Hintergrund: NC für Lehramtsstudiengänge

Wer in Dortmund auf Lehramt studiert, muss verpflichtend das Fach Bildungswissenschaften belegen. Doch die Fakultät Erziehungswissenschaften stößt schon länger an ihre Grenzen. Bisher ist der Zugang zum Lehramtsstudium über NC auf den einzelnen Fächern geregelt, die Bildungswissenschaften sind zulassungsfrei. Das soll sich mit dem doppelten Abiturjahrgang nun ändern – mit einem universellen NC auf die Bildungswissenschaften.

Der neue Numerus Clausus soll, teilte die TU mit, als einheitliche Zulassungsbeschränkung für das Fach Bildungswissenschaften realisiert werden. Er würde so alle Lehramtsstudiengänge bis auf die Sonderpädagogik betreffen. Laut TU sollen in Zukunft so „weiterhin gute Studienbedingungen in der Lehramtsausbildung“ garantiert werden. Im Gegenzug zum neuen NC sollen alle Lehramtsfächer außer Germanistik und Sozialwissenschaften für das Gymnasium und Psychologie für Gymnasien und Berufskollegs zulassungsfrei werden.

Wie die TU weiter mitteilte, entscheidet momentan das Düsseldorfer Ministerium für Wissenschaft und Forschung über den Antrag zur Zulassungsbeschränkung der Dortmunder Bildungswissenschaften. Falls ihm stattgegeben wird, ergibt sich die Höhe des NC aus der Zahl der Bewerber auf alle Lehramtsstudiengänge und der Zahl der maximal möglichen Studienplätzen in den Bildungswissenschaften. Letztere werden aktuell von der Universität festgestellt. Der Numerus Clausus repräsentiert den Abiturschnitt des letzten Bewerbers, der noch einen Studienplatz bekommen hat.

Umgang an den Ruhr-Unis

An der Universität Duisburg-Essen gebe es bisher keine genauen Pläne für Änderungen an den verschiedenen NC der Lehramtsstudiengänge, teilte die UDE-Pressestelle auf Anfrage mit. Einige Lehramtsstudiengänge seien bereits zulassungsbeschränkt, dort sei es nicht geplant, die Bedingungen zu lockern. Ob weitere NC dazukommen, werde erst im April entschieden.

An der Ruhr-Universität Bochum erfolge die Lehramtsausbildung ausschließlich über den Master of Education. Das teilte Peter Kardell vom Studierendensekretariat per E-Mail mit. Der M.ed. baue auf die verschiedenen Bachelor of Arts oder Bachelor of Sience auf, sei aber bisher nicht zusätzlich zulassungsbeschränkt. Man denke allerdings über die Einführung eines NC nach. Dies habe aber in erster Linie mit der ohnehin hohen Belastung des Instituts für Pädagogik zu tun, teilte Kardell mit. In einigen Semestern führe der doppelte Abiturjahrgang auch dort zu einer Mehrbelastung.

Diskussion an der TU

An der Dortmunder TU stößt der neue NC auf geteilte Meinungen. Der AStA-Referent für Hochschulpolitik, Johannes Blömeke, kritisiert die Universalität des NC. „Kleine Lehramtsfächer wie zum Beispiel Technik für Berufskollegs haben momentan schon zu wenig Studierende. Wenn sie nun zulassungsbeschränkt werden, ist das sicherlich nicht förderlich. Über die Belegung von sehr kleinen Lehramtsfächern, wie zum Beispiel Wirtschaftswissenschaften, gibt es durch den NC auch keine Kontrolle.“ Blömeke fordert finanzielles Engagement, um mit den steigenden Studierendenzahlen zurecht zu kommen: „Wir sehen die Universität und das Land NRW in der Pflicht, die nötigen Studienplätze und das nötige Geld zur Verfügung zu stellen.“

Nachdem der AStA sich in einem Artikel der Ruhr Nachrichten vom Donnerstag, 7.  Februar, kritisch geäußert hat, ist die Stimmung an der TU vergiftet. Professor Metin Tolan, Prorektor für Lehre, verlangt eine öffentliche Entschuldigung des AStA. „Ich verstehe den AStA in dieser Position nicht“, so Tolan. „Auf der einen Seite möchten sie gute Studienbedingungen und dann regen sie sich über einen NC auf, das finde ich erstaunlich.“ Es könne nicht im Interesse der Vertretung der Studierenden sein, dass Studiengänge überlaufen werden. NC auf Lehramtsstudiengänge habe es an der TU außerdem vorher auch schon gegeben. In einigen Fälle werde der Zugang jetzt sogar leichter.

Professor Tolan bestätigte, dass er ein bereits vorher geplantes Treffen zwischen ihm und Johannes Blömeke abgesagt habe. Er knüpfe die weitere Zusammenarbeit an eine öffentliche Entschuldigung des AStA. Das von ihm angebotene Vier-Augen-Gespräch mit dem AStA-Vorsitzenden Marc Hövermann zur Klärung des Streits habe dieser abgelehnt.

Ein Bericht des Blogs ruhrbarone.de, nach dem Studenten aufgefordert worden seien, auf Anfragen der Ruhr Nachrichten ausschließlich schriftlich zu antworten, konnten im Zuge unserer Recherche nicht bestätigt werden.

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