Bodypainting – mehr als nur Kunst

Bodypainting kennt man normalerweise nur von „Germany’s Next Topmodel“ – hübsche, junge Mädchen werden mit Farbe bemalt. Gesine Marwedel (28) ist Bodypainterin mit einem ganz anderen und besonderen Projekt. „Bodypainting gegen Brustkrebs“ nennt sich ihre therapeutische Herangehensweise. Dabei bemalt sie erkrankte Patientinnen, die zum Teil keine Brüste mehr besitzen. Pflichtlektüre-Autorinnen Anna und Jil haben die Künstlerin unter anderem gefragt, wie sie auf die Idee für das Projekt gekommen ist und was ihr an der Arbeit besonders gefällt.

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Die Künstlerin Gesine Marwedel (28) bemalt Brustkrebspatientinnen.

Wie bist du an das Bodypainting gekommen?

Ich habe immer auf Leinwände gemalt. Der Fotograf Thomas van de Wall hat meine Bilder im Netz gesehen und mich gefragt, ob ich auch ein Gesicht anmalen würde. Das war der Anfang und von dort an hat sich meine Arbeit immer weiterentwickelt.

Worum geht es in dem Brustkrebsprojekt?

Es geht darum, bei den Patientinnen eine Verbesserung des Selbstwerts und des Körperbildes zu schaffen. Gerade nach einer Masektomie (Brustamputation) haben viele Frauen das Gefühl keine „vollwertige“ Frau zu sein, fühlen sich in ihrem Körper nicht wohl und können den Blick in den Spiegel kaum ertragen. Für viele Frauen ist es schwierig, sich selbst oder die eigenen Narben zu berühren. So kommt es auch oft zu Problemen in der Partnerschaft.
Für mich persönlich geht es bei dem Projekt vor allem darum, eine wissenschaftliche Basis zu schaffen, um die positiven Auswirkungen des Bodypaintings in einer Studie zu belegen.

Wie läuft so ein Brustkrebs-Painting eigentlich ab?

Zuerst führe ich immer ein Vorgespräch mit der Patientin, um ihre persönliche Geschichte und ihren Krankheitsverlauf zu verstehen. Anschließend unterhalte ich mich mit der Patientin über ein mögliches Motiv, das male ich dann mit weißer Farbe auf dem nackten Körper vor. Über den Slip wird drüber gemalt. Danach greife ich zu den bunten Farben. Zuletzt gibt es noch ein Fotoshooting.

Inwiefern unterscheidet sich ein solches Painting von einem gewöhnlichen Auftrag?

Die Patientin ist sensibler, gerade im Hinblick auf das Gefühl in der Brustpartie, wenn ich dort mit dem Pinsel arbeite. Es kostet sie anfangs häufig mehr Überwindung, sich zu zeigen. Viele Patientinnen sind auch körperlich nicht ganz fit und brauchen mehr Pausen. Und natürlich haben die meisten auch viel Gesprächsbedarf.

Stellt dies eine Belastung für dich dar?

Nein, eine Aufgabe.

Was liebst du am Bodypainting?

Es ist eine sehr kommunikative Form von Kunst. Man sitzt nicht allein zuhause vor der Leinwand, man unterhält sich meist sechs Stunden lang und lernt einen Menschen kennen. Und die Modelle freuen sich meist sehr darüber, man bekommt sehr viel zurück.

Kann man vom Bodypainting leben?

Schwierige Frage. Ja, könnte ich wohl, wenn ich mich gut vermarkten könnte. Meine Prints sind international bekannt. Und regional bekomme ich auch viele Anfragen.

Was für Farben benutzt du?

Ich benutze dermatologisch getestete Bodypaintingfarben auf Wasserbasis. Es sind hauptsächlich Cakes, also flache, runde Farbdosen, die wie Wasserfarben angerührt werden.

Was planst du für die Zukunft des Projekts?

Die Studie, die ich plane, könnte eventuell auch für Krankenkassen interessant sein. Ein Traum wäre es, wenn diese den Frauen ein solches Painting bezuschussen würden.

 

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