Das Duell: Wer hat den Pott verdient?

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„Ruhrpott ist die geilste Fußballstadt der Welt!“ war vor Wochen in einer großen deutschen Tageszeitung zu lesen. Und das absolut zurecht. Nach der überragenden Saison des (dann doch nicht mehr) Überraschungsmeisters aus Dortmund folgt nun am Samstag der echte Höhepunkt der Saison – zumindest für zwei Mitglieder unserer Redaktion. Der MSV Duisburg und der  FC Schalke 04 treffen im Finale des DFB-Pokals aufeinander. Auf dem Papier eine klare Sache.  Von wegen! Krisenzebras oder Chaos-Knappen – wer holt den Pott?

PRO MSV
PRO Schalke
Der MSV ist einfach mal an der Reihe. Im vierten Finale der Vereinsgeschichte soll endlich der große Wurf gelingen. In Duisburg lebt man in dieser Saison einzig und allein für die Pokalspiele. War man noch ambitioniert und guten Mutes in die Zweitligasaison gestartet, so ging es gefühlt seit dem 25. Spieltag, sicher aber nach dem Halbfinalerfolg und der anschließenden Niederlagenserie in der Liga dieses Jahr mal wieder um gar nichts. Zu deutsch: „gesichertes Mittelfeld“, mittlerweile so etwas wie der natürliche Lebensraum der Zebras.
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Die M-Frage

Die Schuld an diesem mäßigen Erfolg der letzten Wochen und Monate ist aber nicht alleine im spielerischen Bereich zu suchen. Das weitaus größere Problem in dieser Saison ist, dass seit der Winterpause stets mehr Spieler im Krankenbett liegen, als im Trainingszentrum dem Ball hinterher zu jagen. Die Verletztenliste nimmt bisweilen astronomische Größen an und ist prominenter besetzt als es der Spielberichtsbogen des Endspiels sein wird.So stellt sich vor dem großen Finale ganz Duisburg die „M-Frage“. Wobei das „M“ hierbei nicht für „Meister“, sondern für Maierhofer steht. Der 2,02 Meter große Stoßstürmer ist der große Hoffnungsträger der Fans. Ein wahres Kampfschwein, von dem die Trainingskiebitze erzählen, dass er zur Not seine eigenen Flanken auch gleich selbst verwertet. Wird er nach seinem Mittelfußbruch nur 49 Tage vor dem Finale rechtzeitig fit, erhöhen sich die Chancen der Meidericher um ein Vielfaches. Falls es mit einer Wunderheilung nichts wird, so ruhen unsere Hoffnungen auf Christoph Metzelder, unserem zweitgefährlichstem Mann im Schalker Strafraum.
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Duisburg gegen die Großen
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„Wo Meiderich liegt, wo Meiderich siegt ist überall bekannt…“ heißt es in Duisburgs berühmten Zebratwist. Grund für diese Liedzeile ist eine Aussage Uwe Seelers, der zu Beginn der ersten Bundesligasaison angab, dies nicht zu wissen. Doch spätestens nach der 0:4-Pleite seines Hamburger SV kannte jeder in Deutschland den Duisburger Stadtteil. Auch die Bayern lehrte der Meidericher Spielverein lange Zeit das Fürchten. Selbst in der Maier-Beckenbauer-Müller-Zeit, den 70er Jahren, gab es für sie gegen den MSV selten etwas zu holen.Und auch in dieser Pokalsaison schaltete der MSV mit Köln und Kaiserslautern schon zwei Erstligisten aus (Kaiserslautern schlug Schalke in der Liga beide Male).
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Schalke 04
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Und nun warten also die Teilzeitmagier aus Gelsenkirchen. Ähnlich wie der MSV nahmen die Schalker in diesem Jahr nur am normalen Ligabetrieb teil, um die Antrittsgelder zu kassieren und das Flutlicht ein wenig auf Betriebstemperatur zu bringen. Ansonsten rumpelten sich die Königsblauen durch die Pokalwettbewerbe, während die Duisburger mit Durchweg starken Leistungen aufwarteten, die sogenannten Experten beeindruckten und völlig zu Recht das Finale erreichten. Sicher gab es auf Gelsenkirchener Seite diese ominösen Mailand-Spiele, doch seit Neuers krokodiltränenbehaftetem Abschied ist auch aller Rangnick-Zauber dahin.
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Zu Hause ists am schönsten!
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Mein letzter, aber auch sehr wichtiger Punkt ist, dass Duisburg offiziell das Heimrecht im Finale in Berlin besitzt. Und der MSV hat seit zehn Jahren kein Pokalheimspiel mehr verloren. (Die Tatsache, dass der Verein chronisches Lospech hat und daher eh fast ausschließlich auswärts ran musste, lassen wir dabei mal außer Acht). Auf geht’s MSV!
Schalke hat sich den DFB-Pokal redlich verdient: Während alle anderen Bundesligateams (inklusive Bayern München) mittwochsabends vor dem Fernseher saßen, hielten die Gelsenkirchener die deutsche Fahne hoch – und drangen bis ins Halbfinale vor. Eine Mannschaft, die Titelverteidiger Inter Mailand mal eben mit 5:2 aus dem eigenen Stadion fegt, sollte mit dem MSV (immerhin die Nummer vier im Pott) doch eigentlich keine Probleme haben.

