Nach der Uni Kürbisschnitzen

TU-Student René Wimmer verdient sein Geld mit Kürbissen: Jedes Jahr vor Halloween unterweist er Kinder in der Kunst, gruselige Fratzen in die harte Schale zu schnitzen. Die Arbeit mit den Kindern macht ihm Spaß und bereitet ihn auch auf seinen angestrebten Job als Förderschullehrer vor.

Vor Halloween gibt René Kürbisschnitzkurse auf dem Hof Ligges

Vor Halloween gibt René Kürbisschnitzkurse auf dem Hof Ligges. Foto: Elena Bernard

Kerzen erhellen den Raum, rund ein Dutzend Kinder sitzt auf Strohballen im Kreis in der Scheune des Hof Ligges in Kamen Methler. René Wimmer, Rehapäd-Student an der Uni Dortmund, beginnt zu erzählen: Die Geschichte von Halloween und alles, was man als angehender Kürbisschnitz-Profi über Kürbisse wissen muss. „Der Kürbis hat eine Sonnenseite und eine Erdseite“, erklärt er. „Die Erdseite sieht nicht so schön aus, aber das liegt daran, dass der Kürbis damit immer den Boden berührt hat.“ Mit diesem Wissen gewappnet, dürfen sich die Kinder nun ihren Kürbis aussuchen. Aber kaum haben sie gelernt, dass auch die Erdseite ihres Arbeitsobjekts nicht abstoßend, sondern ganz normal ist, kommt doch noch etwas zum Ekeln: René erzählt ihnen, dass manchmal Geister in den Kürbissen sitzen und dort ihren Nasenschleim hinterlassen. „Wenn die Kinder dann den Kürbis aushöhlen, finden alle auf einmal Geisterpopel.“

Ein Kürbis für jeden

Ist der Kürbis von den Kernen befreit, geht es ans Schnitzen. René legt dabei Wert darauf, dass die Kinder so viel wie möglich selbst machen. „Sie sollen Dinge ausprobieren und ruhig auch rummatschen können.“ Er unterstützt sie nur so viel wie nötig. Am Ende kann jedes Kind seinen eigenen Kürbis mit nach Hause nehmen.

Nachdem die Kinder ihren Kürbis gestaltet haben, bekommen sie einen Schnitzausweis. Foto: Elena Bernard

Nachdem die Kinder ihren Kürbis gestaltet haben, bekommen sie einen Schnitzausweis. Foto: Elena Bernard

René betreut Kindergartengruppen und Schulklassen, Kindergeburtstagsfeiern und Kinder, die sich einfach so zu einem Schnitzkurs anmelden. Manche der Kinder kommen schon seit mehreren Jahren vor Halloween zum Hof Ligges. Bei ihrem ersten Besuch bekommen sie einen „Kürbisschnitzausweis“, auf dem sie sich dann für jeden fertigen Kürbis eine Unterschrift geben lassen und die Stufen Bronze, Silber und Gold erreichen können. Unterschrieben wird der Ausweis von der „Hexe vom Dienst“, also der jeweiligen Kursleiterin. René ist zur Zeit das einzige männliche Mitglied im Anleiter-Team und nennt sich stattdessen „Zaubermeister“. Er erklärt: „Eigentlich fände ich ja „Hexenmeister“ gut, aber da haben die Hexen was gegen.“

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Mit einer kleinen Säge werden Muster in den Kürbis geschnitten. Foto: Elena Bernard

Auch Erwachsene buchen Kürbisschnitzkurse, etwa bei Betriebsausflügen. Ein Lehrerkollegium und eine Arztpraxis waren zum Beispiel in diesem Jahr schon da. Doch solche Kurse übernimmt René höchstens ab und zu als Vertretung: „Mir macht es mit Kindern einfach mehr Spaß.“ Bei der Frage, wie viel er verdient, muss der Student erstmal überlegen. Das Geld sei ihm nicht so wichtig, sagt er: „Ich mache das, weil ich die Arbeit mit Kindern toll finde und weil ich glaube, dass ich die Erfahrung auch für später gebrauchen kann.“ Nach dem Studium möchte er an einer Förderschule arbeiten. Bei den Schnitzkursen könne er Praxis im Umgang mit Kindern sammeln und sich so auf seine spätere Arbeit vorbereiten. Momentan studiert der 31-Jährige Rehabilitationswissenschaften an der TU Dortmund.

Gruselig oder dekorativ: Die fertigen Kürbisse. Foto: Elena Bernard

Gruselig oder dekorativ: Die fertigen Kürbisse. Foto: Elena Bernard

René ist schon lange dabei

Seit sechs Jahren arbeitet er jeden Oktober auf dem Hof Ligges. Eine Freundin habe ihn auf die Idee gebracht, sagt er. Sie habe ihn mit auf den Kürbishof genommen. Im folgenden Jahr habe er dort selbst angefangen. „Ich habe dann erstmal selbst gelernt, was es mit Halloween auf sich hat, damit ich es jetzt den Kursteilnehmern beibringen kann.“ Außerdem habe er sich mit dem Konzept für die Kinder-Kurse vertraut gemacht, das Hofbesitzerin Ute Ligges gemeinsam mit einer Sonderschullehrerin entwickelt hat.

Die Kürbisse werden auf dem Hof Ligges selbst angebaut. An Tätigkeiten wie der Kürbisernte hat René aber weniger Interesse. Er arbeitet nur im Oktober, manchmal auch schon im September auf dem Hof Ligges. Allerdings gebe es in diesem Jahr auch Adventsaktionen. „Vielleicht mache ich da ja mit“, sagt er.


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