Verschuldungsfalle oder Garant für gute Lehre?

Der Kampf gegen die Studiengebühren ist beim Bildungsstreik 2009 etwas in den Hintergrund gerückt. Dennoch gilt: Das Thema erhitzt die Gemüter. Viele Studenten sehen die Beiträge als Ausgeburt sozialer Selektion an den Hochschulen. Andere sind überzeugt: Gute Lehre hat ihren Preis. Pflichtlektüre hat bei den Rektoren und Asten der Ruhrgebiets-Unis nachgefragt, was sie von der Campusmaut halten.

Elmar Weiler, Rektor der RUB

Elmar Weiler, Rektor der RUB

Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Uni-Bochum:
„Die Einführung der Studiengebühren war richtig. Die Studierenden können an der RUB schon sehen, was die Beiträge gebracht haben. Es wurde ein Gerichtslabor für Juristen gebaut, die Bibliotheken sind länger auf und die Mediziner können ihre Schausammlung erweitern, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ein Vorteil der Gebühren ist auch: Die Studierenden haben jetzt die Möglichkeit, gute Studienbedingungen auch einzufordern. Um zu verhindern, dass die Gebühren junge Menschen vom Studieren abhalten, brauchen wir aber natürlich ein ausgebautes Stipendiensystem. Das NRW-Stipendienprogramm, mit dem die besten Studenten der NRW-Unis gefördert werden sollen, ist ein guter Anfang. Unsere ersten Erfahrungen mit dem Programm, das zur Hälfte vom Land und Unternehmen finanziert wird, sind positiv. Es gibt eine große Bereitschaft bei Unternehmen, erfolgreiche Studierende zu fördern.“

Martin Schmidt, Asta-Referent für Hochschulpolitik, RUB:
„Wir sind strikt gegen Studiengebühren, weil sie ein Mittel der sozialen Selektion sind. Eine aktuelle Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) zeigt, dass jeder Vierte Studienberechtigte 2008 kein Studium aufgeonmmen hat. Rund 70 Prozent dieser Studienberechtigten haben sich wegen der Gebühren gegen ein Studium entschieden. Da hilft auch das Darlehens-System der NRW-Bank nichts, weil viele Studierende fürchten, in die Schuldenfalls zu geraten. Bildung ist zudem ein Menschenrecht. Wenn man Studiengebühren verlangt, wird Bildung zu einer Ware, mit der gehandelt wird. Das entspricht nicht unserer Vorstellung von Gesellschaft.“

Jan Bauer, stellvertretender Asta-Chef UDE

Jan Bauer, stellvertretender Asta-Chef UDE

Jan Bauer, stellvertretender Asta-Vorsitzender, UDE:
„Der Asta der UDE lehnt Studiengebühren in jedweder Form ab. Die Beiträge haben bis jetzt zu keiner Verbesserung der Lehr- und Studienbedingungen an der UDE geführt. Deutschlands wichtigste Ressource ist die gute Ausbildung seiner Bürger. Es ist Aufgabe des Staates, diese Ressource nicht dadurch zu mindern, dass er den Zugang zur Bildung mittels Gebühren begrenzt. Wenn durch die Gebühren junge Menschen vom Studium abgehalten werden, schießt sich der Staat ein Eigentor.“

Franz Bosbach, Prorektor Studium und Lehre, UDE

Franz Bosbach, Prorektor Studium und Lehre, Uni Duisburg-Essen

Franz Bosbach, Prorektor für Studium und Lehre an UDE:
““Die Frage der Erhebung von Studienbeiträgen ist eine politische. Die Universitäten in NRW haben theoretisch die Möglichkeit, keine Studienbeiträge zu erheben. Klar ist aber: Wenn wir die Studienbeiträge abschaffen würden, hätten wir ganz erhebliche Probleme, die Qualität an unserer Uni zu sichern, die wir jetzt haben. Das wäre zum Nachteil der Studierenden. Wir sind auf die Beträge angewiesen. Wenn wir das Geld aus den Studienbeiträgen nicht hätten,  könnten wir keine verantwortbar gute Lehre mehr anbieten, so krass möchte ich das ausdrücken.“

Miguel Zulaica, AStA-Vorsitzender der TU Dortmund

Miguel Zulaica, Asta-Vorsitzender der TU Dortmund

Miguel Zulaica, Asta-Vorsitzender, TU Dortmund:
“In der derzeitigen Form sollten die Studiengebühren abgeschafft werden. Sie wirken sozial selektiv und halten viele Abiturienten, die wenig Geld haben, vom Studium ab, weil die Beiträge zu Verschuldung führen. Grundsätzlich sollte Bildung frei von Gebühren sein, das entspricht dem Bildungsauftrag des Staates. Bildung ist heute die einzige Chance für Menschen, die Voraussetzung dafür zu schaffen, später einen sicheren Job zu bekommen und nicht in prekären Arbeitsverhältnissen zu landen. Wenn man schon Gebühren erheben will, dann sollte die Erhebung progessiv gestaltet sein entsprechend dem Steuersystem.”

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Fotos: RUB, Uni Duisburg-Essen, Asta UDE, Philipp Anft

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