Rauchfrei zum Zug? Eine Bilanz.

„Rauchfreier Bahnhof“ bzw. für ausländische Reisende „Non-Smoking Station“ – so steht es seit dem 1. September 2007 auf großen gelben Schildern in den Bahnhöfen der Republik. Auf kleineren Bahnhöfen war von da an das Rauchen komplett verboten und auf den 330 großen deutschen Bahnhöfen (mehr als 10.000 Passagiere pro Tag) darf man sich nur noch in gelb gekennzeichneten Bereichen eine Kippe anstecken. Aber halten sich auch alle Raucher an diese Regelung? pflichtlektuere hat sich bei Verantwortlichen der Deutschen Bahn nach den bisherigen Erfahrungen erkundigt und am Dortmunder Hauptbahnhof Raucher und Nichtraucher zu Wort kommen lassen.

Groß, auffällig und eigentlich eindeutig - die gelben Hinweisschilder an den Bahnsteigen sollte eigentlich jeder Raucher wahrnehmen. Für ausländische Reisende gibt es sogar die englische Übersetung. Foto: Maren Bednarczyk

Groß, auffällig und eigentlich eindeutig - die gelben Hinweisschilder an den Bahnsteigen sollte eigentlich jeder Raucher wahrnehmen. Für ausländische Reisende gibt es sogar die englische Übersetung. Fotos: Maren Bednarczyk

„Den meisten ist es doch egal, sie schaffen die paar Meter bis in die gelbe Zone nicht und rauchen dann einfach neben uns Nichtrauchern!“ „Es stinkt und nervt einfach nur!“ „Ich setze mich dann einfach weg, die Leute werden sich eh nicht ändern!“ – die Meinungen unter den Nichtrauchern über das Rauchverbot am Dortmunder Hauptbahnhof sind eindeutig. Die meisten von ihnen beobachten noch heute – knapp fünf Jahre nach der Neuregelung des Nichtraucherschutzes an Bahnhöfen – Raucher, die diese Regelung einfach ignorieren. Obwohl die gelben Hinweisschilder an den Bahnsteigen ziemlich eindeutig und die gekennzeichneten gelben Raucherzonen nicht wirklich zu übersehen sind. Laut Dirk Pohlmann, einem Sprecher der Deutschen Bahn NRW, seien die Probleme allerdings nicht so gravierend, wie von den Nichtrauchern am Bahnsteig geschildert. Die Erfahrungen würden dahin gehen, dass das Raucherverbot weitgehend eingehalten würde, wobei auch die gelb markierten Flächen von den Rauchern gut frequentiert würden.

Ausgebüchst aus dem Raucherkäfig

Im Volksmund werden die gelb gekennzeichneten Raucherzonen auch als „Raucherkäfige“ bezeichnet und manche fühlen sich darin auch so. Zwei Damen, Mutter und Tochter, sitzen bewusst außerhalb des Raucherbereiches und finden, es sei ihr gutes Recht. „Wir sind doch an der frischen Luft, warum soll ich da nicht überall hier auf dem Bahnsteig rauchen dürfen? Selbst wenn ich in diesen Käfigen rauchen gehe, bekommen die Nichtraucher trotzdem meinen Qualm ab!“, protestiert die Mutter. „Mir ist es eigentlich egal“, fügt ihre Tochter hinzu. „Aber hier in der Sonne ist es doch deutlich schöner, als eingeengt unter dem Blechdach zu stehen.“ Vielleicht liegt es bei den einen nur am schönen Wetter, andere protestieren auch so gegen die eingeschränkte Raucherlaubnis. Man kann auf vielen Bahnsteigen Raucher beobachten, die sich im Nichtraucherbereich sogar neben die Nichtraucher auf die Bank setzen. Diese Leute haben wohl eine andere Motivation, als nur das schöne Wetter.

