Dortmunder Hörsaal geräumt: 31 Studenten angezeigt

Die Räumung des besetzen Hörsaals in der Emil-Figge 50 war absehbar. Bereits am Montagmorgen um 8 Uhr war das Ultimatum an die Besetzer abgelaufen. Am Abend rief die Universitätsleitung dann die Polizei und ließ den Hörsaal räumen. pflichtlektüre und das Studentenfernsehen do1 (siehe unten) dokumentieren das Geschehen.

Polizei trägt Student auf Schlagstöcken heraus.

Herausgetragen auf Schlagstöcken: Um 19:20 begann die Polizei die Studenten ins Foyer der Emil-Figge 50 zu schleppen. Foto: Jonas Mueller-Töwe

18:55. Zehn Mannschaftswagen der Polizei fahren auf dem Gelände der Fakultät Kulturwissenschaften an der Uni Dortmund vor. Schnell ist klar: Jetzt ist es soweit – die Besetzung wird ein Ende haben. Eine Hundertschaft soll helfen, das Hausrecht der TU-Rektorin Ursula Gather durchzusetzen.

Rückblende. Bereits am Nachmittag verdichten sich bei den Besetzern die Anzeichen, dass es zu einer Räumung des Hörsaals kommen könnte. „Auch die Polizei hat ihre Lücken“, sagt einer der Besetzer, der nicht erkannt werden will. Eine Viertelstunde vor dem Zugriff der Polizei schlägt dann die Vermutung in Gewissheit um. Im Hörsaal sind in diesem Moment etwa 60 Studenten. Unter ihnen ist auch Ulas K., 21 Jahre, Student im Wirtschaftsingenieurwesen. Er und die anderen Studenten besprechen sich. Wer will gehen – freiwillig? Und wer will bleiben? Keiner wird zu irgendwas gezwungen. Einige verlassen daraufhin den Hörsaal. Ulas K. entscheidet sich zu bleiben und mit ihm etwa 25 weitere Studenten.

Unterdessen betritt die Uni-Rektorin Ursula Gather mit Pressesprecher Ole Lünnemann den besetzten Hörsaal. Im Gepäck: Ein Vertreter des AStA. Im Hörsaal selbst ist keine Presse erlaubt. Mehrere Studenten berichten im Nachhinein, dass Gather nervös und gereizt gewesen sei. Als die Studenten gegen sie anredeten, sei sie laut geworden, erzählt Philipp K., Sonderpädagogikstudent. „Sie hat geschrien: Jetzt rede ich und sonst keiner.“ Gather habe die Studenten aufgefordert zu gehen, da sie nicht mehr durch den AStA legitimiert seien. Der Verteter des AStA, der neben ihr gestanden hätte, sei nicht zu Wort gekommen.

Protest bis zum Ende: Selbst im Foyer der Emil-Figge 50 rollten jene Studenten Plakate aus, die vorher den Hörsaal auf Andrihung der Polizei verlassen hatten.

Protest bis zum Ende: Auch während der Räumung rollten die Studenten noch ihre Transparente aus. Foto: Jonas Mueller-Töwe

19:15. Die ersten Studenten werden von der Polizei aus dem Hörsaal hinausgetragen – und zwar auf Schlagstöcken. Auch Ulas K. ergeht es so. Er spricht von einer „Möchtegern-Angst“, die die Polizisten den Studenten mit ihrem Schlagstöcken machen wollten. „Sie haben gesagt, dass sie einen auch fallen lassen, wenn sie keine Kraft mehr haben. Außerdem haben sie beim Raustragen immer wieder so getan, als würden sie nachgeben.“ Nach etwas mehr als 100 Metern erreichen die Polizisten mit den Studenten im Gepäck ihr Ziel: Das Foyer der Emil-Figge 50. In dieser stehen etwa 30 Studenten – jene die freiwillig gegangen sind und jene, die gerade aus der Bibliothek kommen.

Die Polizisten schleppen einen Studenten nach dem Anderen aus dem Hörsaal. Sobald einer auf den Schlagstöcken der Polizisten das Foyer erreicht, applaudieren die wartenden Studenten und rufen ihm zu. Im Hintergrund wird ein Trommeln laut. Etwa 40 weitere Studenten haben sich im Dunkeln vor der Emil-Figge 50 versammelt und klopfen mit ihren flachen Händen an die Fenster. Die großen Glasscheiben zittern. Aber wie die Studenten auch klopfen und rufen – die Polizei hat den Eingang der Emil-Figge 50 versperrt. Keiner kommt rein, aber viele raus.

20:10. Der Hörsaal ist geräumt. Die Polizei verlässt das Gebäude und fährt davon. Insgesamt 31 Studenten haben eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs bekommen. Der Unmut gegenüber der Rektorin ist groß – vor allem, weil sie  am Abend denHörsaal still und heimlich hat räumen lassen. Volker S., Student des Chemieingenieurwesens, schimpft: „Wir haben uns wenigstens in der Öffentlichkeit gezeigt, sie aber nicht.“

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