Wissenswert: Osterbräuche

Foto: flickr.com/Karen Roe, Rafael Robles L, Lars Kasper, NASA Goddard Photo and Video; Montage: Marc Patzwald, Teaserfoto: flickr.com/poniblog

Foto: flickr.com/Karen Roe, Rafael Robles L, Lars Kasper, NASA Goddard Photo and Video; Montage: Marc Patzwald, Teaserfoto: Maren Bednarczyk

Zu den ersten Frühlingstagen wird es endlich mal wieder richtig bunt in der WG-Küche – spätestens zum alljährlichen Osterfest. Beim Discounter um die Ecke schnell noch ein paar Schokohasen kaufen, eine Kiste Eier schön bunt färben und aus ein bisschen Mehl und Milch ein leckeres Osterlamm backen. Aber gab es diese Bräuche und Symbole auch schon in Jerusalem, als Jesus dem Glauben nach für die Christen gestorben und an Ostern auferstanden ist? Oliver Reis ist Theologe an der TU Dortmund und weiß genau Bescheid.

In Sachen Dekoration und Kreativität kann man sich Ostern frei austoben. Nicht nur Eier kann man anmalen, sondern auch Osterhasen. Foto: Maren Bednarczyk

Nach dem grauen Winter wird´s bunt: Hasenrohlinge zum Anmalen sind in fast allen Bastelläden erhältlich. Foto: Maren Bednarczyk

Bereits zu Weihnachten hat die pflichtlektüre Oliver Reis über die weihnachtlichen Bräuche gesprochen, das Ergebnis: Eigentlich hat nichts von dem, was wir heute an Weihnachten aufstellen, backen und zelebrieren überhaupt noch etwas mit der christlichen Weihnachtsgeschichte zu tun. Zu Ostern sieht es wohl nicht ganz so dramatisch aus. „Osterhasen, Ostereier – all diese Elemente stehen für das, was an Ostern passiert: Nämlich dieser Neubeginn nach dem Tod, der Neubeginn nachdem etwas gestorben ist, der Frühling, das Frühlingserwachen, die Momente des neuen Lebens, wenn das Leben durch die Schale bricht“, sagt Oliver Reis. Zum Beispiel kleine Küken, die aus ihrem Ei schlüpfen oder Hasenfamilien, die ihre Kleinen zur Welt bringen symbolisieren genau das, was man mit der Auferstehung von Jesus verbinden kann. Trotzdem gibt es diese Symbole erst seit dem späten Mittelalter, sie gab es nicht bereits zu Zeiten Jesu.

Ursprünglich Lamm Gottes, heute Lamm im Ofen

„Ja, das Osterlamm hat einen Bezug zur Ostergeschichte in der Bibel!“, erklärt Oliver Reis. „Da gab es bestimmt kein Osterlamm in der Form, wie wir es heute kennen. Aber dieses „Jesus ist das Lamm Gottes“ im Agnus Dei in jeder Liturgie, damit verehren wir Jesus Christus als das Lamm Gottes und damit eben als denjenigen, der sich geopfert hat.“ Jesus hat sich sozusagen wie ein Schlachttier für die Christen hingegeben, um ihre Sünden auf sich zu nehmen und sie zu versöhnen.

Der Hintergrund dafür, dass Jesus als das Lamm Gottes gilt habe mit dem damaligen Auszug der Israeliten aus Ägypten zu tun, weiß Oliver Reis. Im Alten Testament steht geschrieben, dass Gott Rache an den Ägyptern übte, weil sie in ihrem Land die Israeliten unterdrückt und versklavt haben. Den Israeliten wurde dann in der Nacht ihres Auszuges gesagt, sie sollen ihre Türpfosten mit Lämmerblut bestreichen. So sollte Gott ihre Häuser erkennen, damit sie von der Ermordung der Erstgeborenen unter Mensch und Vieh, wie die blutige Rache laut Bibel an den Ägyptern aussehen sollte, verschont blieben. Jesus gilt also auch als das Lamm, welches die Israeliten damals vor dem bösen Racheengel, den Gott gesandt hat, beschützt hat.

