Das Duell: Würdigen wir Dirk Nowitzki genug?

Das Duell: Thomas versus Henrik

Dirk Nowitzki hat mit seinen Dallas Mavericks den NBA-Meistertitel geholt, als erster Deutscher überhaupt. Er ist einer der besten Basketballer dieser Zeit, vielleicht sogar aller Zeiten. In den USA ist er der Mega-Star – doch wie sieht es in Deutschland aus? Würdigen wir Nowitzki eigentlich genug für seine sportlichen Erfolge?

PRO
CONTRA
Ja, wir würdigen unseren Dirk ausreichend. Er ist schließlich einer der größten deutschen Sportler aller Zeiten – und das nicht nur wegen des NBA-Titels. Schon seit knapp zehn Jahren ist er in der besten Liga der Welt einer der besten Spieler der Liga. Und wenn er für die Deutsche Basketball-Nationalmannschaft spielt, ist er der Grund, das Spiel zu sehen.

Nun hat er endlich den lang ersehnten Titel gewonnen – und die Deutschen haben mitgefiebert. Okay, es gab keine Übertragung im Free-TV. Aber ich war sicherlich nicht der Einzige, der nachts um 3 Uhr aufgestanden ist, um sich die Spiele von Dirk im Netz anzuschauen. Und ich bin bei weitem kein großer Basketball-Fan.

Nowitzki häufig in der Presse

Passend zum Titel ist jetzt der Medientrubel gestiegen. Aber auch die letzten Jahre gab es stetig Berichte über die Erfolge von Dirk und seiner Dallas Mavericks; entweder in den gängigen Sportzeitungen oder aber bei ARD und ZDF. Mehrmals wöchentlich konnte man dort Spielzusammenfassungen gucken.

Auch als es in Dirks Privatleben hoch her ging, würdigten wir unseren Sportstar: 2009 kam an die Öffentlichkeit, dass seine damalige Freundin eine Verbrecherin sei und vom FBI festgenommen wurde. Sein Privatleben wurde entgegen gängigen Boulevardregeln aber nicht ausgeschlachtet. Nein, wir empfanden eher Mitleid und sorgten uns um seine Zukunft.

„Everybody’s Darling“

In Deutschland ist Dirk Nowitzki „Everybody’s Darling“. In den USA dagegen gab es häufig mal schlechte Worte über ihn: Er sei zu weich, kein Führungsspieler und er werde nie den einen großen Titel gewinnen. Wir dagegen lobten seine bodenständige und nette Art, sein herausragendes Talent und seine Vorbildfunktion.

Dennis Erhoff und Dennis Seidenberg kennen wahrscheinlich nur die echten Sportcracks. Beide sind Eishockeyspieler in der NHL, der besten Eishockeyliga der Welt. Beide haben die Chance auf die Meisterschaft. Hier könnte man von fehlender Würdigung sprechen, aber bei Dirk? Bei ihm von fehlender Würdigung zu sprechen wäre weit gefehlt.

Nein, das wird er nicht. Zwar ist Nowitzki im wahrsten Sinne des Wortes unser größter Star, selbst die Amerikaner liegen „Dirkules“ zu Füßen. In seinem eigenen Land jedoch wird er seit Jahren verkannt. Daran wird auch sein Triumph in der US-Basketball-Liga NBA auf lange Sicht nichts ändern. Dirk Nowitzki ist und bleibt das Stiefkind des deutschen Sports. Doch warum eigentlich?

Zunächst einmal wäre da König Fußball – für Nowitzki ein grausamer und repressiver Herrscher über das deutsche Sportreich. Fast jeder U20-Nationalspieler ist populärer als „Big D“. Die Nation redet nun mal lieber über die Farbe von Jogi Löws Pullover als über den ersten deutschen NBA-Gewinner in der Geschichte.

Mediale Wiedergutmachung

Doch zu Nowitzkis Schattendasein haben hierzulande vor allem die Medien beigetragen. Was haben sie alles getitelt in den letzten Tagen: „Unser Superstar“, „Einer der Größten aller Zeiten“. Mit einem unvergleichlichen Hype haben die Medien auf Nowitzkis NBA-Sieg reagiert – als hätten sie etwas gutzumachen.

Und das haben sie! Seit Monaten loben Spitzensportler weltweit Nowitzkis Auftritte, doch eine 50-Punkte-Gala von ihm schafft es im Normalfall nur mit Glück auf Seite vier eines vierseitigen Sportteils. Für Fußballrechte fließen öffentlich-rechtliche Milliarden, doch an die Übertragung der NBA-Finals haben ARD und ZDF nicht gedacht. Die Medien können Nowitzki im Nachhinein küren wie sie wollen. Damit machen sie nicht vergessen, dass sie ihn jahrelang kaum beachtet haben.

Bringt die Basketball-EM die Wende?

Auch wenn er unsere Fahne bei den Olympischen Spielen in Peking getragen hat: Im deutschen Sport-Olymp ist Dirk Nowitzki noch nicht angekommen. Vielleicht wird seine Heimat mit anderen Augen auf die Basketball-EM im September schauen. Vielleicht verfolgt sie aber auch gebannt die frische Fußball-Saison. Nowitzki braucht all den Rummel nicht, er zehrt nicht davon, im Mittelpunkt zu stehen. Doch verdient hätte er es allemal.

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Foto: stockxchng/ bizior, Montage: Falk Steinborn, Teaserfoto: pixelio.de / Rainer Sturm