Lehramt – eine sichere Wahl?

Von Lena Beneke

Der Saal im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) ist voll, jeder Platz belegt. Von draußen tragen Besucher zusätzliche Stühle herein. Die Technische Universität (TU) Dortmund ist eine Lehramtsuni, so viel scheint klar. Mit über 30 Lehramtsfächern bietet die Hochschule das Studium aller Lehrämter an. Das bedeutet: Studierende können zwischen den Lehrämtern für Grundschule, Haupt-, Real- und Gesamtschule und Gymnasium sowie Berufskolleg und sonderpädagogische Förderung wählen.

Ende August ist der letzte Termin bei "Abi! Und dann?" Teaserbild/ Fotos: Lena Beneke

Ende August ist der letzte Termin bei "Abi! Und dann?" Teaserbild/ Fotos: Lena Beneke

„Das ist ein breites Band an Möglichkeiten, aber oft auch abhängig vom Numerus Clausus”, sagt Maike Stückemann, sie sitzt in der letzten Reihe neben ihrer Freundin Sina Winter. Die beiden haben gerade erst das Abitur hinter sich gebracht und bereiten sich auf ihr Studium vor. Maike möchte Gymnasiallehrerin werden, Sina lieber in die Grundschule – das sind, statistisch gesehen, die zwei beliebtesten Lehrämter. Bei einer steigenden Zahl an Studierenden wird für Maike und Sina die Einschreibung in ihre Wunsch-Studiengänge ohne guten NC nicht einfach.

Die Angst vor dem Doppeljahrgang

An der TU Dortmund lag die Zahl der Neueinschreibungen im vergangenen Wintersemester bei rund 6.500. Im Vergleich sind das 2000 Studienanfänger mehr, als im Jahr 2005. Damit sind an der Hochschule derzeit etwa 27.000 Studierende eingeschrieben. Und das ist erst der Anfang: Die Universität hat sich verpflichtet bis 2015 mindestens 7.500 zusätzliche Studienanfänger aufzunehmen.
Maike Stückemann und Sina Winter wollen an der TU Lehramt studieren. Foto: Lena Beneke

In die Gesichter der frisch gebackenen Abiturienten zaubern diese Zahlen keine Lachfalten. „Ich habe mich bei Unis in ganz NRW beworben”, sagt Sina und spricht aus, was vielen im Saal auf der Seele brennt: „Eine Pause einzulegen und  erst im nächsten Jahr mit dem Studium anzufangen, ist bei uns nicht drin. Denn dann bekämen wir es mit dem Abi-Doppeljahrgang zu tun.”

Gute Aussichten für Hauptschullehrer

Maike Stückemann und Sina Winter wollen an der TU Lehramt studieren.

Maike Stückemann und Sina Winter wollen an der TU Lehramt studieren.

Der doppelte Abiturjahrgang 2013 sowie sinkende Bedarfszahlen für Lehrkräfte sorgen bei Studienanfängern für Unsicherheit. Einer Prognose des Ministeriums für Schule und Weiterbildung Nordrhein-Westfalen zufolge sehen die Einstellungschancen für Lehrkräfte in bestimmten Fachbereichen jedoch sehr gut aus. Die Vorraussagen aus dem Jahr 2011 prognostizieren Stellenangebot und -bedarf bis 2030.

Nach dieser Statistik können Hauptschullehrer aufatmen, denn in ihrem Lehramt gibt es hervorragende Einstellungschancen. Vor allem die Hauptfächer Mathematik, Deutsch und Englisch, aber auch Fächer wie Kunst und Musik sind gefragt. Ebenso positiv Fallen die Prognosen für das Lehramt am Berufskolleg aus: Hier werden besonders in den Bereichen Maschinentechnik, Elektrotechnik und in der Erzieherausbildung Kräfte gesucht.

Bewerberüberhang an Gymnasien

Der Stellenmarkt für Gymnasial-Lehrer fällt im Vergleich eher mau aus. Nach den Vorrausberechnungen des Ministeriums sinkt der Bedarf an Lehrkräften ab 2013 enorm. Dieser aprupte Schnitt hängt nicht nur mit dem demographischen Wandel zusammen, sondern ist weiter am Wegfall des doppelten Abi-Jahrgangs festzumachen, von dem Berufskollegs profitieren.

Wer, wie Sina, ins Grundschullehramt möchte, wird es den Prognosen zufolge ebenfalls nicht leicht haben. Während es pro Jahr rund 1.400 Stellenangebote geben soll, wird der Bedarf vorausichtlich nur bei etwa 1.250 Lehrkräften im Jahr liegen. Damit bewertet das Ministerium die Beschäftigungsaussichten für Grundschul-Lehrkräfte als “eingeschränkt”. Und dennoch: In ländlichen Regionen und sozialen Brennpunkten bestehen nach der Statistik gute Chancen einen Job zu finden.

Früh Informationen einholen

"Abi! Und dann?" zog am Montag viele Abiturienten ins IBZ.

"Abi! Und dann?" zog am Montag viele Abiturienten ins IBZ.

Mit Blick auf den Doppeljahrgang und steigende Studierendenzahlen empfiehlt die TU Studierenden und denen die es werden möchten, bereits früh Informationen und Hilfe heranzuziehen.

Für Maike Stückemann und Sina Winter zumindest steht fest: Das Lehramt soll es sein. „Abi! Und dann?” ist die erste Informationsveranstaltung gewesen zu der die beiden gegangen sind. „Ich habe jetzt eine ganz gute Übersicht bekommen”, sagt Maike. Eine endgültige Entscheidung haben Maike und Sina jedoch noch nicht getroffen.

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