Immer mehr WM-Lieder

Gegen Argentinien im Viertelfinale! Mal wieder. Aber im Vergleich zum Viertelfinale 2006 hat sich einiges geändert: Lionel Messi spielt bei den Argentiniern mit und Manuel Neuer muss jetzt – mit Spicker oder ohne – die Elfmeter für Deutschland halten. Und auch in der akustischen Untermalung des Spitzenspiels werden die Unterschiede zu 2006 deutlich zu hören sein. Die Zuschauer grölten vor vier Jahren noch einheitlich die eingängige Melodie des White Stripes- Klassiker „Seven Nation Army“. In diesem Jahr pusten sie lieber, im besten Fall rythmisch, in eine Plastiktröte. Dass es trotzdem genug „Künstler“ gibt, die ihren musikalischen Senf zur WM dazutun, zeigt schon ein kurzer Blick in die deutschen Singlecharts.

Auf dem Friedensplatz in Dortmund wird noch gesungen. Hier sind Vuvuzelas verboten. Foto: Jannik Sorgatz

Auf dem Friedensplatz in Dortmund wird noch gesungen. Hier sind Vuvuzelas verboten. Foto: Jannik Sorgatz

Angelehnt an ein afrikanisches Soldatenlied von 1986 hat Shakira zusammen mit „Freshlyground“ den offiziellen FIFA-WM-Song für die diesjährige Weltmeisterschaft beigesteuert. Dadurch, dass die FIFA neben der südafrikanischen Band „Freshlyground“ einen internationalen Popstar mit dem WM-Song beauftragt hatte, entschied sie sich mal wieder für eine sichere Variante. Die Rechnung ist aufgegangen. „Waka Waka“ belegt den ersten Platz in den deutschen Single-Charts.
Anscheinend reicht aber ein WM-Song nicht aus, so gibt es noch eine offizielle Hymne. Es ist ein weiterer international bekannter Künstler mit R. Kelly („Sign of a victory“), der der FIFA dafür seine Stimme leiht. Dass dieser Song in dem Dschungel aus offiziellen und inoffiziellen Beiträgen untergeht, ist schade, da er sicherlich zu den besseren Kompositionen dieser WM zählt.

Der „wahre“ WM-Song

Weniger offiziell, dafür aber wesentlich bekannter dürfte „Wavin‘ Flag“ von K’naan sein. Der in Somalia geborene und in Kanada aufgewachsene Künstler singt zwar nur den Coca-Cola-WM-Song, dieser ist aber, auch dank der Coca-Cola-Vermarktungsmaschinerie, „der Song“ dieser WM. Auf der ganzen Welt belegte die WM-Version von „Wavin‘ Flag“ Top-Platzierungen in den Single-Charts.

Extra für die WM-Campagne von Coca-Cola wurde das Original mit einem zusätzlichen Vor-Refrain ausgestattet, um ihn einer fröhlichen WM anzupassen. Zudem wurden auch Textpassagen herausgenommen, die von Gewalt und dem Leid der Menschen in Afrika handeln. Durch diesen neuen Anstrich wird das Original zwar in seiner Aussage verfälscht, aber als jetziges Gute-Laune-Lied entspricht es der Stimmung dieser WM. Und diese Version wurde auch zu keinem anderen Zweck konzipiert.

Offiziell, Offiziell, Offiziell

Singt den wahren WM-Song: K'naan. Foto: flickr.com/User MoEaFaTi

Singt den wahren WM-Song: K'naan. Foto: flickr.com/User MoEaFaTi

In Deutschland beschränkt man sich dagegen auf ein Lied. Besser gesagt: Jeweils eins! Der DFB verlässt sich dabei auf die Wahl des Hauptsponsors Mercedes Benz. Und nein, „Wir Glauben An Euch“ ist nicht von Xavier Naidoo, sondern von dem 30-jährigen Soulsänger Sebastian Hämer. Bekannt wurde der Song genau wie „Wavin‘ Flag“ durch eine Werbekampagne. In diesem Fall geht es um die Aktion „Der vierte Stern für Deutschland“ von Mercedes und dem DFB.

