Dürfen wir Promis mit Selfies nerven?

DAS-DUELL-Evgeniya-Carla

Einen Promi auf der Straße treffen und die Gunst der Stunde nutzen: Selfies mit Stars sind Like-Garanten im Netz. Aber lohnt es sich, für die wertvollen Erinnerungsstücke den Promis auf die Nerven zu gehen? Darüber streiten Evgeniya Lukanova und Carla Sommer diese Woche im Duell am Donnerstag.

„Star-Selfies lohnen sich für beide Seiten“,

findet Evgeniya Lukanova.

Eigentlich nüchtern und sachlich, aber sobald ein Lied seines Lieblingsstars im Radio läuft, hemmungslos am Schwärmen – jeder kennt einen solchen Fan-Typen. Nennen wir einen von denen einfach mal Daniel. Seine Lieblingssängerin, eine gewisse Victoria, nimmt einen ganz besonderen Platz in seinem Herzen ein.

Verantwortung gegenüber den Fans

Sein größter Traum ist es, Victoria zu begegnen – und den Moment für die Ewigkeit festzuhalten. Das Selfie würde er dann voller Stolz und Freude mit seiner Victoria-Fangruppe auf Facebook teilen. Und Victoria ist die langfristige Verehrung ihrer Anhängerschaft sicher. Kurz zusammengefasst: Von einem harmlosen Selfie können sowohl der Anhänger als auch der Star selbst sehr profitieren.

Berühmt zu sein, heißt unter anderem, Verantwortung gegenüber den Fans zu haben. Im Endeffekt ist Ruhm ohne Anhänger nicht möglich. Und was wäre denn die beste Art und Weise, einem Fan „Danke“ zu sagen? Ist doch klar: ihm ein bisschen Zeit zu schenken. Es geht nur um ein paar Sekunden für ein Selfie. An diesen kurzen Moment würde sich aber jeder Anhänger mit Funkeln in den Augen erinnern. Ein Moment, der den Fan tief im Herzen berührt. Dann entsteht die Frage: Warum denn nicht einige Sekunden im „Cheese“-Modus verbringen und die Fans, die immer für die Stars da sind, beglücken?

Drei Gründe mehr für „Selfies mit Stars“

Erstens: Fotos aufnehmen macht meistens Spaß! An einem sehr stressigen Tag kann das Bild mit dem Fan der einzige Moment sein, wo der Star kurz Atem holen kann. Dem Promi kann die Verehrung der Anhänger an solch einem anstrengenden Tag viel wert sein, denn durch diese Begegnung kann sich die berühmte Person daran erinnern, weshalb der Stress sich doch lohnt.

Zweitens wirkt ein selbst gemachtes Foto mit dem Lieblingsstar natürlicher als ein Fotografenbild. Dadurch könnte der Star eine neue frische Art finden, sich darzustellen. Es gibt aber viele Promis, die erst durch das Internet und soziale Medien groß werden, deshalb sollten sie sich solchen Trends nicht verweigern. Und für den Fan bleibt das Gefühl von einem intimeren Erlebnis mit seinem Idol.

Drittens stimmt es, dass Stars sehr beschäftigt sind. Sollte ein Star keine Lust oder Zeit für ein Selfie haben, kann er immer noch freundlich „nein“ sagen, aber Fans sollten die Möglichkeit haben, fragen zu können.

#yolo

Zuletzt: man lebt nur einmal! Hätte Daniel, wie jeder andere richtige Fan, die Möglichkeit, seinen größten Traum zu erfüllen und einige wertvolle Momente mit seinem Idol zu verbringen, muss der Anhänger einfach diese seltene Gelegenheit ergreifen, breit lächeln und sich vorbereiten, hochwahrscheinlich das Bild seines Lebens aufzunehmen.

„Star-Selfies sind eine Zumutung für alle“,

findet Carla Sommer.

