Zeig Dich, Verfolger!

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Mitte August startet die Fußball-Bundesliga in eine neue Spielzeit. Der Topfavorit auf die Schale ist mal wieder – gähn – der FC Bayern München. Dabei wäre es allen Fußballfans zu wünschen, wenn die kommende Saison spannender würde als die vergangene. Doch gibt es sie überhaupt in der Bundesliga, die Mannschaft, die mit dem Rekordmeister ernsthaft konkurrieren, ihn gar jagen kann?

„Bayern-Jäger kann in Deutschland nur eine Mannschaft werden – Wolfsburg”, sagte BVB-Sportdirektor Hans-Joachim Watzke der „Bild am Sonntag” vor ein paar Tagen im Interview und begründete das so: „Wenn wir beim BVB Titel geholt haben, dann sind die Spieler auf einen Lkw gestiegen und um den Borsigplatz gefahren. Die Wolfsburger steigen in Lamborghini Cabriolets.“ Klaus Allofs, Watzkes Pendent in Wolfsburg, sieht das ganz anders: „Dass wir der große Bayern-Verfolger sind, ist falsch.“ Der BVB habe in den vergangenen Jahren schließlich viel mehr Geld für Spieler ausgegeben als Wolfsburg. Wolfsburg oder Dortmund? Wer hat die besseren Chancen die Bayern zu jagen? Eine Analyse.

Qualität                                                                               

Die Mannschaft des BVB ist eine der besten der Liga. Daran ändert auch die vergangene Saison nichts. Allzu viel Bewegung gab es im Kader selbst nicht. Mit Roman Bürki kann sich Dortmund auf einen starken Keeper freuen. Zwei wichtige Personalien haben den Verein allerdings verlassen: Sebastian Kehl und natürlich Jürgen Klopp. Klopp wird schwer zu ersetzen sein, war er in den vergangenen sieben Jahren doch die prägende Figur in und um den Signal-Iduna-Park. Die Mannschaft wird sich nach sieben Jahren purer Emotion an den ruhigen Thomas Tuchel erst gewöhnen müssen. In Wolfsburg hat sich unterdessen nur wenig verändert. Das Team ist weitestgehend das gleiche wie im Jahr zuvor. Einziger nennenswerter Neuzugang: Max Kruse von Borussia Mönchengladbach. Der Nationalspieler wird das Angriffsspiel der Wölfe flexibler machen. Der Kader von Trainer Dieter Hecking ist ohnehin stark besetzt, einzelne Spieler wie Kevin De Bruyne oder Ivan Perisic haben große Klasse. Doch auch der BVB hat mit Marco Reus oder Mats Hummels überragende Spieler. Die Qualität, die Bayern zu ärgern, haben also beide – mit leichten Vorteilen für Wolfsburg allerdings.  

Form

In den Testspielen haben beide Teams bisher durchwachsen abgeschnitten. Der BVB verlor zuletzt 1:2 gegen den VfL Bochum, der VfL Wolfsburger kam gegen kleinere Mannschaften oft nur zu einem Remis. Testspiele sind aber nur Testspiele. Viel wichtiger sind die Eindrücke aus der vergangenen Saison. Die Wolfsburger sind eine eingeschworene Truppe, extrem eingespielt. Da sitzt fast jeder Laufweg. Hecking lässt einen sehr mutigen Fußball spielen, was für die Zuschauer natürlich toll ist. Aber die Mannschaft spielt nicht nur schön, sondern auch erfolgreich. Als Vizemeister nimmt die Mannschaft viel Selbstbewusstsein mit in die neue Spielzeit. Der BVB wiederum erinnert sich an die vergangene Saison ungern. Spieler wie Reus, Mkhitaryan oder Kagawa stecken seit Monaten in einem Formtief. Aber das kann auch eine Chance sein. Die Erwartungen an die Mannschaft sind gesunken. Sowohl den Fans als auch der Mannschaft und den Verantwortlichen ist jetzt klar, dass die erfolgsverwöhnten Jahre jetzt wohl erstmal vorbei sind. Die Form spricht also eindeutig für Wolfsburg als Bayern-Jäger. Auch wenn Klaus Allofs eher bescheiden ist: „Wenn wir den Abstand [zu den Bayern, Anm. d. Red.] verkürzen können, wäre das schon toll.“

Finanzielle Kraft

Beiden Clubs geht es finanziell sehr gut. Der BVB hat in den vergangenen Jahren viel Geld verdient und konnte so auch viel Geld investieren. Michael Zorc und Aki Watzke kauften seit 2013 neue Spieler im Wert von etwa 134 Millionen Euro. Die Wolfsburger gaben im gleichen Zeitraum etwa 25 Millionen weniger aus. Mit VW hat der VfL Wolfsburg aber einen Konzern im Rücken, der kontinuierlich viel Geld in den Verein pumpt. Das hat der BVB nicht. Der Verein steigert seinen Verdienst dafür zum Beispiel durch PR-Reisen nach Asien: „Wir planen, alle zwei Jahre eine solche Auslandsreise zu machen. Immer dann, wenn keine Turniere stattfinden. 2017 also das nächste Mal“, sagte Watzke. Beiden Clubs geht es aber in jedem Fall gut genug, um den Kader im Winter eventuell noch nachzurüsten, falls es nicht so läuft, wie erwünscht. Hier also ein Patt zwischen den beiden Teams.

Fazit

Auch wenn es Klaus Allofs nicht gefällt, das nun auch hier zu hören: Wenn einer von beiden Bayern-Jäger wird, dann die Wolfsburger. Auch die Mannschaft selbst glaubt, mit den Bayern mithalten zu können: „Natürlich hoffe ich, dass wir mit dem VfL Meister werden. Wenn man sich die Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren anschaut, sind wir auf dem richtigen Weg.“, sagte Kevin De Bruyne kürzlich „Sport Bild“. Für den BVB wäre es unterdessen ein großer Erfolg, sich in Saison eins nach Klopp am Ende unter den ersten Vier wiederzufinden. Wie es auch läuft: Alles, aber bitte nicht wieder ein Meister mit zehn Punkten Vorsprung.

Foto: flickr.com / Asia Joanna 

 

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