Dortmunder Metal-Band „The Flaw“ rockt in den Ruinen

An diesem Freitag spielen „The Flaw“ beim Dortmunder Festival Rock in den Ruinen. Bis zum Auftritt proben drei der vier Bandmitglieder fleißig, während die kränkelnde Sängerin Alexandra sich zuhause schont. Im Interview mit pflichtlektüre online verrät Gitarrist Lars Schlüter, was ihre Musik ausmacht und was er von Castingshows hält.

Gitarrist Lars studiert Musik an der TU Dortmund. Foto: Brinja Bormann

Gitarrist Lars studiert Musik an der TU Dortmund. Foto: Brinja Bormann

Wofür steht „The Flaw“?

„The Flaw“ bedeutet „der Makel“. Das steht für den Sprung in der Schüssel oder für den kleinen Fehler, den jeder Mensch hat, aber der den Menschen auch auszeichnet. Wie langweilig wäre es denn, wenn jeder perfekt wäre?! Dafür steht der Name.

Was macht den Sound von The Flaw aus?

Im Prinzip steht die Stimme im Mittelpunkt. Die ist wirklich einzigartig. Alles andere, also die Texte und Melodien, dienen dazu, die Stimme zu inszenieren.

Worüber singt Alexandra?

Es geht um das Erwachsenwerden. Darum, den Weg für sich und den eigenen Platz in der Welt zu finden. Da sind eben viele Menschen, die man auf diesem Weg trifft und viele Gefühle damit verbunden, die in den Liedern zum Ausdruck kommen.

Welchem Stil kann man euch zuordnen?

Bis jetzt war das eine Mischung aus Gothic und Metal. Für das neue Material erweitert sich diese Definition vielleicht noch ein bisschen. Wir arbeiten mit Frank Bornemann als Produzenten zusammen und der definiert das, was wir machen, mehr als Prog-Rock.

Viele Menschen denken bei Gothic direkt an Sekten und Satanismus, was denkst du dazu?

Ich glaube, es gibt verschiedene Auffassungen von Gothic. Ich bin in dem Genre auch gar nicht so ganz zuhause. Also für mich steht’s einfach für viel Keyboardanteil in der Musik und generell liegt der Fokus auf Emotionen und Melancholie.

Was glaubst du, würde Dieter Bohlen zu eurer Musik sagen?

(Lars lacht) Er könnte wahrscheinlich einfach gar nichts damit anfangen, weil sie wenig massentauglich ist. Ich könnte mir vorstellen, dass er sagt, dass es interessant ist, was wir machen. Interessant ist immer so ein Wort, das diplomatisch vermittelt.

The Flaw: Lars, Massimo, Alexandra, Janis (v.l.n.r.). Foto: www.starshooting.de

The Flaw: Lars, Massimo, Alexandra, Janis (v.l.n.r.). Foto: www.starshooting.de

Was denkst du allgemein über Castingshows?

Ich guck’s mir manchmal im Fernsehen an und denk mir, die sind ja vielleicht gar nicht so schlecht. Aber von dem Konzept halte ich gar nichts, weil es der Tod jedes freien Musikers ist. Es gab in England diese Aktion, da sollte der Gewinner einer Castingshow zu Weihnachten auf Nummer Eins sein, weil es eben immer so war. Und dann haben sich Leute zusammengeschlossen und Rage Against the Machine auf Platz Eins gewählt. Sodass es nicht mehr so selbstverständlich ist, dass der Gewinner einer Castingshow direkt auf Nummer Eins kommt. In Deutschland versucht man das jetzt glaube ich mit Tenacious D.

…und mit Blümchen.

Das ist natürlich schon wieder blöd, dass man sich nicht einigen kann, welchen Song man nimmt. Das gefährdet ja die ganze Operation.

Das stimmt. Was ist das Highlight eurer Musikkarriere?

Bis jetzt sind es die Arbeiten an dem neuen Material. Auch in Zusammenarbeit mit Frank. Wahnsinn, was da auf einmal für ein Potenzial zu erkennen ist. Das ist eine riesen Gelegenheit und ein richtiges Abenteuer.

Frank Bornemann hat damals die Guano Apes entdeckt, wie seid ihr an ihn ran gekommen?

Das war ein lustiger Zufall. Wir hatten eine Zeit lang einen FOH-Techniker, also einen Soundmenschen, der früher für Frank’s Band „Eloy“ gearbeitet hat. Er kannte Frank von früher und hat ihm von uns erzählt. Darauf hin hat Frank uns kontaktiert.

Chillen im Proberaum. Foto: Brinja Bormann

Chillen im Proberaum. Foto: Brinja Bormann

Was erhofft ihr euch davon, dass er euer zweites Album produziert?

Zunächst ist es so, dass unsere Musik enorm daran gewonnen hat und wir uns als Künstler weiterentwickeln. Das ist unbezahlbar und ich bin sehr froh drüber. Und außerdem nehmen wir im Horus-Studio auf. So eine Klangqualität kriegt man sonst fast nirgendwo.

Wann kommt das Album raus?

Das ist noch nicht klar. Im Mai gehen wir ins Studio und dann wird noch gemischt. Ich denk frühestens im Herbst.

Am 30. April tretet ihr bei Rock in den Ruinen auf, was bedeutet das für dich?

Da hab ich eine ganz persönliche Beziehung zu, weil ich früher regelmäßig da war und mir die Bands angeguckt hab. Ich hab In Extremo da zum ersten Mal gesehen und war total begeistert. Da jetzt spielen zu können, ist eine Ehre. Man merkt, wie man selbst gewachsen ist.

Du hast die Chance, die pflichtlektüre-Leser zu überzeugen, dass sie sich euren Auftritt anschauen. Warum sollten sie kommen?

Weil sie, wenn sie uns noch nicht gesehen haben, etwas verpasst haben. Und weil sie die Möglichkeit haben, vor Veröffentlichung des Albums, das erste Mal neue Stücke zu hören.