Wer kennt das nicht: Man sitzt auf einer langweiligen Sitzparty und plötzlich zückt der Sitznachbar sein Smartphone. „Jetzt ratet mal, wen ich letztens getroffen habe… Kevin Bochow!!! Wiiie, den kennt ihr nicht? Wartet, wir haben ein Selfie zusammen gemacht!“ Aufgeregt hält er allen Anwesenden den Fotobeweis unter die Nase – und erntet dafür verständnislose Blicke. WER – IST – DAS?

Selfies mit Stars? Daumen runter!

Seit der Erfindung der Frontkamera sind Selfies mit Stars eine besonders beliebte Form der Selbstdarstellung im Social Web. Vom Superstar bis zum x-beliebigen Z-Promi wird alles abgelichtet, was nicht bei drei hinter seinem Bodyguard verschwunden ist. Allerdings trifft man in der harten Star-Selfie-Realität im städtischen Kaufhaus weder Heidi Klum noch Ryan Gosling. Höchstens irgendeinen ehemaligen Soap-Nebendarsteller oder den Drittplatzierten des Dschungelcamps 2012.

Schwups, schon ist das Handy gezückt und das Selfie geschossen. Wenige Minuten später ist das Foto hochgeladen und mit einer neidheischenden Bildunterschrift versehen: „Und ihr so?“ Dafür erntet man allerdings weder Anerkennung noch massenweise Likes, sondern nervt seine Facebook-Freunde einfach nur tierisch!

Windeln kaufen schwer gemacht

Gut, natürlich besteht die (minimale) Wahrscheinlichkeit, dass einem tatsächlich Ryan Gosling in der Einkaufsmeile über den Weg läuft. Das rechtfertigt selbstverständlich das Verlangen, diesen Moment des puren Glücks für die Ewigkeit festhalten zu wollen. Aber man muss sich auch mal in den Menschen (ja, er ist einer von uns!) hineinversetzen, der da gerade unfreiwillig auf ein Foto mit einer ihm unbekannten Person gezerrt wird.

Man stelle sich vor, Ryan Gosling hat seiner Frau Eva Mendes versprochen, schnell in die Stadt zu fahren, um frische Windeln für das Baby und zwei Tüten Milch zu kaufen. Mit Sonnenbrille und Jogginghose getarnt versucht Ryan unerkannt in den Supermarkt zu gelangen. Schnell ist er umgeben von kreischenden Frauen aller Altersklassen, die reihenweise Selfies mit ihm schießen. Fünf Stunden und 826 Fotos später kommt er endlich zuhause an. Für die Windeln ist es längst zu spät und Eva schäumt vor Wut. Drei Wochen später vermeldet die Promi-News-Seite TMZ die „Trennung des Glamour-Paares“. Fazit dieses frei erfundenen Beispiels: Die dauerhafte Selfie-Belagerung nimmt Stars ihre Privatsphäre und macht es ihnen unmöglich, ein halbwegs normales Leben zu führen.

Hemmschwelle hoch, Smartphone runter!

In einer Zeit, in der fast jeder ein video-, foto- und internetfähiges Smartphone besitzt, sind sowohl Stars als auch B-Promis in kaum einem Moment mehr sicher. Denn: Heutzutage kann jeder zum Hobby-Paparazzo werden und dann mit seinem Selfie-Wahn entweder den Star oder die eigenen Facebook-Freunde nerven. Was den Smartphone-Selfie-Machern fehlt, ist ein Gefühl für die Privatsphäre anderer Leute. Wer will sich schon von irgendwelchen wildfremden Menschen auf offener Straße anfassen, küssen und fotografieren lassen?

Für die Zukunft sollte sich der gemeine Star-Selfie-Macher also wieder eine gewisse Hemmschwelle zulegen. Ein wahrer Ryan Gosling-Fan kann sein Glück ja immer noch am Rande des roten Teppichs versuchen. Da ist Ryan nämlich beruflich und nicht privat.

das-duell-feederFoto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 
Screenshot Teaserfoto: twitter.com/TheEllenShow

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.