Gedenken an Auschwitz: Gegen das Vergessen

Das Eigangstor von Auschwitz-Birkenau hinter Stacheldraht.

Heute vor genau 70 Jahren – am 27. Januar 1945 – haben Soldaten der Roten Armee auf ihrem Vormarsch auf Berlin das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Mindestens 1,1 Millionen Häftlinge wurden dort zwischen 1941 und 1945 ermordet, damit war Auschwitz das größte Konzentrationslager der Nazis. Über die Gedenkveranstaltungen und Reaktionen am Campus und auf der Welt berichtet pflichtlektüre heute live. 

Rund um die Welt wird heute des Tages gedacht, an dem die rund 7.500 verbleibenden Häftlinge aus dem Lager befreit wurden. Etwa 300 der noch lebenden ehemaligen Insassen von Auschwitz werden die Gedenkstätte heute besuchen und an ihre eigenen Geschichten und die ihrer ermordeten Freunde erinnern. Auch der Bundestag hat heute Morgen der Opfern der Nazi-Diktatur gedacht.

Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz.

Bundespräsident Joachim Gauck sagte im Bundestag: „Gewiss werden andere Generationen neue Formen des Gedenkens suchen. Aber: Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz. Die Erinnerung an den Holocaust bleibt eine Sache aller Bürger, die in Deutschland leben.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte den Holocaust einen fundamentalen Angriff auf den Kern dessen, was „unser Menschsein ausmacht“.

Auch auf Twitter rufen die User zum Gedenken auf: 

 

Das Museum Auschwitz stellt einen Stream der Gedenkveranstaltung vor Ort auf Youtube bereit. Gegen 14.30 Uhr soll die Übertragung starten, aus Deutschland ist sie aber zur Zeit nicht abrufbar, wegen Rechteproblemen. Eine Umleitung über den Proxy-Anbieter „000freeproxy“ funktioniert. 

Schon vor dem offiziellen Beginn der Gedenkveranstaltung, haben Überlebende Kränze im ehemaligen Vernichtungslager niedergelegt. „Arbeit macht frei“, steht noch immer in gusseisernen Buchstaben über der Eingangspforte. 

 

Die Sache mit der Verantwortung 

Unmittelbar verantwortlich für die Morde in den Konzentrationslagern waren die jeweiligen Kommandanten. Der SS-Hauptsturmführer Amon Göth war einer von ihnen, verantwortlich für das KZ Plaszow bei Krakau. 

Göth führte im Lager ein barbarisches Regiment. Sein persönlicher Schreiber – der Jude Mieczyslaw Pemper – sagte später aus, Göth habe morgens nach dem Aufstehen oft von seinem Balkon aus Häftlinge erschossen, wahllos und ohne erkennbaren Grund.

Die Insassen nannten Göth schnell nur noch den „Schlächter von Plaszow“. Kurz nach Kriegsende griffen US-Truppen den deutschen Kommandanten auf und verurteilten ihn für den Mord zehntausender Menschen zum Tode. Bis zuletzt war sich Göth keiner Schuld bewusst und berief sich auf die damalige deutsche Gesetzeslage, der er sich als Soldat der Wehrmacht nicht habe entziehen können. 

 

„Wir sind eine ganz andere Generation – mit anderen Werten und Gedanken“, sagt zum Beispiel Hannah, die an der TU Sonderpädagogik studiert. Wie wichtig ist es der Vergangenheit zu gedenken? – Und wie wichtig ist es auch irgendwann mit ihr abzuschließen? Reaktionen vom Campus: 

Alexander, Lehramt Sozialpädagogik, sagt:
 20150127_130329„Es ist sehr wichtig, sich immer wieder an Auschwitz zu erinnern. Aus Geschichte lernt man. Vor allem heute, da es so viele Konflikte auf der Welt gibt, sind das wichtige Erfahrungen.“ 

Jos, Jurastudent, sagt:
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„Es bringt nichts immer nur in die Vergangenheit zu schauen. Auch wenn es wichtig ist, aus ihr zu lernen: Auch heute gibt es noch Antisemitismus und Diskriminierung in Deutschland. Wir sollten also nicht vergessen auch nach vorne zu blicken.“

