Das Duell: Darf man sich über Bin Ladens Tod freuen?

Das Duell: Henrik versus Carola

Der weltweit meist gesuchte Mann ist tot: Top-Terrorist und Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden wurde von Spezialeinheiten der US-Armee in seinem Haus in Pakistan erschossen. Für die USA ein Grund zu Feiern: US-Bürger bejubelten den Tod des Terroristenführers und US-Präsident Barack Obama verkündete: „Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan“. Aber nicht nur die USA, die ganze Welt preist den vermeintlichen Triumph. Doch gehört es sich, den Tod Osama Bin Ladens zu feiern? Dürfen wir uns über den gewaltsamen Tod eines Menschen freuen?

PRO CONTRA
Ja, das darf man. Osama Bin Laden, das Gesicht des Schreckens, der Pate des Terrors. Massenmörder und Menschenverachter. Sicher, der Tod eines Menschens ist ein Verlust. Sich darüber zu freuen, ist ethisch und moralisch kaum zu rechtfertigen. Nicht so bei Bin Laden. Auch Moral hat Grenzen. Wer so viel Trauer in die Welt gebracht hat wie Bin Laden, verdient nicht, selbst betrauert zu werden.

Bin Ladens Tod ist eine Befreiung

Wir Deutsche sind zwar Teil der „westlichen Welt“. Und doch war Bin Ladens grausamstes und abartigstes Werk, die Anschläge vom 11. September, für uns zumindest geographisch weit entfernt. Wer nun die jubelnden Massen in Amerika im Fernsehen sieht, der versteht, was für tiefe Narben 9/11 hinterlassen hat. Bin Ladens Ende bringt die vielen Toten nicht zurück. Doch es lindert den Schmerz der Amerikaner und wirkt befreiend auf die ganze Welt.

Freude auch in arabischen Ländern

Ja, auf die ganze Welt! Nicht nur in den USA herrscht Euphorie über den Tod des Staatsfeindes Nr. 1 – auch aus etlichen arabischen Ländern gab es positive Stimmen. Denn, was viele nicht wissen: Der größte Teil von Bin Ladens Opfern waren Muslime. Radikal hat er den Tod seiner eigenen „Glaubensbrüder“ in Kauf genommen. Kein anderer hat dabei dem Islam, eigentlich eine friedliche Religion, so sehr geschadet wie er.

Freude über die Rettung von Hunderten

Mit Bin Laden sterben weder Al-Qaida noch der Terror. Es wird wohl kein neues Zeitalter gegenseitigen Verständnisses anbrechen – leider. Und doch zeigt es, dass der Terrorismus besiegbar ist, dass wir uns wehren können. Osama Bin Laden wird nicht mehr dafür sorgen können, dass Menschen sterben. Es ist nicht die Freude über den Tod eines Einzelnen, es ist die Freude über die Rettung von Hunderten.

Mutige Wortwahl Merkels

Angela Merkels Wortwahl klingt krass, vor allem für eine Christdemokratin. Doch unsere Kanzlerin zeigt sich mutig und spricht aus, was viele denken: Osama Bin Laden ist tot und das ist ein Grund zur Freude – zumindest im ersten Moment. Ein viel größerer Grund wäre es, wenn der Terror und das Töten Unschuldiger endlich und endgültig vorbei wären.
Nein, darf man nicht. Das ist unmoralisch, wenn nicht sogar widerwärtig – auch wenn es Osama Bin Laden ist. Keine Frage, dieser Mann hat Schrecken und Leid über die Menschheit gebracht. Er ist (mit-)verantwortlich für den Tod Tausender. Er ist ein Verbrecher. Doch das alles ist kein Grund, sich an seinem Tod zu ergötzen – nicht in einer zivilisierten Welt und erst recht nicht im christlich geprägten Westen.

Zweifelhafter Umgang mit der Todesnachricht

Die Reaktionen auf die Nachricht über die Erschießung Osama Bin Ladens werden von Hass und Rachegedanken angetrieben. Doch genau dieses Verhalten ist auch die Wurzel des Terrorismus, die Antriebsfeder Osama Bin Ladens und aller Terroristen. Und ist es nicht auch genau das, was wir verurteilen, was wir so abscheulich und unglaublich finden?

