Ran an die Hausarbeiten!

Semesterferien! Wenn die Klausuren geschrieben sind, hat man seine Arbeit getan und kann die freie Zeit genießen. Von wegen. Da war doch noch eine Hausarbeit – oder auch zwei oder drei. Aber wie komm ich da jetzt wieder rein? Damit man am berühmten leeren Blatt nicht verzweifelt, hat das Schreibzentrum der Ruhruniversität Bochum in diesen Semesterferien zum ersten Mal eine Schreibwoche angeboten: Für jeden, der im Studium schreiben will oder muss.

Pünktlich um 10 Uhr geht es los. Von den insgesamt 50 Teilnehmern sind lediglich 20 zur Begrüßung erschienen. Jeder soll Student soll seine Stimmung mit einem Wort beschreiben. Dabei wird schnell klar, dass sich die Anwesenden widerwillig aus dem Bett gequält haben: Die meisten sind „Müde!“. Auch die weiteren Stimmungsbeschreibungen von „gestresst!“ bis „resignierend!“ lassen erahnen, dass die Motivation am 3. Tag der Schreibwoche ein wenig nachgelassen hat. Ulrike Lange, Mitarbeiterin des Schreibzentrums, muss bei dieser Reaktion schmunzeln und stellt Kaffee in Aussicht – vorher ist aber noch etwas Organisatorisches geklärt werden. Und was da organisiert werden muss, überrascht schon bei dem Stimmungsbild der Gruppe. „Die tägliche Schreibzeit wird wie gewünscht um eine Stunde verlängert.“

Hier wird keiner bei der Arbeit gestört. Foto: Maximilian Koch

Hier wird keiner bei der Arbeit gestört. Foto: Maximilian Koch

Obst, Kaffee und Kekse für den Schreibmarathon

Bei den Übungsräumen angekommen fallen sofort die großen roten Schilder mit der Aufschrift „Hier wird geschrieben und nicht gesprochen“ auf. Aber einen Raum gibt es doch, der extra zum Sprechen eingerichtet ist. Der „Kommunikationsraum“ ist auch die erste Anlaufstation für die Teilnehmer. Denn hier gibt es Kaffee. Und nicht nur das. Der liebevoll eingerichtete Raum bietet mit Obst und Keksen auch die richtige Verpflegung für die ersten drei Stunden Kampf mit dem leeren Papier – um 13 Uhr gibt es Mittagessen.

Der Kommunikationsraum ist zudem der zentrale Raum der Schreibwoche. Hier kann man sich Rat holen und mit anderen austauschen. Die gegenseitige Unterstützung ist das, was die Schreibwoche ausmacht. Selbst die Initiatoren des Schreibzentrums, das aus sechs Mitarbeitern besteht, leiten die Woche nicht nur, sondern schreiben selbst. Maike Wiethoff schreibt zum Beispiel an ihrer Dissertation, wenn sie nicht den Beraterposten besetzt. Als Berater gibt sie Tipps für jeden und jede Art von Arbeit: „Schreiben kann man hier alles. Wir haben Hausarbeiten, Vorträge, Bachelorarbeiten, Forschungsanträge und ein Teilnehmer nutzt die Schreibwoche sogar, um einen fiktionalen Text zu schreiben.“

Sogar Dissertationen werden hier geschrieben

Eva schätzt den Austausch mit den anderen Teilnehmern an der Schreibwoche. Foto: Maximilian Koch

Eva schätzt den Austausch mit den anderen Teilnehmern. Foto: Maximilian Koch

Teilnehmerin Eva (33) ist sehr dankbar für das Angebot. Sie sitzt im Moment ebenfalls an ihrer Dissertation und nutzt die Schreibwoche, um wieder einzusteigen. „Im Semester habe ich kaum Zeit, weil ich Seminare geben muss. Und um dann wieder in die Schreibarbeit einzusteigen, ist es perfekt hier.“ Sie erklärt auch, wie die gegenseitige Hilfe trotz komplexer und langer Arbeiten funktioniert: „ Ich abstrahiere den Inhalt. So kann mir jeder beim Prozess des Schreibens helfen.“ Hilfe im Prozess des Schreibens braucht sie vor allem, wenn es um die Frage „vertiefen oder kürzen?“ geht. Da kann so auch ein Außenstehender den entscheidenden Tipp geben.

Jeder bestimmt selbst, wie viele Seiten er schaffen will

Die Schreibwoche ist ein Angebot, bei dem alles freiwillig ist.  „Die einzige Verbindlichkeit die es gibt, sind die Ziele, die man sich selbst setzt.“ sagt Maike Wiethoff vom Schreibzentrum. Diese Ziele variieren von Teilnehmer zu Teilnehmer genau wie die Art der Arbeit. Der eine will die Rohfassung eines Kapitels in der Woche schaffen, der andere will seine 15-seitige Hausarbeit fertig stellen. Die Ziele werden aufgeschrieben. Aber nur wer will, hängt seine Ziele im Kommunikationsraum an die Wand. Der freie Charakter der Schreibwoche sorgt für eine angenehme Atmosphäre.  Wo sich um 11 Uhr alle schweigend auf die Schreibräume verteilt hatten, sitzen um 11.40 Uhr schon wieder die ersten an dem Tisch auf dem steht „Ich möchte mich gerne unterhalten…aber nicht übers Schreiben“.

Der "Seitenzähler" soll anspornen. Foto: Maximilian Koch

Der "Seitenzähler" soll anspornen. Foto: Maximilian Koch

Dass trotzdem etwas geschafft wird, zeigt sich an dem an der Wand angebrachten „Seitenzähler“. Hier wird festgehalten, wie viele Seiten jeder Einzelne in der Woche geschrieben hat. Natürlich auch freiwillig. Auch die Kommentare, die ebenfalls für jeden sichtbar aufgehängt werden, zeigen, dass die Schreibwoche, trotz (oder gerade wegen) der lockeren Atmosphäre die Produktivität fördert: „Die Schreibwoche ist eine geniale Idee. Nicht nur für Hausarbeiten, sondern auch zur ablenkungsfreien Vorbereitung auf sämtliche Prüfungen. Alleine ist es nicht so toll zu lernen oder zu schreiben.“

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