Ihr Traum: Studentenleben im XXL-Format

Wohnheimplätze sind heiß begehrt, in WGs kommt man nicht so einfach rein und eine eigene Wohnung ist für die meisten Studenten finanziell kaum realisierbar. Marc Bruch und Lars Roth aus Wuppertal haben zumindest für 16 Bewohner eine Lösung dieses Problems gefunden: Eine 950 Quadratmeter große Lagerhalle mit anschließenden ehemaligen Büroräumen nahe des Wuppertaler Stadtzentrums. Bereits seit Februar 2011 werkeln sie fleißig an der Wohngemeinschaft im XXL-Format – allerdings haben ihnen die Behörden dabei vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht, plötzlich hieß es: Baustopp!

Schon ewig Kumpels, kommen gebürtig aus Wuppertal und sind heute die Inhaber der XXL-WG: Lars Roth (l.) und Marc Bruch (r.). Foto: Maren Bednarczyk

Schon ewig Kumpels, kommen gebürtig aus Wuppertal und sind heute die Inhaber der XXL-WG: Lars Roth (l.) und Marc Bruch (r.). Foto: Maren Bednarczyk

Den Weg zum Eingang der XXL-WG muss man erst einmal finden. Er führt über einen großen Hinterhof, über eine überdachte Brücke in den ersten Stock eines großen grauen Betonbaus – es riecht noch nach Industrie. Niemand würde wohl vermuten, dass hinter der dicken Stahltür in Zukunft das lebhafte Zuhause von 16 Menschen sein würde. Doch spätestens als die Tür aufgeht, erahnt man die Leidenschaft, die hinter diesem Projekt steht: Einer der Gründer, Marc Bruch, begrüßt mich mit einem breiten Grinsen, da ist wohl jemand voller Tatendrang. Er führt mich durch einen langen, bisher noch spärlich beleuchteten Gang, es ist ziemlich kalt. Dann allerdings kommen wir in ein warmes, hell erleuchtetes Zimmer – dort wartet bereits sein Partner Lars Roth. Die beiden sind Ideengeber, Gründer und Geschäftsführer der XXL-WG bzw. des „Wohnheims mit WG-Charakter“, wie sie ihr Projekt selbst nennen.

Zu zweit – zu langweilig

Marc und Lars haben vor dem Projekt „XXL-WG“ bereits 3 Jahre lang zusammen in einer 2er-WG gewohnt. „Das war eigentlich auch ganz cool, wir haben auch ab und zu mal gefeiert“, erzählt Lars, „mit der Zeit wurde es aber dann doch irgendwie langweilig und wir haben uns überlegt, wie man das WG-Leben noch cooler gestalten kann.“ In Wuppertal gebe es bereits einige WGs mit 5-8 Bewohnern, das seien aber meist eher „alternative Hütten“, sagt Lars. Die beiden Jungs haben ihr Projekt also selbst in die Hand genommen und sich in Zeitungen und Internet nach einem entsprechenden Objekt umgeschaut. Nachdem die erste passende Anzeige nach der Besichtigung aus dem Raster gefallen war, sind sie letztendlich auf das aktuelle Gebäude gestoßen – eine alte Lagerhalle, Ende der 1960er-Jahre gebaut, vorher Standort eines Hotelausstatters. An die Halle schließt ein Bürotrakt mit 9 Räumen an. Im Ergebnis: 950 Quadratmeter, Platz für 16 Bewohner – Marc und Lars waren sich sicher und unterschrieben den Mietvertrag.

Aus der Traum: Baustopp!

