DUELL – Darf eine Hochzeit so viel kosten?

Das Duell: Livia versus Nadja

Prinz William führt seine Kate endlich vor den Traualtar und die Briten dürfen sich über eine neue Prinzessin freuen. Die Hochzeit zwischen dem Zweiten in der englischen Thronfolge und der Millionärstochter wird ungefähr 12 Millionen Pfund kosten – die Kosten für die anstehenden Sicherheitsmaßnahmen sind allerdings noch nicht abzusehen. Ist eine solch enorme Summe für eine royale Hochzeit in Zeiten von Finanzkrisen und klammen Staatskassen berechtigt?

PRO CONTRA
Ja, natürlich ist sie das. Schließlich haben die Briten lange drauf gewartet, dass bei ihren Windsors mal wieder etwas passiert, auf das man stolz sein kann und was einer ausschweifenden Feier würdig ist. Prinz Charles war nach der Hochzeit mit seiner Camilla so unbeliebt wie nie, die Queen hat sich mit ihrer offensichtlichen Antipathie für Prinzessin Diana – auch Prinzessin der Herzen gennannt – selbst ins Abseits gestellt und Prinz Harry machte eher mit fragwürdigen Kostümen als mit königlichen Taten von sich reden. Prinz William aber hat die Uni mit Prädikatsexamen abgeschlossen und sich von St. Andrews seine zukünftige Frau mitgebracht. Und Kate ist genau das, was die Briten in ihrer Royal Family sehen wollen – klug, schön und zurückhaltend. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Der Erfolg darf gefeiert werden
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Dass William, mit dem nach dem tragischen Tod seiner Mutter die ganze Welt getrauert hat, nun sein Liebesglück gefunden hat, sollte den Engländern jeden Penny wert sein. Schließlich bekommt der Inselstaat durch die Vermählung nicht nur jede Menge Aufmerksamkeit, auch die Wirtschaft wird kräftig angekurbelt. Souveniers, Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen und volle Lokale werden wahrscheinlich die Kosten der Feierlichkeiten wieder ausgleichen.Auch die Imagepflege ist für England und im Speziellen für London in der Hochzeit mit inbegriffen. Unzählige Fernsehsender werden mehrere Milliarden Zuschauer am königlichen Spektakel teilhaben lassen. Diese werden sich ob der pompösen und durchgeplanten Heirat ein positives Bild von Großbritannien machen und möglicherweise ihren nächsten Urlaub in der Nähe der Windsors verbringen.

Doch auch im Kuriosen bringt die Vermählung Positives: Wettbüros verzeichnen schon vor dem Ja-Wort große Gewinne. Wer mag kann auf die Farbe des Hutes der Queen, das Wetter am Hochzeitstag oder sogar Kates „No“ vor dem Altar wetten.

Gute Laune gegen leere Staatskasse

Schon alleine diese Wetten zeigen, dass der 29. April für die Briten ein Feiertag wird. Sie sollten sich von Pfennigfuchsern nicht den Spaß an der royalen Hochzeit vermiesen lassen. Schließlich scheinen sich die Zeiten in ihrem geliebten Königshaus nun zum Guten zu wenden. Außerdem werden wohl viele Jahre vergehen, bis wieder ein englischer Thronfolger seine Liebe auf Ewigkeit besiegeln wird.

Unter keinen Umständen! Und das behaupte ich standfest, obwohl ich eine bekennende Anhängerin von Märchenhochzeiten bin. Aber eine Märchenhochzeit für 14 Millionen Euro? Nun, das übersteigt doch alle Grenzen der menschlichen Vernunft! Da entscheide ich mich lieber für eine Prachtvilla auf den Malediven, ein paar schicke Yachten oder sogar einen Flug ins Weltall. Aber eine Hochzeit? Das schreit nach einer Riesenverschwendung. Ganz nach dem Motto ohne Pöbel kein Monarch. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Geld aus der Bürgertasche xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Alles natürlich halb so schlimm, wenn da nicht diese 25 Millionen Euro zusätzlich für Sicherheitsmaßnahmen wären. Jegliche Vergleiche sind an dieser Stelle überflüssig, genauso wie die Vermutung, dass wahrscheinlich nicht einmal die Sicherheitsleute von Papst Benedikt XVI so viel kosten würden, wenn er sich einst entscheiden wollte, eine Schwulen- und Lesben-Demo zu besuchen. Und wer soll dann für die mordsteure Operation „Hochzeitskitsch“ anders bezahlen, wenn nicht der gute alte Steuerzahler?! Und das in Zeiten brachialer Sparprogramme in Großbritannien, einer Inflationsrate von 4,4 % und der höchsten Arbeitslosenquote seit 1994. Schließlich muss man ja das Augenmerk der breiten Masse von den wesentlichen Problemen des Landes verlagern, hin zum exzessiven Hochzeits-Tamtam. Der Klatsch und Tratsch um die Hochzeit zieht übrigens auch an Deutschland nicht spurlos vorbei. Da versuchen gleich vier deutsche TV-Kanäle dem öffentlichen
Interesse und ein kleines bisschen auch dem eigenen Gewinninteresse gerecht zu werden und schalten parallel zum Ort des Geschehens. Programmvielfalt fällt dann für einen Tag mal eben unter den Tisch. Vorübergehend wie es sich versteht. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Bis in alle Jahre … xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Schließlich soll doch der grandiose Tag der Windsor-Hochzeit um jeden Preis in die Geschichte eingehen! Und zwar nicht nur als die größte Geldverschwendung des Jahrhunderts, sondern als Nationalfeiertag. Dann kann sich auch jeder Englishman schön
brav der Massenhysterie hingeben und seine Arbeit dafür liegen lassen. Dass es den Staat etwa drei Millionen Pfund kosten wird, lässt sich bestimmt verkraften. Schließlich gibt es ja noch die Tassen, Briefmarken und Kondome mit dem schönen Aufdruck bzw. Verpackung, die uns jedes Mal ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert und dessen Vertrieb sich in den letzten Monaten ganz schön bezahlt gemacht hat. Für diejenigen, die mit dem Hochzeitswahn nichts anfangen können, gibt es die berühmten Kotztüten. Nur schade, dass sie nicht wiederverwertbar sind – sonst könnte
man dem Tag jedes Jahr aufs Neue gedenken.


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Foto: stockxchng/ bizior, Montage: Falk Steinborn, Teaserfoto: flickr.com / secretlondon123

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