DB drückt meistens ein Auge zu

In Einzelfällen sei es notwendig, dass Reisende, die außerhalb der Raucherzonen rauchen, von den Sicherheitskräften angesprochen werden müssten, heißt es seitens der Deutschen Bahn. Diese Raucher würden dann explizit auf das Rauchverbot hingewiesen und werden dann entweder in die Raucherbereiche geschickt oder sollen die Zigarette ganz ausmachen. Manche gingen dann auch direkt aus dem Bahnhof raus, wenn dort das Rauchen komplett verboten ist, heißt es. Aber auch die Verantwortlichen der Deutschen Bahn haben bereits erkannt, dass es immer wieder Leute gibt, die meinen, sich nicht an Verbote halten zu müssen – darunter eben auch Raucher. Eine Geldbuße oder ähnliches sei bisher aber eher selten erhoben worden, erklärte Dirk Pohlmann. Das geschehe aber dann, wenn durch das Rauchen der Bahnhof verschmutzt würde. Dann könne die Bahn gegebenenfalls ein Reinigungsentgeld in Höhe von 40 Euro erheben.

Die Mehrzahl: verantwortungsbewusst

Diese Dame macht alles richtig - sie hält sich an die Vorschriften und raucht innerhalb des Raucherbereiches. Dort steht den Rauchern immer ein Aschenbecher zur Verfügung. Foto: Maren Bednarczyk

Diese Dame macht alles richtig - sie hält sich an die Vorschriften und raucht innerhalb des Raucherbereiches. Dort steht den Rauchern immer ein Aschenbecher zur Verfügung.

Auch wenn es auf vielen Bahnsteigen immer wieder Raucher gibt, die sich nicht an Verbote oder Einschränkungen halten, gibt es auf der anderen Seite aber auch die Raucher, für die das Einhalten der Vorschriften selbstverständlich ist. „Mich stören die Raucherzonen nicht.“ sagt ein Student. „Die sind ja frei und nicht abgesperrt. Außerdem liegen dann woanders keine Kippen rum und gleichzeitig schütze ich auch noch die Nichtraucher vor meinem Qualm.“ Eine Dame, die gerade auf ihren ICE nach Stuttgart wartet, sieht es ebenfalls gelassen: „Alles andere finde ich unhöflich! Es gibt nun mal diese speziellen Bereiche, da sollte man auch die fünf Meter bis dorthin schaffen.“ Eine andere Reisende, die im Regionalverkehr unterwegs ist, ärgert sich zwar vor allem über den Bahnhof in ihrer Heimatstadt Wanne-Eickel, auf dem das Rauchen komplett untersagt ist. Gleichzeitig verspricht sie, trotzdem immer vor dem Eingang des Bahnhofs rauchen zu gehen. Fragt man die Raucher, die sich an die Spielregeln halten, nach der Motivation derer, die sich nicht daran halten, lautet die Antwort meist: Gewohnheit.

E-Zigaretten auch verboten

Obwohl wir viele Reisende am Dortmunder Hauptbahnhof getroffen haben, die sich von den Rauchern außerhalb der Bereiche belästigt fühlen, würden die wenigsten aktiv etwas dagegen unternehmen. „Ich würde mich vielleicht wegsetzen.“, sagt eine Teenagerin, ihr Freund dazu: „Wegsetzen würde ich mich auch, aber sagen würde ich da nichts.“ An dieser Stelle sei der Hinweis gegeben, dass sich Reisende, die sich durch Raucher belästigt fühlen, am besten immer an das Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn wenden.

Außerdem: In unterirdischen Bahnhöfen, wie zum Beispiel in der S-Bahn-Station der TU Dortmund, ist das Rauchen komplett untersagt – begründet ist dies nicht nur durch den Nichtraucherschutz, sondern vor allem durch die Brandschutzbestimmungen. Unter das Rauchverbot fallen übrigens auch die Elektro-Zigaretten. DB-Sprecher Pohlmann erklärt, dass die Deutsche Bahn die E-Zigaretten genauso behandeln würde, wie normale Zigaretten. Auf den großen Bahnhöfen darf übrigens nur deshalb in speziellen Bereichen geraucht werden, weil diese als Umsteigebahnhöfe – meist auch mit Fernverkehr – gelten. Dort müssen die Passagiere häufig länger warten und deswegen soll ihnen dort das Rauchen zumindest in bestimmten Bereichen gestattet sein.

1 Comment

  • Benno sagt:

    Zigarettenqualm stinkt und gefährdet die Gesundheit. Wer sich trotzdem außerhalb der Raucherbereiche eine Kippe ansteckt, ist ein rücksichtsloser Schmock. Bei uns am Regionalbahnhof hängen jetzt Rauchverbotsschilder (Druchmesser > 30cm), aber das interessiert die meisten Raucher nicht. Am liebsten würde ich solchen Rauchern eine reinhauen.

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