Kino-Tipp: True Grit

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Bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, beste Nebendarstellerin und so weiter. Zehn Oscar-Nominierungen hat „True Grit“ erhalten und die Chancen stehen gut, dass es am 27. Februar im Kodak Theatre in Los Angeles nicht nur einmal heißt: „And the Oscar goes to True Grit!“

"True Grit" startet am 24. Februar in den deutschen Kinos. Foto: Getty Images

"True Grit" startet am 24. Februar in den deutschen Kinos. Foto: Getty Images / Paramount Pictures

Das Wichtigste zuerst: „True Grit“ ist kein Remake. Das ist den Regisseuren Joel und Ethan Coen wichtig. Ihr Film soll weder eine Hommage noch ein ironischer Seitenhieb auf John Waynes legendäre Darstellung als Rooster Cogburn sein. Wayne erspielte sich mit seiner Rolle in „True Grit“ 1969 seinen ersten und einzigen Oscar.

Mehr als vierzig Jahre später ist auch Jeff Bridges für seine Rolle als Rooster Cogburn für einen Oscar nominiert. Doch der Rooster Cogburn der Coen-Brüder ist ein anderer als der, den John Wayne spielte. In ihrer Verfilmung des Romans von Charles Portis ist Cogburn nicht der härteste Kerl des gesamten Wilden Westens. Er ist ein depressiver, trinkender Cowboy, der weiß, dass seine Zeit vorbei ist.

„Vergeltung – Du kannst ihr nicht entgehen.“

Nicht nur das unterscheidet den Western der Coen Brüdern vom John-Wayne-Klassiker. „True Grit“ ist auch ein Film darüber, wer ihn hat: true grit, den „wahren Schneid“. Und den hat in diesem Film nur eine: Mattie Ross. Die 14-Jährige, die alleine an die letzte Grenzstadt des Mittleren Westens reist, um den Mord an ihrem Vater zu rächen, ist die einzige Heldin in diesem Film voller Anti-Helden. Gespielt wird Mattie Ross von Hailee Steinfeld, die zu den Dreharbeiten erst 13 Jahre alt war. Doch davon merkt man nichts.

Der neue Liebeling der Kritiker: Hailee Steinfeld in ihrer Rolle als Mattie Ross. Foto: Getty Images

Der neue Liebling der Kritiker: Hailee Steinfeld in ihrer Rolle als Mattie Ross. Foto: Getty Images / Paramount Pictures

Brillant spielt sie die resolute Göre, die sich von nichts und niemandem auf ihrem Rachefeldzug aufhalten lässt. Auch nicht vom eitlen Texas Ranger LaBoeuf (gespielt von Matt Damon).
Der ist ebenfalls hinter dem Mörder her und alles andere als begeistert von Matties Idee, zusammen mit Rooster Cogburn auf Gangsterjadg zu gehen.
Aber Mattie setzt sich letztendlich durch. Sie hat eben true grit.
So wird aus Mattie, dem U.S. Marshall Rooster Cogburn, den sie für 100 Dollar engagiert hat, und dem Texas Ranger LaBouef widerwillens ein Dreier-Gespann. Zusammen reiten sie dem Showdown mitten in der Prärie entgegen und ihr Weg dahin ist gepflastert von Leichen. Ob erhängt an Bäumen, gestapelt in der Wildnis oder zerstückelt – „True Grit“ ist ein Film, der ganz genau hinschaut.

Epische Bilder, brillante Darsteller und Bibelzitate

Jeff Bridges ist für seine Rolle als Rooster Cogburn für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. Foto: Getty Images

Jeff Bridges ist für seine Rolle als Rooster Cogburn für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. Foto: Getty Images / Paramount Pictures

Aber nicht nur in Sachen Mord und Totschlag erkennt man die Liebe zum Detail der Coen-Brüder. Alles an diesem Film sieht nach Western aus. Angefangen bei Cogburns Augenklappe über LaBoeuf Fransen-Jacke bis hin zu den unzähligen Bartvariationen. Und es hört sich auch nach Western an. So wechseln sich Bibelzitate und markige Sprüche im Minutentakt ab und im Hintergrund läuft Johnny Cash mit „god’s gonna cut you down“.

Beeindruckend sind aber nicht nur die Kostüme und die Dialoge. Roger Deakins hat mit seiner Kameraarbeit die Einsamkeit des Wilden Westens in epischen Totalen eingefangen und erzeugt mit seinen ausgeblichenen Bildern Trostlosigkeit. So stellt man sich die Prärie im Jahre 1872 vor. Aber erst durch die herausragenden Schauspieler und die schnörkellose und tiefschwarze Erzählweise der Coen-Brüder wird „True Grit“ zu einem außergewöhnlichen Western. Einen Western, den sich nicht nur Fans des Genres anschauen sollten.


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