Hier erkennt man die weiten Dimensionen: Im langen Flur mit neun Zimmern im ehemaligen Bürotrakt sind Lars und Marc nur ganz entfernt erkennbar. Foto: Maren Bednarczyk

Hier erkennt man die weiten Dimensionen: Im langen Flur mit neun Zimmern im ehemaligen Bürotrakt sind Lars und Marc nur ganz entfernt erkennbar. Foto: Maren Bednarczyk

Nachdem sie im Februar 2011 das erste Mal das Gebäude gesehen hatten, haben sie knapp ein halbes Jahr an einem Plan gearbeitet, durch den klar werden sollte, „Wo kommt was rein? Wo muss was gemacht werden?“. Anfang Juli haben Marc und Lars dann gemeinsam mit Freunden und einigen zukünftigen Bewohnern angefangen ihren Plan in die Tat umzusetzen. Sie seien gut in der Zeit gewesen, erzählt Marc. Doch mitten bei der Arbeit wurden der 24-Jährige und seine Helfer von uneingeladenem Besuch überrascht: Drei Herren von der Behörde klingelten an der provisorischen Funkklingel und wollten Genehmigungen sehen. Marc und Lars hatten bisher so ziemlich alles in ihrem Projekt professionell gehandhabt, dabei aber an eine entscheidende Sache nicht gedacht. „Das war eigentlich ein Fehler von Lars und mir. Wir haben angefangen zu bauen und haben uns vorher aber nicht gründlich genug um die Nutzungsänderung von Gewerbe- in Wohneinheit gekümmert.“ Und genau dieser Fehler sollte Marc und Lars jetzt einholen, die Bauaufsichtsbehörde hat den beiden aufgrund der fehlenden Unterlagen sofortigen Baustopp verordnet.

Architekten sollen’s richten

Damit die beiden Jungs weiter arbeiten und die Bewohner endgültig einziehen können, mussten sie einiges ins Rollen bringen. Sie schalteten Architekten ein, die einen professionellen Plan von dem Gebäude und von dem, wie es hinterher aussehen soll, erstellen. Seine Ergebnisse müssen dann wieder mit dem Bauamt abgestimmt werden. Durch diesen Prozess sind Kosten in fünfstelliger Summe auf Marc und Lars zugekommen. Marc arbeitet als Kälteanlagenbauer und Lars macht ein Dual-Studium im betriebswirtschaftlichen Bereich. Deshalb konnten die beiden diese Kosten natürlich nicht ganz alleine stemmen. Die beiden haben aber finanzielle Unterstützung von Familie und Bekannten bekommen. Und im neuen Bauplan finden 16 Bewohner Platz, ursprünglich waren es „nur“ 14. Durch zwei Wohnplätze mehr fließt dementsprechend auch mehr Geld in die Mietkasse. In ein paar Wochen sollen die Architekten die Pläne so geändert haben, dass alle Vorschriften eingehalten werden. Mit Zustimmung der Bauaufsicht sollen die Bauarbeiten in der XXL-WG dann endlich weitergehen.

Spaß, Gemeinschaft, Leben

Die große Halle, das Herz der WG. Sie wird später noch in Küche, Ess- und Wohnzimmer unterteilt. Billard- und Kickertisch stehen schon parat. Foto: Maren Bednarczyk

Die große Halle, das Herz der WG. Sie wird später noch in Küche, Ess- und Wohnzimmer unterteilt. Billard- und Kickertisch stehen schon parat. Foto: Maren Bednarczyk

Auch wenn es in der alten Lagerhalle nahe des Bahnhofs Wuppertal-Steinbeck noch recht kühl ist und viele Räume nicht oder nur wenig beleuchtet sind, kann man an einigen Stellen erahnen, wie es dort später einmal aussehen soll – immerhin wurde in der Zeit von Februar bis Oktober letzten Jahres bereits fleißig gearbeitet. In dem ehemaligen Bürotrakt gibt es links und rechts eines langen Flures insgesamt neun Zimmer, gegenüber im anderen Trakt soll es weitere fünf geben und in der großen Halle sollen ebenfalls zwei Leute wohnen können. Die beiden Zimmer in der Halle sind mit 28 Quadratmetern die größten und sozusagen die „Suites“ der Riesen-WG. Wenn in der großen Halle allerdings große Feten gefeiert werden, ist es in diesen beiden Zimmern wohl am lautesten – sollten die Bewohner überhaupt schlafen wollen. Das Equipment für Parties und ausgelassene Abende in Gesellschaft ist nämlich bereits vorhanden: Ein Kicker und ein Billardtisch schmücken die meterhohe ehemalige Lagerhalle. Außerdem gebe es einen Lastenaufzug, der eigentlich für Umzüge, aber auch für größere Getränkelieferungen genutzt werden könne, erklären die beiden Jungs schmunzelnd.