Karsamstag vs. Ostersamstag

Die meisten wissen sicher nicht genau, wie er denn nun heißt, der Samstag am Osterwochenende: Sollte man Karsamstag sagen oder ist auch der Begriff Ostersamstag erlaubt? Oliver Reis erklärt, dass es eigentlich ein zweigeteilter Samstag ist, also quasi beide Begriffe gelten. „Es ist Karsamstag, wobei es kirchlich so ist, dass mit dem Sonnenuntergang liturgisch der nächste Tag beginnt.“ Nachdem in vielen Gemeinden das Osterfeuer angezündet wird ist also Ostersamstag. Mancherorts wird dann ab 21 Uhr die so genannte Auferstehungsmesse gefeiert. „Das ist im Grunde ein doppelter Tag“, fügt Oliver Reis hinzu. „Einerseits Jesus bei den Toten, und dann in der Nacht der Vorgriff auf den Ostersonntag, der der eigentliche Osterfeiertag ist.“ Ein Tipp – nicht nur für all diejneigen, die es an Karneval vor der Fastenzeit übertrieben haben – sondern an alle: „In der Nacht zum Ostersonntag sollte man eigentlich auch beichten gehen – zumindest wenn man Christ ist, gehört es dazu“, appelliert der Theologe.

Fleischlos, aber Fisch erlaubt?

Er schlägt vor, in der Fastenzeit einen Tag komplett auf Speis und Trank zu verzichten. Der Fisch an Karfreitag sei nur ein Kompromiss - Theologe Oliver Reis. Foto: Maren Bednarczyk

Er schlägt vor, in der Fastenzeit einen Tag komplett auf Speis und Trank zu verzichten. Der Fisch an Karfreitag sei nur ein Kompromiss - Theologe Oliver Reis. Foto: Maren Bednarczyk

„In der Fastenzeit geht es darum sich zurückzunehmen und einmal richtig wahrzunehmen, wie man lebt. Dazu gehört auch die Rücksicht auf andere Geschöpfe. Eigentlich die die Fastenzeit eine radikal fleischlose Zeit. Mit dem Fisch ist es quasi wie ein Kompromiss, so wie Maultaschen in Süddeutschland auch nicht als Fleischspeise gelten“, erklärt Oliver Reis und schmunzelt dabei. „Eigentlich kann man deshalb besser vom Fleischverzicht sprechen, weil man an dem „nur“ Fisch erkennen kann, dass wir uns in Sachen Fleisch irgendwo zurücknehmen.“

Oliver Reis hat aber kein Verständnis für diejenigen, die sich an Karfreitag zum Beispiel eine riesige Fischplatte auf den Esstisch zaubern. „Diejenigen haben das mit dem Fasten nicht richtig verstanden.“ In der Ausnahme Fisch zu essen bedeute nämlich nicht gleich, sich im Supermarkt um die Ecke Unmengen an Fisch aus der Kühltheke zu angeln.

Jesus: Anzeige wegen Tempelfriedensbruch

In der katholischen Kirche gilt Ostern als Tag der Auferstehung Jesu übrigens noch vor dessen „Geburtstag“ Weihnachten als das höchste Fest der gesamten Christenheit. Trotzdem sieht Oliver Reis Weihnachten dadurch nicht zu sehr ins Abseits gedrängt – Weihnachten sei der notwendige Gegenpart zu Ostern. „Ostern wäre nur halb so sinnvoll ohne Weihnachten, aber Weihnachten ohne Ostern macht gar keinen Sinn! Stellen wir uns vor, Jesus wäre 40, 50 oder 60 Jahre alt geworden, hätte eine Familie gegründet und mal eine Anzeige wegen Tempelfriedensbruch bekommen – dann gäbe es das Christentum nicht!“ Im Vergleich freut Oliver Reis beim Osterfest, dass bei den Geschenken nicht ganz so viel Kommerz betrieben wird.