufklärung der Bevölkerung. Als Überlebende der diversen BSE-, Maul und Klauen- und Schweinegrippenhypes erlauben Sie mir bitte, dass ich diesen neuen Hype erstmal gepflegt ignoriere. Das Ausmaß, das dieses Bakterium annehmen wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch keinem klar, auch den Medien nicht. Dennoch stürzen sich einige Vertreter dermaßen sensationshungrig auf das Thema, dass man meinen könnte, es würde ein Sommerloch drohen, das es zu verhindern gilt.

Hygieneparadies Deutschland

Es wird jetzt unvermeidlich auch eine Diskussion über fehlende Hygienestandards in Supermärkten und die mangelhafte Überprüfung solcher Standards angeregt, die genauso sinnfrei, wie auch überflüssig ist. Denn jeder, der schon einmal im Ausland Urlaub gemacht hat, weiß, dass Deutschland mit seinen peniblen Vorschriften für Lebensmittel, im Vergleich zu den meisten anderen Ländern, ganz oben mitspielt.

Politik im Zugzwang

Die Politik wird dem, von den Medien kreierten, öffentlichen Druck nachgeben und, zumindest nach außen hin, Diskussionen zur möglichen Verbesserung gesetzlicher Vorschriften anstreben, um die aufgebrachte Bevölkerung zu beruhigen. Die Akten zu diesem Thema werden dann irgendwann dort landen, wo einst der überflüssig gewordene Impfstoff gegen das Schweinegrippevirus entsorgt wurde.

Achtung: Vorsichtsmaßnahme!

Bis es dazu kommt, werden wir uns allerdings noch auf einen Sommer voller Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen freuen können. Diese werden zwar niemandem helfen, aber zumindest dafür sorgen, dass jedes Stammtisch-Mitglied nachts besser schlafen kann.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Natürlich passieren diese Dinge in unseren Medien in schöner Regelmäßigkeit. Nur zu gerne denke ich zurück an die Zeit in meiner Kindheit, als uns gesagt wurde man dürfe nun aus Angst vor BSE keine Gummibärchen mehr essen. Es ist solcher Berichterstattung zu verdanken, dass ich auch heute noch unbewusst jeden Engländer mit wahnsinnigen Rindern in Verbindung bringe.

Welches Ausmaß dieser Erreger annehmen wird kann jetzt noch niemand sagen, doch eins ist sicher – wir sind auf bestem Kurs das Sommerloch erfolgreich zu umfahren.

Nein, das ist keine Panikmache. Die Berichterstattung dient der Aufklärung. Ein Menschenleben hat der EHEC-Erreger bereits gefordert, zwei weitere Todesfälle werden mit ihm in Verbindung gebracht. Drei Tote, über die die Medien berichten können und auch müssen.

Informationsfunktion

Die Massenmedien haben eine Informationsfunktion. Das bedeutet, sie müssen die Bürger über aktuelle Situationen aufklären. Das gilt auch für das EHEC-Bakterium. Die Bürger haben ein Recht darauf, zu erfahren, was es bewirkt, wo es herkommt und was für Gründe es für die Epidemie gibt. Von Panikmache kann dabei keine Rede sein – kaum etwas könnte einer Panik so gut vorbeugen wie eine sachliche, ausgewogene Berichterstattung.

Nicht unterschätzen

Eine solche Berichterstattung trägt dazu bei, die Infektion nicht zu unterschätzen. Den Menschen muss vor Augen geführt werden, was um sie herum geschieht. Nur so bleibt ihnen die Bedrohung im Gedächtnis und sie nehmen die Gefahr ernst. Durch immer neue Meldungen bleibt die Infektionsgefahr präsent und im Bewusstsein der gesamten Bevölkerung.

Prävention

Die Art der Berichterstattung schützt außerdem Menschen vor einer Infektion. Woher sollten sie sonst wissen, wie sie sich vor dem EHEC-Bakterium schützen können? Nicht jeder wäscht sein Obst und Gemüse vor dem Verzehr, nicht alle reinigen ihre Arbeitsflächen nach der Zubereitung von rohem Fleisch sorgfältig genug. Und welche Eltern wüssten schon ohne die Nachrichten, dass sich ihr Kind, nachdem es ein Tier gestreichelt hat, mit dem EHEC-Bakterium infiziert haben könnte? Manche Hinweise mögen einem lächerlich oder selbstverständlich vorkommen – es kann auf jeden Fall nicht schaden, daran erinnert zu werden.

Nutzen

Von der Berichterstattung profitieren also viele. Kritisch werden könnte es höchstens für Streichelzoo- oder Kantinenbetreiber, aber nur, wenn sie unhygienisch arbeiten. Eine Kantine in Frankfurt ist vermutlich einer der Auslöser für die Erkrankung mehrerer Menschen.

Über all das soll erst später berichtet werden? Schon jetzt haben sich innerhalb weniger Wochen mehrere hundert Menschen infiziert. Üblicherweise sind es nur etwa 1.000 pro Jahr. Die Berichterstattung der Massenmedien trägt mit dazu bei, dass es nicht mehr werden. Von Panikmache kann keine Rede sein, die Medien nehmen lediglich ihre Aufklärungsaufgabe wahr.

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Foto: stockxchng/ bizior, Montage: Falk Steinborn, Teaserfoto: pixelio.de / Rainer Sturm

3 Comments

  • Pseudomonas sagt:

    Wenn man keine „reißerischen Schlagzeilen“ lesen möchte, sollte man sich halt von der Bild fernhalten. Und „von wichtigeren Themen ablenken“ können die Nachrichen über EHEC auch nicht, da heutzutage dank des Internets ein jeder absolut freie Wahl bezüglich der Zusammensetzung seiner Nachrichten hat. Zumal EHEC gar nicht mal so präsent ist, wie oft behauptet wird: Auf der Startseite der Tagesschau beispielsweise steht es derzeit erst an dritter Stelle nach Atomkraft und Afghanistan – ehrlich gesagt wären das auch die einzigen Themen, die ich für noch wichtiger halte, an dieser Reihenfolge gibt es also nichts auszusetzen. Und ansonsten gilt: Wer sich ablenken lässt, ist selbst schuld. Die ganzen Verschwörungstheorien sind also wieder mal für die Tonne.

    PS: Danke an die Redaktion übrigens für die Verbesserung des fehlerhaft verwendeten Wortes Virus.

  • Volker sagt:

    Die Aufklärungspflicht der Medien besteht also in reißerischen Schlagzeilen und Berichten in denen selbst die entferntesten Verdachtsfälle noch in den Kreis der Erkrankten gezählt werden?
    Man, man, wer daran glaubt das uns die Medien tatsächlich aufklären glaubt auch an den Weihnachtsmann.
    Die Medien sind einzig und allein das Sprachrohr der Großkonzerne die die Medien durch Werbung finanzieren oder die Berichterstatter der Regierung da sonst der Rundfunkrat dafür sorgt das Karrieren ganz schnell beendet sind.
    Also für mich geht es nur darum wieder Angst im Volk zu verbreiten und von wichtigeren Themen abzulenken!

  • Pseudomonas sagt:

    Erstmal: Lest doch wenigstens Wikipedia, um mal den Unterschied zwischen Bakterie und Virus zu lernen…

    Ansonsten halte ich die Berichterstattung für gerechtfertigt. Und wer dadurch in Panik gerät, ist selbst schuld.

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