Bildungsstreik – Schülerstreik?

Gesamtschulen, G9, freie Studienwahl und Übernahmegarantie für Azubis – der bundesweite Bildungsstreik hat viele Themen. Allgemein fordern die jungen Demonstranten die Politik auf,  in gute Bildung statt in Banken und Konzerne zu investieren. Auch in der Dortmunder Innenstadt demonstrierten Schüler, Studenten und Azubis.

An der Katharinentreppe vor dem Hauptbahnhof beginnt die Demo. Foto: Verena Hilbert

An der Katharinentreppe vor dem Hauptbahnhof beginnt die Demo. Foto: Verena Hilbert

Nach Schätzungen der Polizei waren es etwa 1400 Demonstranten, die vom Hauptbahnhof zum Friedensplatz zogen. Organisiert wurde die Aktion vom Bildungsstreikbündnis Dortmund. Mit dabei: das Komitee für freie Bildung (KffB) von der TU Dortmund. Es war die einzige Gruppe der Uni, die sich aktiv beteiligte. Erst zwei Tage vor dem Streik hatte das Studierendenparlament beschlossen, den Streik zu unterstützen. Das StuPa und der AStA riefen also zum Bildungsstreik auf. Allerdings erst einen Tag vor der Demonstration. „Die Mobilisierung an der Uni ist nicht ganz so gut verlaufen“, sagt Finn Siebert von der KffB und spricht von etwa 50 Studenten der TU Dortmund, die bei der Demo dabei sind. Ein weiterer Grund für die geringe Beteiligung der Studenten kann auch die Abschaffung der Studiengebühren sein. Für viele ist das Hauptziel damit erreicht. Sönke Schröder sieht das aber eher als „Motivation, dass man was erreichen kann“. Ohne Bildungsstreiks und andere Aktionen wären laut ihm die Studiengebühren nicht abgeschafft worden.

Finn Siebert, einer der Organisatoren, moderierte auch die kleine Kundgebung am Schluss. Foto: Verena Hilbert

Finn Siebert, einer der Organisatoren, moderierte auch die kleine Kundgebung am Schluss. Foto: Verena Hilbert

Für die Studenten, die doch auf die Straße gegangen sind, sind auch noch längst nicht alle Forderungen erfüllt. Die Politik solle „endlich Geld in die Hand nehmen“ und genug Kapazitäten für alle Studenten schaffen, sagt Finn Siebert. Die überfüllten Unis waren ein großes Thema bei der Demo. Das Bildungsbündnis fordert ausreichend Studienplätze für alle und eine Masterplatz-Garantie für Bachelor-Absolventen. Außerdem wollen die Studenten, dass jeder sein Studienfach frei wählen kann. Dafür sollen NCs und andere Zulassungsbeschränkungen abgeschafft werden. Den Schülern ging es dagegen darum, G8 abzuschaffen und das Gymnasium wieder auf neun Jahre zu verlängern. Es sollen Mensen gebaut und Schulen saniert werden. Das dreigliedrige Schulsystem wollen die Demonstranten abschaffen und kleinere Klassen ermöglichen. Auch für die Finanzierung ihrer Forderungen haben die Demonstranten Ideen. Immer wieder sind Rufe zu hören wie: „Rauf mit der Bildung, runter mit der Rüstung“. Redner und Demonstranten kritisieren auch, dass die Regierung Banken und Konzernen mit großen Summen aushelfe und dann kein Geld für die Bildung habe. „Da ist was schief im System“, sagt Student Tino. Beim Bildungsstreik ging es also neben Bildungsthemen auch um andere Bereiche der Politik und um die Wirtschaft.

Mit einem Transparent setzen sich Studenten und Schüler in der Dortmunder Innenstadt für freie Bildung ein. Foto: Verena Hilbert

Mit einem Transparent setzen sich Studenten und Schüler in der Dortmunder Innenstadt für freie Bildung ein. Foto: Verena Hilbert

Das ist einer der Gründe, warum sich der AStA der TU Dortmund teilweise vom Bildungsbündnis distanziert. Bei manchen Forderungen frage man sich, was das noch mit Hochschulpolitik zu tun habe. Zudem gebe es, laut Johannes Blömeke, teils keinen Lösungsansatz für die Probleme im Bildungssystem. Mitorganisator Finn Siebert freute sich jedenfalls über die „coole, große, bunte Demo“. Es  konnte sich wohl jeder in dem großen Themenspektrum widerfinden und eigene Schwerpunkte setzen. Und manche schienen sich auch einfach über den schulfreien Tag zu freuen.

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