 

Hannah, Lehramt Sonderpädagogik, sagt:

„Ich bin zweigeteilt: Einerseits ist es wichtig, sich zu erinnern. Andererseits sollten wir uns aber auch nicht zu viel mit der Vergangenheit belasten. Wir sind eine ganz andere Generation – mit anderen Werten und Gedanken.“ 

Gedenken auch in Dortmund

Auch in Dortmund wird es im Laufe des Abends noch eine Veranstaltungen zum Thema geben:

Ab 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) findet im BORUSSEUM der „Tag gegen das Vergessen“ statt. Zu Gast wird unter anderem Anke Klüßendorf vom „Förderverein Buchenwald“ sein. Sie berichtet vom Alltag in Konzentrationslagern und skizziert den Tagesablauf eines Häftlings. Der Eintritt ist kostenlos. Auch der BVB hatte der Opfer des Holocausts heute bereits gedacht. 

 

 

Und im TV: Die ARD sendet heute ab 23 Uhr einen Themenschwerpunkt zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Und: Arte zeigt am Donnerstag um 1.25 Uhr die Hitchcock-Dokumentation „Night Will Fall“, mit Originalaufnahmen aus Auschwitz. 

Beitragsbild: Außenministerium der Republik Polen / flickr.com

2 Comments

  • Ben Schröder sagt:

    Sehr geehrte Frau Ohm,

    vielen Dank für Ihre Kritik.
    In der Tat ist mir ein Fehler unterlaufen, den ich nun korrigiert habe. Ich bitte das zu entschuldigen und nehme Ihren Rat gerne an.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ben Schröder

  • Lena Ohm sagt:

    Lieber Benjamin Schröder,
    als ich Ihren Beitrag über die Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gelesen habe, haben sich mir die Nackenhaare aufgestellt. Auf vernünftige Recherche und eine kritische Abnahme durch den RvD scheint an diesem Tag niemand Wert gelegt zu haben, sonst hätten Sie nicht so einen haarsträubenden Unsinn publiziert (Zitat: „Als Lagerkommandant war Amon Göth hauptverantwortlich für das Massaker in Auschwitz.“).
    Amon Göth war nie Lagerkommandant des Stammlagers Auschwitz. Er war, wie Sie später richtig schreiben, als der „Schlächter von Plaszow“ bekannt, einem KZ und Arbeitslager in der Nähe von Krakau. Von dort aus hat er Menschen nach Birkenau deportieren lassen, aber das Lager Auschwitz hat er nicht geleitet. Das kann man auch erfahren, wenn man den einen funktionierenden Link zum Wikipedia-Artikel von Mieczyslaw Pemper geht (der von Amon Göth funktioniert nicht). Was Sie über Göth geschrieben haben, ist absolut richtig, aber es hat nicht direkt etwas mit dem Grauen zu tun, welches in Auschwitz-Birkenau begangen worden ist. Sie werfen Dinge durcheinander, die nicht durcheinander geworfen gehören.

    Die richtigen Auschwitz-Kommandanten hießen:
    – Rudolf Höß (Lagerkommandant von April 1940 bis November 1943, als Standortältester und Koordinator der „Ungarn-Aktion“ von Mai bis Juli 1944 erneut in Auschwitz)
    – Arthur Liebehenschel (Lagerkommandant von November 1943 bis Mai 1944)
    – Richard Baer (Lagerkommandant ab Mai 1944)

    Ich hoffe, Sie korrigieren Ihren Fehler und sind in Zukunft bei historischen Fakten doppelt vorsichtig und prüfen sie. Denn so verliert man als Medium und als Journalist seine Glaubwürdigkeit.

    Und falls ich Sie zu harsch angegangen bin, bitte ich um Verzeihung, aber ich war die vergangene Woche mit Auschwitz-Überlebenden vor Ort zur Besichtigung des Lagers und zur offiziellen Gedenkfeier und reagiere im Augenblick sehr empfindlich auf alles, was mit diesem Thema zu tun hat. Gerade, wenn es um eine falsche Darstellung der Tatsachen geht.

    Beste Grüße,
    Lena Ohm

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