Wenig beeindruckt von der Wahl des DFB zeigt sich die Nationalmannschaft. Sie haben kurzerhand den WM-Song „Fackeln im Wind“ von Bushido zu ihrem offiziellen Kabinensong gekürt. So lange das dafür sorgt, dass sie so Fußball spielen, wie gegen England, wird es wohl keinen stören. Und auch Bushido profitiert von dem Musikgeschmack der Mannschaft. Er ist mit seinem Song der bestplatzierte deutsche WM-Künstler (Platz 6).

Die drei TV-Sender, die die Spiele der WM übertragen, haben natürlich auch jeweils ein Lied für ihre Sendungen ausgesucht. Die ARD setzt dabei auf Musik aus Südafrika. Dass Musik aus Südafrika dabei nicht unbedingt südafrikanisch klingen muss, zeigen The Parlotons mit dem Song „Come Back As Heros“. Ganz im Sinne des „The“ im Bandnamen, könnte die Musik ebenso gut aus der Heimat der englischen Nationalmannschaft stammen.

Die WM-Sendungen des ZDF werden von dem Song „Marchin on“ von „One Republic“ begleitet. Obwohl „One Republic“ seit 2007 ein Dauergast in den deutschen Charts ist, hat es ihr WM-Song überraschender Weise noch nicht in die Top 100 geschafft. Besser sieht es da für die Wahl von RTL aus. Die Dänen von Safri Duo sind zusammen mit Velile und dem Lied „Helele“ bis auf Platz 3 der Single-Charts geklettert.

Wer will nochmal? Wer hat noch nicht?

Zwar sind hiermit die begehrten Titel „Offiziell“ vergeben, aber das hält anscheinend niemanden davon ab, ob Musiker oder nicht, einen WM-Song aufzunehmen. Ein beliebtes Rezept ist es dabei eine eingängige, am besten schon bekannte, Melodie mit einem neuen WM-Text zu versehen. Dieser sollte natürlich möglichst einfach und vielleicht noch ein bisschen witzig sein. Wie sich das ganze dann anhört kann man sich zum Beispiel bei „Gimme Hope Joachim“ von Basta, „Pokal Again“ von Matze Knop oder „Viva Südafrika“ von den Höhnern anhören. Und es geht sogar noch einfacher: So hat sich „Bonfire“ einfach die deutsche Nationalhymne geschnappt und neu vertont.

Olli Pocher ist schon ein alter Hase im Musikgewerbe rund um den Ball. Foto: flickr.com/User SpreePiX - Berlin

Olli Pocher ist schon ein alter Hase im Musikgewerbe rund um den Ball. Foto: flickr.com/User SpreePiX - Berlin

Eher selten sind da Künstler, die mit komplett eigenem Werk an den Start gehen. Besonders erwähnenswert bleiben hier aber auch nur der Entertainer Oliver Pocher und die Rockband Frei.Wild. Oliver Pocher versucht es dieses Jahr mit dem Titel „Wir Gehen Nur Zurück Um Anlauf Zu Nehm'“, nachdem er schon 2006 („Schwarz Und Weiß“) und 2008 („Bringt Ihn Heim“) mit seinen Musikbeiträgen  sehr erfolgreich war. Und Frei.Wild setzen mit „Dieses Jahr Holen Wir Uns Den Pokal“ ein Ausrufungszeichen in der Flut von Fußballsongs. Bei einer Abstimmung auf dem Blog „WM 2010 & Südafrika“ wurden sie von über 17 000 Teilnehmern sogar auf den 1. Platz der besten WM-Songs gevotet.

Die gute alte Zeit

Als kleines Fazit zu den musikalischen Ergüssen zum Thema Fußball-Weltmeisterschaft, bleibt zu sagen: Es gibt durchaus WM-Songs, die man sich anhören kann. Und einige Ohrwürmer werden für immer mit dieser bis dato wunderbaren WM in Verbindung gebracht werden. Allerdings würde ich mir wünschen, dass demnächst wieder die deutsche Nationalmannschaft den einzigen deutschen WM-Song singt.

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