Ein Tag für Erschöpfte

Das Chronische Erschöpfungssyndrom ist eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung. Heute ist der „International CFS Awareness Day“. Er erinnert an den Geburtstag der englischen Krankenschwester Florence Nightingale, die seit ihrem 35. Lebensjahr an einer CFS-artigen Erkrankung litt, durch welche sie fünfzig Jahre ihres Lebens ans Bett gefesselt war. Wie fühlt sich die Krankheit an und wie sehr beschäftigten sich Ärzte damit?

Da wird Aufpassen in der Vorlesung zur Qual. Foto: pixelio/schlemmi

Chronische Erschöpfung: Da wird Aufpassen in der Vorlesung zur Qual. Foto: pixelio/schlemmi

Der Wecker klingelt und man kommt einfach nicht raus. Man ist richtig kaputt. Dabei sind die Erinnerungen an den Vorabend gestochen scharf und Alkohol war auch nicht im Spiel. Der Tag wird trotzdem zur Qual. Jede Aufgabe, auch bloß das Augenaufhalten in den Vorlesungen, fällt einem schwer. Abends ist man froh, sein Bett wieder zu haben und hüpft auch früher als sonst rein, um diese lästige Erschöpfung los zu werden. Am nächsten morgen hat sich nichts verändert. Was bleibt ist der Arztbesuch. Doch die häufige Diagnose: nichts. Also muss man jetzt gesünder leben? Es Hilft aber nichts! Über Jahre hinweg zieht das Leben an Betrofenden des Chronischen Erschöpfungssyndroms vorbei.

Das CFS (engl. Chronique Fatigue Syndrom), wird – wenn überhaupt – erst spät diagnostiziert. Jedoch ist es eine schwere und ernstzunehmende Krankheit. Darauf  soll heute am 12.05. aufmerksam mit dem internationale CFS-Tag aufmerksam gemacht werden.

CFS geht über die natürliche Studentenmüdigkeit hinaus. Bild: flickr.com/Marc Mathieu

CFS geht über die natürliche Studentenmüdigkeit hinaus. Bild: flickr.com/Marc Mathieu

Was ist CFS ?

„CFS ist eine Erkrankung, bei der der Patient unter extremer Erschöpfung leidet, die laut Definition länger als sechs Monate anhält. Sie ist mit einer Leistungsminderung verbunden, die bis zur Arbeitsunfähigkeit führt“,sagt Ulrike von Campenhausen, Ärztin und Expertin auf dem Gebiet des CFS. Weitere Symptome sind Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, empfindliche Lymphknoten, nicht erholsamer Schlaf und die anhaltende Verschlechterung des Zustandes nach Anstrengungen. Jedoch kennt keiner die Ursache.

Es gibt zwar zahlreiche Lösungsansätze, allerdings sind alle umstritten. Ein Forschungsansatz sieht CFS als „umweltbedingte“ Erkrankung. So sollen schädliche Stoffe in Nahrung, Kleidung oder Luft verantwortlich für die Erschöpfung sein.

Patienten werden alleine gelassen

In Deutschland gibt es nach Schätzungen des CFS-Bundesverband Fatigatio e.V. 300.000 Menschen, die unter CFS leiden. Allerdings sind die wenigsten in Behandlung, denn viele Ärzte erkennen die Krankheit nicht an. Erst 1988 wurde die erste Falldefinition von dem US-Amerikaner Holmes formuliert. Danach wurde auch der Forschungaufwand in diesem Bereich der Medizin erhöht, allerdings mit weniger Erfolg als gehofft. So bemängelt Ulrike von Campenhausen, dass sich noch viel zu wenig Ärzte mit dem Thema auseinandersetzen. „Man kann natürlich beim Hausarzt andere Ursachen ausschließen. Er kann feststellen, ob mein Blutbild in Ordnung ist, oder ob die Müdigkeit an Eisenspiegel, Schilddrüse oder Niere liegt, aber darüber hinaus kennt sich kaum ein Therapeut damit aus.“

Dr. Ulrike v. Campenhausen ist dafür, dass CFS mehr Anerkennung erfährt.

Dr. Ulrike v. Campenhausen ist dafür, dass CFS mehr Anerkennung erfährt. Foto: privat

Noch schlimmer, als CFS gar nicht zu diagnostizieren, sei laut v. Campenhausen nur eine Fehldiagnose: „Die Grenzen zur Depression ist relativ nahe, da kann es passieren, dass man in die Psycho-Ecke gestellt wird.“ Allerdings sind es zwei sehr unterschiedliche Krankheiten und das kann man laut Fatigatio e.V. auch sehr einfach festellen: „Man muss nur eine Frage stellen: ‚Was würden Sie morgen tun, wenn Sie gesund wären?‘ Depressive Patienten fällt dazu meistens nichts ein, CFS-Patienten hingegen nennen zahlreiche Vorhaben: Ihnen fehlt nämlich nicht der Antrieb, sondern die Energie.“

So ist es sehr ungerecht, dass CFS-Erkrankte oftmals als „faul“ bezeichnet werden. Sie sind durch ihre Krankheit nämlich nicht nur arbeitsunfähig, sondern können auch keine erfreuliche Tätigkeiten ausführen.

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