Ein Schalker Pokalsieg würde dem deutschen Fußball auch in der nächsten Saison international gut tun: man stelle sich vor, neben Hannover 96 und Mainz 05 würde noch der MSV Duisburg ins Rennen um den Europa League-Titel geschickt – o weh, o weh, armes Fußballdeutschland..

Notelf gegen Castingstars

Für Duisburg kommt erschwerend hinzu, dass er mehr verletzte als einsatzfähige Spieler zur Verfügung hat. BVB-Talent Koch, Kapitän Baljak und MSV-Fossil Grlic sind nur die Spitze des Eisbergs. Auch wenn Trainerfuchs Sasic flugs eine Zeitungsanzeige schaltet, Konditionstrainer und C-Jugend-Torwart in den Kader beruft und sich zu guter Letzt selbst einwechselt – gegen Schalke keine Chance.
Auf Schalke ist so etwas undenkbar: Da Ex-Trainer-Manager-Sportdirektor-Vorstandsmitglied Felix Magath offenbar Schlussverkaufsfetischist ist, schlägt sich sein Nachfolger mit gefühlt 67 Bewerbern für die Final-Elf herum. Das Casting für Berlin ist jedoch fast beendet: In den vergangenen 11 Live-Shows (unter anderem in Mailand, Manchester und zuletzt in Köln) konnte sich die Jury um Ralf Rangnick, der immerhin zu einem Viertel Magaths Nachfolger ist, schon einmal auf eine Vorauswahl beschränken.
Die Organisatoren denken allerdings darüber nach, die Duisburger Ersatzbank für die Schalker Überschussware zur Verfügung zu stellen – Ersatzspieler hat der MSV ja eh nicht.

Ultrabeauty = „voll schööön“?!

Seitdem sie aus der Champions League ausschieden, sorgten die Schalker nicht mehr für viel Furore auf dem Platz, dafür gab es umso mehr Lärm um die neuen Trikots der Königsblauen. Der Traditionsclub läuft am Samstagabend in Trikots auf, die laut Hersteller die Farbe „ultrabeauty“ haben. Wer sich darunter nicht viel vorstellen kann, dem sei gesagt, dass „ultrabeauty“ ein Farbton irgendwo zwischen Prinzessin Lillifee und genmanipuliertem Ketchup ist – und wahrscheinlich nur von siebenjährigen Mädchen als „ultrabeauty“ empfunden wird.
Aber was soll’s: Im Falle eines Schalker Pokalsiegs erränge das Shirt sofort Kultstatus und die Verkaufszahlen schössen in die Höhe, was nicht nur einen großen Sportartikelhersteller aus Süddeutschland, sondern auch Schalkes neuen Manager freuen würde – Fußball ist eben mehr als nur ein Spiel.

Tränen im Champagnerglas

Und last but not least: Manuel Neuer. Ihm gebührt ein würdiger Abschied. Schon mit 25 Jahren ist er eine Schalker Legende. Obwohl er unter Tränen zum verhassten FC Bayern wechselt und damit auch die Sympathien (fast) aller Schalke-Fans verlor, ist er der Star der Mannschaft. Nicht auszudenken wo Schalke mit einem anderen Torwart stünde. Er hat Schalke immer wieder vor (noch) Schlimmerem bewahrt. Es ist sein vorerst letztes Spiel im Schalke-Trikot, da hat er keine peinliche Niederlage gegen einen Zweitligisten verdient, sondern einen Titel und eine Riesenparty. Die war ihm bisher noch nicht vergönnt – er hat noch keinen Vereinstitel gewonnen (den LigaTotal Cup mal ausgeschlossen).

Die chronisch Erfolglosen

Da hat der beste Keeper der Welt übrigens mit Duisburg etwas gemeinsam: Die haben auch noch nie etwas gewonnen, gähnende Leere auf dem Vereinswimpel. Und dabei soll’s auch bleiben!

Weiß-Blau gegen Blau-Weiß, Kein Geld gegen gar kein Geld. Underdog gegen Favorit. Tradition gegen Religion. Duisburg gegen Gelsenkirchen.

Wie das Spiel auch ausgehen mag. Der Pott wird in den Pott kommen (zum ersten Mal seit 2002). Damit untermauert der Westen in diesem Jahr seinen Status als das Fußballherz Deutschlands. Für alle die nicht wissen, welchem Verein sie im Finale die Daumen drücken sollen, haben wir ein paar Infos als Entscheidungshilfe angefügt (Quelle: Prof. Walter Krämer/TU Dortmund).

MSV Duisburg FC Schalke 04
Gründung 17.09.1902 04.05.1904
Vereinsfarben Weiß-Blau Blau-Weiß
Mitglieder 3.200 89.500
Erfolge Vizemeister 1964
3x Pokalfinalist
Deutscher Amateurmeister 1987
7x Deutscher Meister
4x DFB-Pokalsieger
1x Uefa Cup Sieger
1x Ligapokalsieger
Gegner bis zum Finale VfB Lübeck (2:0)
Hallescher FC (3:0)
1. FC Köln (2:1)
1. FC Kaiserslautern (2:0)
FC Energie Cottbus (2:1)
VfR Aalen (2:1)
FSV Frankfurt (1:0)
FC Augsburg (1:0)
1. FC Nürnberg (3:2 n.V.)
Fc Bayern München (1:0)
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Foto: stockxchng/ bizior, Montage: Falk Steinborn, Teaserfoto: pixelio.de / Rainer Sturm

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