Cooles Gimmick und gut für die Umwelt

Kalte Winterabende werden in Wuppertal wohl nicht langweilig - Zumindest sorgen Marc und Lars mit ihrer großen DVD-Sammlung dafür. Foto: Maren Bednarczyk

Kalte Winterabende werden in Wuppertal wohl nicht langweilig - Zumindest sorgen Marc und Lars mit ihrer großen DVD-Sammlung dafür. Foto: Maren Bednarczyk

Wenn bald weiter gebaut werden darf, soll die große Halle in drei Teile unterteilt werden, Wohnzimmer, Esszimmer und eine Küche mit drei Küchenzeilen und begehbarem Kühlschrank. Für Marc als gelernter Kälteanlagenbauer ist es natürlich Ehrensache, dass er die Kühlzelle selbst installiert. „Dadurch verbrauchen wir sogar weniger Strom, als wenn wir mehrere Kühlschränke entsprechend der hohen Anzahl der Bewohner aufstellen würden.“ Da die meisten der zukünftigen Bewohner noch im Studium oder in der Ausbildung stecken, soll es auch einen Seminarraum geben, in dem in Ruhe gelernt werden kann. Darin soll es auch einen Beamer geben, um Referate und Präsentationen zu proben – Publikum gibt es bei 16 Bewohnern wohl genug. Und wenn nicht gerade gelernt wird, wird der Beamer vielleicht genutzt, um DVDs an die Wand zu werfen. Marc und Lars haben aus ihrer alten WG nämlich eine große DVD-Sammlung mitgebracht. Den XXL-Charakter runden 4 Badezimmer plus eine große Gemeinschaftsdusche mit drei Duschen und drei Waschmaschinen ab. Weil es bei der Größe für die Bewohner etwas zu viel würde, sollen Küche und Sanitäranlagen sogar von Reinigungskräften geputzt werden. Für Flure und Gemeinschaftsräume wird es einen Putzplan geben.

Bunt gemischt und Multikulti

Marc sagt selbst: „Lars und ich sind ja nicht mehr die Jüngsten. Mit 24 oder 25 gründet man normalerweise keine WG, an die man Jahre lang gebunden ist.“ Trotzdem wünschen sich die beiden Jungs, dass ihre WG mindestens so lange hält, wie das Gebäude – auch wenn sie schon ausgezogen sind. Einige zukünftige Bewohner des „Wohnheims mit WG-Charakter“ stehen schon fest. Sie sind 18 bis 39 Jahre alt, darunter ist zum Beispiel ein Englischlehrer aus Kalifornien, oder eine Holländerin. „Wir wollen eine bunt gemischte Truppe“, wünscht sich Marc, „Multikulti ist völlig angesagt!“ Dass man mit so vielen unterschiedlichen Charakteren Spaß haben wird, steht außer Frage. An einen Party- oder Veranstaltungsplan haben die Organisatoren bisher allerdings nicht gedacht.

Auch wenn das Projekt noch nicht abgeschlossen ist, Familie und Freunde hätten vorher keinen Cent darauf verwettet, dass Marc und Lars ihre Idee überhaupt umsetzen würden, erzählen die beiden stolz. Im Sommer soll dann endlich die offizielle Einweihung stattfinden – ob mit 16 oder 80 Leuten, weiß noch niemand so genau. Platz gibt es auf jeden Fall genug!

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