Filme unter Sternen

Pleite und kein Urlaub in Sicht? Auch in NRW lässt sich der Sommer gut verbringen. An zwanzig Orten im ganzen Land zeigt die Film- und Medienstiftung ausgewählte Filme – bei freiem Eintritt. Du darfst dir sogar dein eigenes Popcorn mitbringen. Billiger ist nicht mal das Unikino.

Eine Leinwand wandert für sechs Wochen durchs Land. Sie wird auf Marktplätzen, in Parks, in Schwimmbädern, vor Schlössern und auf einem Burghof aufgebaut. Bei freiem Eintritt können Besucher sobald es dunkel genug ist anspruchsvolle Filme sehen, die Wartezeit bis dahin überbrückt ein für jeden Ort einzeln organisiertes Rahmenprogramm. „Die FilmSchauPlätze NRW gehen zumeist dahin, wo keine Kinos sind: Etwa raus auf’s Land“, erklärt Antje Krumm. Sie ist die Pressesprecherin der Reihe „FilmSchauPlätze NRW“ und selbst seit ungefähr 14 Jahren immer wieder an dem Projekt beteiligt.

Es gibt auch Filmabende in ausgewählten Städten. „Natürlich gibt es Kinos in einer Stadt, wie etwa Oberhausen. Aber Locations wie der Große Markt an der Clemenskirche in Sterkrade sind als Standort etwas Besonderes.“ Die Orte können sich bei der Stiftung für die Teilnahme bewerben. Wenn sie in die engere Wahl kommen, muss genauer hingeschaut werden: „Nicht immer passt die aufblasbare Leinwand dort hin, oder es wäre für die Zuschauer nicht sicher“, beschreibt Krumm die häufigsten Probleme. Außerdem müssen Absprachen zu den Rahmenbedingungen getroffen werden: Der Film darf nie Eintritt kosten, das Rahmenprogramm sollte auch möglichst gratis sein – und Picknicken ist ausdrücklich erwünscht. Dieses Jahr haben 20 Standorte die Prüfung bestanden, 17 davon sind neu im Programm.

Konzept aus Frankreich übernommen

Kino an ungewöhnlichen Orten: Vergangenes wie dieses Jahr ist eine Windmühle mit im Programm, in diesem Jahr findet an der Windmühle Levern sogar die Auftaktveranstaltung statt . Bild: FilmSchauPlätze NRW/Filmnacht SÅdhemmern

In Frankreich gibt es das Konzept der gratis Open Air Kinos schon lange unter dem Namen „Cinésites“. Nach Sonnenuntergang flackern in zahllosen Touristenorten Filme über Leinwände im Grünen. Auf einem Austausch entdeckte Anna Fantl, die Organisatorin der Veranstaltungsreihe, diese Tradition und brachte sie nach NRW. „Eins der Ziele der FilmSchauPlätze ist es, dass Menschen ins Kino gehen können, die schon länger nicht im Kino waren, weil sie die Gelegenheit nicht haben. Zum Beispiel, weil sie kein Geld haben oder zu weit außerhalb leben“, erklärt Krumm die Motivation hinter dem Projekt.

Schlechtes Wetter? Kein Problem.

Die Kinoabende fallen nur bei starkem Wind aus. „Oben in der aufblasbaren Leinwand ist ein Messgerät für den Wind,“ erklärt Krumm. „Wenn der Wind so stark ist, dass die Leinwand umfallen könnte, muss die Vorführung abgesagt werden.“ Die meisten Zuschauer kommen meist aber vorbereitet, mit dicken Decken und Regenschirmen.Teilweise verteilen die Veranstalter vor Ort Regencapes. „Der Blick auf die Wetter-App ist hilfreich,“ rät Krumm. Zwar werden die Filme bei schlechtem Wetter nur von durchschnittlich 250 Besuchern, statt etwas über 500 Zuschauern gesehen, trotzdem sei aber auch bei schlechtem Wetter für Stimmung gesorgt. „Wenn man selbst unter Schirm und Plane im Regen sitzt, und es dann auf der Leinwand auf einmal auch losregnet, fängt das Publikum schon mal an zu Klatschen.“  Vor allem begeisterte Fans lassen sich nicht abschrecken: „Es gibt Leute, die folgen uns durchs halbe Land. Einige nehmen dafür sogar extra Urlaub.“

Zu Beginn wurde das Projekt durch EU-Mittel zur Kulturförderung ermöglicht, heute ist das anders: Zu „50 Prozent trägt die Film- und Medienstiftung die Kosten der Events, 50 Prozent tragen die Partner vor Ort dazu bei.“

Auch im Grünen spannend: Filme auf großer Leinwand. Bild: http://www.guidokraut.de/

Diese Partner planen auch das Rahmenprogramm, das sich je nach Standort unterscheidet.

„Deswegen sind das alles individuelle Veranstaltungen“, sagt Antje Krumm. „In Oberhausen gibt es zum Beispiel eine Tradition: Da treten jedes Jahr die German Silver Singers auf, ein lokaler Seniorenchor.“ In Freundenberg zeigen die örtlichen Vereine passend zum Film „Birnenkuchen mit Lavendel“ wie Birnen angebaut werden. Auf der Kolvenburg findet eine Ausstellung mit Arbeiten von Julian Schnabel statt, im Freiluftkino läuft sein Film

Filme passen zu den Orten

Die Filme werden so ausgewählt, dass sie zum Ort passen. Das kann wie auf der Kolvenburg ein direkter inhaltlicher Zusammenhang sein, eine ähnliche Ästhetik oder auch ein zeitlicher Zusammenhang: Zu historischen Orten passen Filme, die in der Zeit spielen, in der das Gebäude errichtet wurde. Etwas aus der Reihe tanzt Haan, das mit einer französischen Komödie seine Städtepartnerschaft mit Eu im Norden Frankreichs feiern wollte. Deswegen läuft am 14. August „Monsieur Claude und seine Töchter“ im Schillerpark.

Aktuelle Infos zum Rahmenprogramm und zur Veranstaltungsreihe findest du hier. Einlass ist jeweils ab 19 Uhr, die Filme beginnen, wenn es dunkel genug ist. Falls du nicht mehr bis Mitte Juli auf kostenfreie Kulturveranstaltungen warten möchtest: Studierende an TU und FH Dortmund kommen kostenfrei ins Theater. Wie erfährst du hier.

Alle 20 Orte mit Freiluftkino sind auf dieser Karte verzeichnet, das Datum und ein Link zum Filmtrailer befinden sich in der Beschreibung der einzelnen Orte.

 

 

Beitragsbild: FilmSchauPlätze NRW/ Heiligenhaus

Karte: Lia Rodehorst, erstellt mit Google Maps.

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