Das Phänomen Putzfrau

An der Uni zu sein, hat auch seine schönen Seiten. Zum Beispiel der Kontakt zu Menschen – Doktoren, Professoren, WissMits, HiWis, Cafeteria-Angestellten und Putzfrauen. Meine Lieblingsmitarbeiter sind die facettenreichen Putzfrauen.

In den G-Gebäuden sehe ich nur überfüllte Wägelchen, hinter denen ich eine putzfrauartige Gestalt erahne. Bei den N-Gebäuden sichte ich sie nur manchmal, weil ich mich meist nicht auf den Fluren aufhalte. In den I-Gebäuden sehe ich die Putzfrau abends in einer faszinierenden Schnelligkeit (quasi einer nicht vorhandenen) durch die leeren Hörsäle schlendern.

In den M-Gebäuden aber weilt meine Lieblings-Reinigungskraft: Die Alzheimer-Putzfrau. Sie macht ihren Job überaus exzellent, nicht, dass das falsch verstanden wird. Ihr Alzheimer beschränkt sich auf die Personen, denen sie ein fröhliches „Guten Morgen!“ entgegen wirft.

Wie beschreibe ich das nur am besten? Ich komme in das ZKF2 hinter dem MA-Gebäude. ich muss so dringend eine Toilette aufsuchen, dass ich nicht auf meinem Bürolevel lande, sondern direkt hinter dem Haupteingang auf der Gästetoilette. Auf dem Weg dorthin treffe ich sie. Emsig und lächelnd.

Nennen wir sie Helga.

Helga grüßt beschwingt, und ich verschwinde in genannter Räumlichkeit. Geraume Zeit später befinde ich mich zehn Meter Luftlinie unseres ersten Treffpunktes, um meine Jacke in einem Spind zu verstauen. Ich erstarre förmlich, als das altbekannte „Guten Morgen!“ in gewohnter Art und Weise von der Seite kommt. Helga ist also im Erdgeschoss fertig. Ich lächle zurück. Nach Abschließen des Spindes gehe ich in den Sicherheitsbereich 1. Dort wollte ich kurz meinen frisch gereinigten Laborkittel abliefern. Gesagt getan – dann drehe ich mich um und weiche Helgas Gefährt aus. Als ob wir uns an dem Tag noch nicht einmal gesehen hätten, strahlt sie mich an und sagt wieder einmal ihr „Guten Morgen!“. Verwirrt erwidere ich ihre Herzlichkeit und gehe zum Büro.

Mein Kaffee kommt gerade aus der Maschine, als das morgendliche Ritual des Büroräumens beginnt, damit Helga wischen kann. An diesem Morgen bin ich alleine, also laufe ich, ihrem Wagen ausweichend, zum anderen Büro – jedoch nicht ohne noch ein „Guten Morgen!“ zu erhalten, was in keinster Weise müder klingt als die Vorherigen.

Man sagt ja, dass sich durch die Studienbeiträge die Dienstleistung der Universität verändern und vor allem verbessern muss. Vor meinem inneren Auge stelle ich mir vor, wie Helga in meinem Prüfungsamt arbeitet und endlich alles klappt. Ich finde, Helga und ihre sonnige Art sollte ein Vorbild sein.

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