Wissenswert: Weihnachtsbräuche

Foto: flickr.com/Karen Roe, Rafael Robles L, Lars Kasper, NASA Goddard Photo and Video; Montage: Marc Patzwald, Teaserfoto: flickr.com/poniblog

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An Heiligabend, da steht wohl in fast jeder Wohnung ein festlich geschmückter Tannenbaum und da wird es wohl bei vielen Plätzchen oder eine leckere Gans zu essen geben – mit der eigentlichen Weihnachtsgeschichte hat das allerdings nichts mehr zutun. Ob Dekorationen oder Gerichte, vieles, was für uns heute an Weihnachten dazu gehört, hat es zur Zeit von Jesus Geburt noch gar nicht gegeben. Oliver Reis arbeitet am Institut für katholische Theologie an der TU Dortmund und kennt sich mit dem Thema Weihnachtsbräuche gut aus.

Auf die Frage, welche unserer heutigen Weihnachtsbräuche überhaupt noch etwas mit Weihnachten zutun haben antwortet Theologe Oliver Reis ziemlich direkt: „Fast nichts! Außer natürlich die Krippe, die kann man noch darauf beziehen. Aber der Weihnachtsbaum zum Beispiel, den gibt es erst seit dem 17. Jahrhundert.“ Die Menschen haben sich damals einen Tannenbaum in ihre Wohnung geholt, um zur kalten Jahreszeit etwas schönes Grünes im Haus zu haben. Von da an ist er allmählich vom einfachen Tannenbaum zum Weihnachtsbaum geworden, im Stall von Maria und Josef stand der allerdings nicht.

Keine Vanillekipferl in Bethlehem

Hat keinen Tannenbaum zuhause, dafür aber eine Krippe. Und für seine beiden Töchter gibt es auch Geschenke - Theologe Oliver Reis. Foto: Maren Bednarczyk

Hat keinen Tannenbaum zuhause, dafür aber eine Krippe. Und für seine beiden Töchter gibt es auch Geschenke - Theologe Oliver Reis. Foto: Maren Bednarczyk

Auch Plätzchen gab es erst hunderte Jahre nach der Geburt von Jesus. Oliver Reis erklärt: „Plätzchen selber haben mit Weihnachten so erstmal auch nichts zutun. Aber auch im 17. Jahrhundert kann man nachweisen, dass Bäume, Weihnachtsbäume zum Beispiel, mit Plätzchen behangen wurden, als Naschwerk für die Kinder.“

Heutzutage findet man Plätzchen allerdings vornehmlich auf bunten Weihnachtstellern oder in speziellen Dosen. Ein weiterer traditioneller Schmaus an Weihnachten ist die Weihnachtsgans, doch auch die sollte eigentlich eher Martinsgans heißen, weil sie ursprünglich an St. Martin gegessen wurde.

Christkind vs. Weihnachtsmann

Ob beim Einkaufsbummel oder auf dem Weihnachtsmarkt, überall begegnen einem Weihnachtsmänner, oder eben golden gelockte Christkindchen. „Der Weihnachtsmann ist eine Erfindung von Coca Cola“, sagt Oliver Reis, „der ist eine Ableitung vom ursprünglichen Bischof Nikolaus und kommt dann heute durch den Schornstein, anstatt durch die Haustür!“ Und auch das Christkind, so wie wir es heute kennen, das heißt mit goldenen Locken, blauen Augen in Engeloptik ähnelt dem Christuskind von damals auch nicht mehr. Der kleine Jesus hatte damals nämlich eher dunkle Haut und dunkle Haare.

Geschenkerevolution durch Martin Luther

Alle, die jetzt denken, dass zumindest zwischen unseren Geschenken und der christlichen Weihnachtsgeschichte eine Verbindung besteht, muss Dr. Oliver Reis ebenfalls enttäuschen. Die Geschenke haben nämlich nicht etwa damit zutun, dass die heiligen drei Könige Jesus Gold, Weihrauch und Myrrhe mitgebracht haben, sondern mit dem Nikolaus und Martin Luther, erklärt Oliver Reis: Damit nicht die ganze Sehnsucht auf Nikolaus gerichtet ist und weil das eigentliche Hochfest ja Weihnachten ist, hat Martin Luther gesagt: Lasst uns doch an Weihnachten die Geschenke verteilen!“

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