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Umso befremdlicher erscheint es da, wenn tausende Amerikaner auf den Straßen Washingtons singend und tanzend den Tod Osama Bin Ladens feiern. Während dieser Jubel vielleicht noch als spontaner Ausbruch von Gefühlen gedeutet werden kann, Gefühle, die Vernunft und Moral zeitweilig übertrumpfen können, so gibt es für die Reaktionen von Politikern in aller Welt keinerlei Entschuldigung. Auch mehrere deutsche Spitzenpolitiker haben sich mit ihren verbalen Fehltritten einen unverzeihlichen Fauxpas geleistet.

So gar nicht christlich

Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel erklärte „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten“. Und CSU-Chef Horst Seehofer spricht von einem „Gefühl der Freude“. Dass beide Mitglieder von Parteien sind, die für christliche Werte stehen, haben sie in diesem Moment wohl vergessen. Der Tod eines Menschen sei für Christen niemals ein Grund zur Freude, ließ der Vatikan als Reaktion auf derartige Äußerungen verlauten. Und bringt es damit einmal klar und deutlich auf den Punkt.

Erleichterung ja, Freude nein

Sicherlich: Die Erleichterung über den Tod Osama Bin Ladens ist verständlich. Die fast ein Jahrzehnt dauernde Jagd auf den Terroristenführer hat endlich ein Ende. Freudenbekundungen über seine Erschießung dagegen sind völlig daneben und unangebracht. Ethisch-sittliches Verhalten sieht anders aus. Und moralische Überlegenheit erst recht!

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Foto: stockxchng/ bizior, Montage: Falk Steinborn, Teaserfoto: flickr.com / secretlondon123

2 Comments

  • Atzin sagt:

    So interessant die aktuelle Diskussion ist, so überflüssig und lächerlich ist sie doch zugleich. Denn die Frage nach dem „Dürfen“ sollte sich gar nicht stellen.

    Freude ist eine Emotion. Emotionen kommen spontan und lassen sich nicht durch Vernunft oder Vorgaben steuern. Gefühle hat man, oder man hat sie nicht. Aber auf keinen Fall geht es doch wohl, Gefühle zu erlauben oder zu verbieten. Wenn ein Mensch traurig ist, dann ist er traurig, und er wird wohl kaum damit aufhören, traurig zu sein, wenn jemand kommt und sagt: das gehört sich nicht, das macht man nicht. Genauso verhält es sich mit der Freude. Emotionen lassen sich nicht durch Verbote steuern, sie existieren unabhängig von Vorschriften und altklugen Kommentaren linker Journalisten.

    Gefühle machen unser menschliches Leben aus, ja sie machen uns erst zum Menschen! Und dann kommen Leute und sagen, man „dürfe“ sich nicht freuen, dürfe also gewissermaßen nicht fühlen! Gefühlsverbot! Emotionen abschalten!
    Ich hoffe es ist klar, wie krank das ist!
    Darum freue sich über den Tod bin Ladens wer möchte. Wer es nicht möchte, der tut es eben nicht! Das haben weder Politiker noch Journalisten zu entscheiden.
    So gesehen ist die Frage nach dem Dürfen mit einem uneingeschränkten „ja“ zu beantworten, denn fühlen sollte man immer dürfen! Ein Verbot dessen ist völlig unmöglich, logisch sowie praktisch!

    Wahrscheinlich gehe ich auch recht in der Annahme, dass diese absurde Diskussion mal wieder ausschließlich in Deutschland geführt wird. Hier sympathisiert das chronisch antiamerikanische Volk ja ohnehin eher mit den Terroristen, Pardon, „Freiheitskämpfern“.
    Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in diesem Land bislang vom islamistischen Terror verschont geblieben sind.
    Wenn in Deutschland bereits eine vollbesetzte U-Bahn von einem Al-Qaida-Terroristen in die Luft gesprengt worden wäre, würde niemand die aktuelle Diskussion führen.

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