Bologna – Lorbeeren oder Lossagungen?

Als 1999 der Bologna-Prozess begann, hieß es, die deutschen Hochschulen würden mit diesem Auftrag „erfolgreich modernisiert“ werden, die Qualität verbessern, die Studiendauer verkürzt werden. Was ist daraus geworden? Bringen Bachelor und Master irgendwann doch noch die ihnen zugedachten Lorbeeren ein?

Stelle dir vor, es ist Bologna-Tag, und keiner geht hin... Bild: Martina Vogt

Stelle dir vor, es ist Bologna-Tag, und keiner geht hin... Bild: Martina Vogt

Schon lange vor dem Bildungsstreik plante die Fachschaftsrätekonferenz der TU Dortmund zusammen mit dem AStA einen „Bologna-Tag“, um diese Fragen zu klären. Es sollte keine Generalkritik an Bologna geübt werden. Erklärtes Ziel sei es vielmehr, die Mitbestimmung der Akkreditierungsbehörden zu überdenken und Fakultät, Fachschaften und AStA einander näher zubringen, so der Sprecher der Fachschaftsrätekonferenz, Benedikt Waerder. „Lehrende, Angestellte und Studierende sollen zusammen, als gleichberechtigte Partner im Hochschulsystem wahrgenommen werden.“ Lars Koppers, AStA-Referent für Hochschulpolitik, bestätigt: „Wir überlegten, eine Art Bestandsaufnahme zu machen. Wir wollten wissen, was die einzelnen Fachschaften anders machen, was für Probleme bei den einzelnen auftreten und wie sie sich ein besseres System vorstellen.“

Große Pläne für einen ebenso großen Audimax-Saal. Doch eben dieser blieb bei der Veranstaltung am Donnerstag (21. Januar) gähnend leer. „Das lässt sich vielleicht durch die erst kurzfristige Plakatwerbung für den Bologna-Tag erklären“, sagt Matthias Proft aus der Fachschaft Wirtschaftsmathematik. „Die Veranstaltung war durchweg sehr gut organisiert“ und der Austausch sei enorm wichtig. Proft hatte – gleich den Erziehungswissenschaftlern, Informatikern und Rehabilitationswissenschaftlern – einen Stand aufgestellt mit einer Meinungsbox und einer Kritiktafel. Einige Vorschläge hinsichtlich einer Verbesserung des Studiengangs Wirtschaftsmathematik sollen, so Proft, im Herbst in kraft treten. Der Studiengang soll re-akkreditiert werden. „Wie lange es dauert, bis solch eine Entscheidung in kraft tritt, kann man sich denken. Denn um die 400 Akkreditierungsverfahren landen pro Jahr auf den Tischen der Agenturen“, sagt Benedikt Waerder.

Wirtschaftsmathematiker Matthias Proft ist mit dem Ergebnis der Veranstaltung zufrieden. Bild: Martina Vogt

Wirtschaftsmathematiker Matthias Proft ist mit dem Ergebnis der Veranstaltung zufrieden. Bild: Martina Vogt

Negativ bewertet er die Tatsache, dass die Akkreditierungsagenturen mittlerweile die Länderaufgabe übernommen haben und bei Änderungen an den Studiengängen nun das letzte Wort haben. „Früher haben die Landesministerien die Studiengänge bewilligt und freigegeben. Das Ministerium spart mit der Neuverteilung der Aufgaben an die Agenturen immense Gelder.“ Doch die Fakultäten seien damit keinesfalls entlastet worden. Auf sie kämen verstärkt finanzielle und personelle Verantwortung zu, für die sie entschädigt werden müssten. „Alles in allem ist der Mittelbau der TU Dortmund gut aber unterbesetzt“, so Waerder.

Allmählich füllt sich der Audimax-Saal. Um halb fünf wird die Podiumsdiskussion eröffnet, Rektorin Prof. Gather und Prorektor Prof. Grünzweig hatten ihr Kommen schon lange zugesichert. „Fehler am Bachelor-/Mastersystem wurden von allen Rednern eingesehen und wollen nun Stück für Stück angegangen werden“, resümiert Matthias Proft das Ergebnis der Veranstaltung. Ob der Bologna-Tag mehr als heiße Luft war, wird wohl erst die Zukunft zeigen.

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