Hola Weihnachtsmarkt!

Eine spanische Touristengruppe beobachtet fasziniert die Lichter, die den größten Weihnachtsbaum Europas in Dortmund schmücken. Sie kamen zum Zeitpunkt der Eröffnung von einem der berühmtesten Weihnachtsmärkte in Deutschland nach Dortmund.

Die Gruppe aus Spanien war zum ersten Mal auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt. Foto: Alberto Sisi Sanchez

Die Gruppe aus Spanien war zum ersten Mal auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt. Foto: Alberto Sisi Sanchez

Was die Aufmerksamkeit der Neuankömmlinge sofort fängt, ist die Menge der Menschen. Und die bunten, weihnachtlich dekorierten Stände. Sie haben zuvor nur aus Zeitschriften oder aus dem Fernsehen Eindrücke von Weihnachtsmärkten in Deutschland bekommen. Vor Ort fallen die Spanier durch ihre dunklen Haare und ihrer lauten Stimmen auf. Die Menschen auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt haben sie mit offenen Armen empfangen. Gemeinsam genossen sie die Traditionen und die Spanier lernten auch die lokalen Bräuche kennen.
Einen Vergleich mit dem Dortmunder Weihnachtsmarkt haben sie mit dem traditionellen Weihnachtsmarkt auf der Plaza Mayor in Madrid. Die Spanier gehen traditionell seit ihrer Kindheit dorthin, um Ornamente der Geburt Jesu Christi zu kaufen. Diese Tradition kommt ursprünglich aus Italien und ist fester Bestandteil der spanischen Kultur. Auf diesem Markt findet man aber nicht nur religiöse sondern auch einige witzige Gegenständige, die im Zusammenhang mit dem „Fest der Unschuldigen Kinder“ verkauft werden. Dieses Fest wird in Spanien am 28. Dezember gefeiert und ähnelt in gewisser Weise dem April Fool’s Day am ersten April. Die Verkäufer auf dem Markt haben in den letzten Jahren begonnen Perücken, an die anderen Verkäufer zu verteilen, um eine festliche Atmosphäre, auch an den kalten Tagen des Winters, zu kreieren.

Besser guten Wein statt Glühwein

Matias Uris, Professor für Fotografie und Javier Rodriguez, Grafik-Design Schüler, beide aus Madrid probieren eine heiße Tasse Glühwein. Foto: Alberto Sisi Sanchez

Matias Uris, Professor für Fotografie und Javier Rodriguez, Grafik-Design Schüler, beide aus Madrid probieren eine heiße Tasse Glühwein. Foto: Alberto Sisi Sanchez

Des Weiteren beobachten die Spaniern, dass die Menschen eine rauchige und sehr stinkende Flüssigkeit, in einer reich verzierten Porzellantasse trinken. Wie sie dann erfahren haben, handelt es sich hierbei um den berühmte Glühwein. Sie hatten zwar schon alle davon gehört, aber noch keiner hatte es zuvor getrunken. Dem Studenten Victor Red, von der Universität Francisco de Vitoria schmeckt der Glühwein: „Es ist ein wunderbares Getränk für die kalte Jahreszeit. Aber da ich aus einem Land mit einer großen Weintradition komme, ist es für mich fast ein Verbrechen, was die Verkäufer mit dem Wein machen.“ Zudem ist der Gruppe neu, dass jeder von ihnen zwei Euro Pfand für ihre Glühwein-Tassen bezahlen muss. Jeder würde die Tasse als Andenken eigentlich mit nach Hause nehmen, aber im letzten Moment geben sie doch ihre Tasse ab und wollen nicht die zwei Euro verlieren.

Die Kunst des „Take Away“ Essen

Auf dem Weihnachtsmarkt wird es immer kälter, je weiter der Abend fortschreitet. Die Gruppe entscheidet sich, etwas zum Abendessen zu kaufen und Kraft zu tanken. Sie alle sind über die vielen Menschen an den Essbuden überrascht. An jeder Essbude sind lange Warteschlangen und es dauert sehr lange, bis sie dran kommen .“Die Deutschen hören nicht auf zu essen, und sind trotzdem sehr dünn“, sagt Javier Rodriguez, ein Grafik-Design Schüler aus Madrid. Der Gruppe fällt auch die Riesen-Wurst auf und sie sind neugierig, wie sie schmeckt. Allen hat die Wurst sehr gut geschmeckt. Trotzdem vermissen sie den spanischen Brauch, stundenlang an einem Tisch mit Freunden und Familie zu sitzen und zu essen. Guillermo Alonso, ein Student der Politikwissenschaften an der Universität Complutense von Madrid sagt: „Die Deutschen essen im Stehen und sehr schnell geringe Mengen. In Spanien können wir vier Stunden und viele Gerichte in einer Zeit essen. Dabei genießen wir die Gesellschaft von Freunden, vor allem in der Weihnachtszeit.“ Ihm fällt auf, dass die Frau, die Frikadellen und Würstchen verkauft,ein akzeptables Spanisch spricht. „Ich bin viele Jahre in den Urlaub nach Benidorm (Alicante) gefahren“, erklärt sie.

Die Feier der Kinder

Den Spaniern fallen die vielen Menschen und Kinder auf dem Weihnachtsmarkt auf. Foto: Alberto Sisi Sanchez

Den Spaniern fallen die vielen Menschen und Kinder auf dem Weihnachtsmarkt auf. Foto: Alberto Sisi Sanchez

Die Spanier sind überrascht über die vielen Kinder und Erwachsenen auf dem Markt. Sie stellen fest, dass in Deutschland viel mehr Kinder als in Spanien sind. Und Weihnachten – wie in einem mediterranen Land – zielt darauf ab, mit den Kindern genossen zu werden. „Es ist erstaunlich, wie viele Kinder auf dem Markt sind. Ich hoffe, dass Frauen in Spanien auch so viel Unterstützung nach der Mutterschaft bekommen, wie in Deutschland. Kinder zu haben, ist die Freude dieser Zeit“, sagt Matias Uris, Professor für Fotografie in Madrid – nur wenige Augenblicke, bevor er eine SMS erhält, dass er der Onkel von einem kleinen Baby wird.

Die spanische Gruppe genießt den Weg zurück zum Hotel, an den vielen Kindern und den Attraktionen des Marktes vorbei. Sie haben den starken Wunsch, zur Weihachtszeit nach Deutschland zurückzukehren, weil sie etwas gehört haben, das ihre Neugier geweckt hat: In einigen Städten, trinken die Menschen Glühbier sowie Glühwein. Eine sehr gute Ausrede, um zurückzukehren.