Luftig-lockere Versprechen: Schaum in der Werbung

Von Schaumschlägern bis zum Quantenschaum. Foto: Stefanie Brüning

Von Schaumschlägern bis zum Quantenschaum. Foto: Stefanie Brüning

Schaum – das ist Vergänglichkeit wie die weiße Gischt auf dem Meer. Als Seife steht er für Sauberkeit und Hygiene, und manchmal ist er einfach nur das Sahnehäubchen auf dem Kuchen. Seid neustem erobert die fluffige Konsistenz ganz neue Welten. Aufgeschäumte Margarine, Mousse Make-up und Co. bevölkern die Regale der Supermärkte. Halten diese Produkte, was die Werbung verspricht, oder platzt hier die Schaum-Blase?

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Viel Luft in der Schaum-Packung. Fotos: Judith Merkelt

Betrachten wir zunächst die aufgeschäumte Margarine „Lätta & luftig“ der gleichnahmigen Firma. Luftig aufgeschlagen soll sie sein – leicht und bekömmlich präsentiert die Firma das Produkt in ihren Werbespots. Aber ist der Butterersatz tatsächlich soviel besser, weil jetzt Gasblasen darin sind?
Jörg Hinrichs, ein Lebensmittelwissenschaftler und Biotechnologe der Universität Hohenheim erklärt:

„Bei der Margarine dürfte der Schaum im wesentlichen die Konsistenz des Produkts beeinflussen, sie wird streichfähiger.“ Also könnte an der Werbebehauptung, das Produkt wäre luftig, schon etwas dran sein. Verändert das auch den Geschmack? Professor Hinrichs meint dazu: „Es ist schon möglich in den Schaumbläschen Aromastoffe zu halten, wodurch das Produkt dann aromatischer erscheinen kann. Ob das bei Lätta der Fall ist, weiß ich nicht.“ Der Brotaufstrich könnte also einen intensiveren Eigengeschmack haben, bleibt die Frage wer das bei Margarine überhaupt möchte.

Aufgeplusterte Verpackung und Luxus-Luft

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Die Verpackung bleibt gleich groß, nur der Inhalt wird weniger.

Eine leicht veränderte Konsistenz, etwas besserer Geschmack – das sind die Argumente für den Kunden. Aber für den Hersteller gibt es noch ein ganz entscheidendes Argument, aufzuschäumen: Er kann am Inhalt sparen. Wird die normale Halbfettmargarine in der 500 Gramm Packung verkauft, sind bei der aufgeschäumte Lätta & leicht nur 320 Gramm drin – und das bei gleicher Verpackungsgröße und gleichem Preis. Der Deckel der Schaum-Margarine suggeriert sogar eine etwas größere Verpackung. Dem Kunden wird so vorgegaukelt, dass er die normale Margarine-Portion kauft, nur dass er aufs Kilogramm gerechnet mehr zahlt. Im Grunde enthält die Lätta & luftig Packung also sehr teure Luft.

Kosmetik für die Packunsgröße

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Links: Mousse Make-up, rechts: Inhalt und Verpackung des Flüssig-Make-ups.

Das gleiche Phänomen kann man bei Make-up beobachten. Hier hat sich der Trend zum „Mousse Make-up“ schon durchgesetzt. Der Hersteller „essence“ beispielsweise wirbt mit seinem „seidig leichten mousse make-up“. Das Döschen enthält laut Aufschrift 16g. Ein vergleichbares Flüssig-Make-up derselben Marke, kostet genau soviel wie das Mousse. Aber ist auch die gleiche Menge Make-up enthalten?
Um das herauszufinden, muss man schon in die Trickkiste greifen. Der Hersteller gibt für das normale Make-up einen Inhalt von 30ml an. Ohne die Dichte der beiden Produkte zu kennen lassen sich 16g und 30ml nicht vergleichen. Wiegt man allerdings den Inhalt des flüssigen Make-ups aus, so kommt man auf einen Wert von 32g. Es enthält doppelt soviel Make-up wie das aufgeschäumte Produkt. Für den gleichen Preis bekommt man hier also einen echten Schaumschläger, ohne dass man den Unterschied so einfach feststellen kann. Bei luftigen Produkten bekommen Kunden also auch schwammige Größenangaben, die bestens geeignet sind, sie in die Irre zu leiten.

Nicht jeder Schaum ist nur heiße Luft

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Lieber Schaum in der Hand als Tropfen auf der Bluse.

Ganz auf Schaumprodukte verzichten muss man deswegen aber nicht. Manchmal gibt die neue Konsistenz dem Produkt auch einen echten Mehrwert. Festiger für die Haare zum Beispiel, waren früher flüssig, erinnert sich Günther Lang, Honorarprofessor für Kosmetikchemie an der TU Darmstadt. Schaumfestiger hat sich durchgesetzt, weil er entscheidende Vorteile besitzt: „Man hat ja nachher keinen Schaum im Haar, trotzdem ist Schaumfestiger praktisch. Man kann ihn viel besser dosieren. Flüssigkeit würde Ihnen durch die Finger laufen. Das war früher eine richtige Sauerei. Außerdem lässt er sich einfacher und gleichmäßiger auftragen.“, so Lang. Dass auch etwas fehlen kann, sobald nichts mehr schäumt, hat Professor Lange selbst miterlebt. „Ich war mal bei der Entwicklung einer Waschemulsion für die Haare dabei. Die hat nicht geschäumt. Das wurde von den Testern ganz schlecht aufgenommen und die Entwicklung eingestellt.“ erzählt er.
Manchmal kann aber auch der fluffigste Schaum gefährlich werden. Prof. Lang denkt an die ersten Schaum-Dauerwellen zurück: „Dauerwellen sind alkalisch. Damit sie schäumen, muss man Tenside dazu geben. Diese bewirken aber außerdem, dass die schädlichen Stoffe der Dauerwelle tiefer in die Kopfhaut eindringen können.“ erklärt er. Die schädlichen Schaum-Wellen wurden damals vom Markt genommen. Heute gibt es ähnliche Produkte wieder zu kaufen. Ironischer Weise werben sie mit Titeln wie „Schaum-Pflegewelle“ oder „Balsam“.

.Wer Mousse kauft, muss mit weniger Inhalt rechnen

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Nachtisch oder Make-up?

Was die Hersteller mit ihrer schaumigen Produktvielfalt versprechen ist unterschiedlich. Bei der Margarine scheint es vor allem der Fitness-Faktor zu sein, der die Kunden locken soll. Schaum soll das Image eines sportlich lockeren Produktes vermitteln.
Bei Kosmetika ist das etwas anders. Hier wird einem das Produkt durch die Konsistenz direkt schmackhaft gemacht, obwohl man es gar nicht essen soll. Es gibt Mousse Make-up, Souffle Blush und Eye Cream. Die Wortfamilie der Produktnamen liegt klar in der Küche. Von hier kennen wir Mousse au chocolat, Maracuja Souffle und Irish Cream. Mögliche negative Erfahrungen mit Standart-Make-ups sollen nicht auf das neue Produkt übertragen werden.
Doch egal was pfiffige Werbeslogans uns versprechen, im Grunde sind sie genauso aufgeblasen wie die Produkte die dahinter stehen. An der ein oder anderen Stelle kann Schaum wirklich nützlich sein. Man sollte allerdings darauf achten, dass man nicht am Ende vor Wut schäumt, ob der Preis/Leistungsverhältnisse. Würde man einige der Schaumprodukte in realistischen Packungsgrößen und ohne viel Werbeversprechen präsentieren, wären sie wohl ähnlich schnell wieder verschwunden wie Schaumkronen auf dem Meer.