Viele Lehramtsstudenten können sich nicht durchsetzen

Foto Wolfgang Franz | www.flickr.com/photos/wolfra/

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Kurz nach dem Abitur ist es für viele Schüler ein festes Dogma: Raus aus der Schule und am besten nie wieder rein! Lehrer werden? Sicher nicht! Aber wer wird eigentlich Lehrer? Diese Frage haben sich jetzt auch der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und die Unternehmensberatung McKinsey gestellt. Das Ergebnis:
Gerade ängstliche und durchsetzungsschwache Abiturienten mit weniger gutem NC wollen Lehrer werden. Dies besagt eine neue Bildungsstudie.

Was dabei heraus gekommen ist, ist der so genannte „Hochschulbildungsreport 2020„. Laut Erkenntnissen der Studie gelte: Lehrer ist nicht unbedingt das, was als ein „Streberberuf“ bezeichnet werden kann. Gerade Schüler mit einem eher mittelmäßigen Abitur streben demnach ein Lehramtsstudium an. „Fast die Hälfte aller Abiturienten mit einer Durchschnittsnote zwischen 2,1 und 4,0 ist am Lehrerberuf ‚eher‘ bis ’sehr‘ interessiert“, so die statistische Auswertung. Für Schüler mit einem Abitur im Einser-Bereich hingegen trifft dies nur zu 38,1 Prozent zu. Hinzu kommt, dass nur rund „17 Prozent der guten Abiturienten den Lehrerberuf als eine tatsächlich infrage kommende Option ansehen“.

Für Dr. Barbara Arens-Voshege liegt der Grund für das mangelnde Interesse guter Abiturienten am Lehrerberuf besonders an den fehlenden Aufstiegschancen. „Gerade männliche Studenten mit einem guten Numerus Clausus wollen häufig nicht Lehrer werden“, so die ehemalige Leiterin des Praktikumsbüros für Lehramtsstudiengänge an der TU Dortmund. „Es locken Studiengänge, die bessere Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten bieten, wie beispielsweise BWL oder Medizin.“  Deshalb sei das Lehramt auch nach wie vor eher ein klassischer Frauenberuf, da er sich gut mit der Familienplanung übereinstimmen lasse. 

Lehrer müssen sich durchsetzen können

Auch wenn die NC’s laut der Studie häufig weniger gut sind – was besonders in der Berufspraxis zählt, sind Fähigkeiten wie Durchsetzungskraft, Begeisterung für das Unterrichten, Talent für den Umgang mit jungen Menschen und eine gut ausgebildete Rhetorik. Aber auch hier liefert der „Hochschulbildungsreport“ überraschende Ergebnisse: Nicht die extrovertierten Schüler wollen Lehrer werden. Das Gegenteil ist der Fall: Nur etwa 13 Prozent der Befragten finden, dass sie sich gut durchsetzen können und nur 16 Prozent haben das Gefühl ein gutes Selbstbewusstsein zu haben. Immerhin: Jeder Vierte glaubt, er könne seine Schüler später gut motivieren. 

Für Barbara Arens-Voshege liegt auch hier der Grund wieder in der Geschlechterspezifik des Berufes. „Gerade Schülerinnen kommen häufig leichter durch ihre Schullaufbahn, weil sie eher angepasst und brav sind. Das führt aber auch dazu, dass sie weniger schulkritisch sind und ein falsches Bild vom Schulalltag haben“, so Arens-Voshege. „Im späteren Berufsleben wird dann manch einer ins kalte Wasser geschmissen. Gerade in einem Bildungsmilieu, das beispielsweise an einer Hauptschule herrscht, kann das häufig zu Problemen führen.“

Praktische Erfahrungen helfen bei der Berufswahl

Dr. Arens-Voshege, die heute noch als Lehrbeauftragte an der TU Dortmund arbeitet, war vor ihrem Ruhestand dafür verantwortlich, dass Lehramtsstudenten praktisch auf den Lehrberuf vorbereitet wurden. Deshalb ist sie der Meinung, dass praktische Erfahrungen das A und O sind, um Fähigkeiten wie Durchsetzungskraft zu erlernen. Zudem sei es wichtig, mehr Männer für den Lehrerberuf zu begeistern, denn vielen Frauen fehle es vor allem an Verständnis für das Verhalten männlicher Schüler.

Auch die Autoren der Studie empfehlen: Die Ausbildung müsse näher an die Praxis rücken. Am Vorbild von Medizinstudenten, die praktische Erfahrungen in Lehrkrankenhäusern sammeln, sollten die Unis in Zukunft mehr mit „Campusschulen“ kooperieren. Denn gerade im Praktikum können zurückhaltendere Schüler herausfinden, ob sie für den Lehrerberuf wirklich geeignet sind. 

 Das sagen Lehramtsstudenten der TU Dortmund zum Thema:

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Teaserfoto: flickr.com/wolfra

1 Comment

  • Tobias sagt:

    Bitte unterscheiden: ein NC ist die Note, die den Studiengang beschränkt, also ab der man nicht mehr zugelassen werden kann. Ein Abiturient hat einen Abiturschnitt, Notenschnitt oder ähnliches, aber keinen NC.

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