Duell am Donnerstag: Castingshows – super Chance oder Karrierekiller?

Wenn wir unsere Lieblingslieder im Radio hören, wissen wir nur selten, wie es der Künstler überhaupt bis dahin geschafft hat. Eine von vielen Möglichkeiten sind Castingshows. Aber ob das jetzt ein guter Start in eine Musikerkarriere ist oder nicht darüber sind sich unsere Autorinnen nicht ganz einig.

Castingshows sind die beste Startrampe überhaupt,

findet Malin Miechowski.

Gerade in der Musikbranche ist es extrem schwierig, mit seiner Leidenschaft genug Geld zu verdienen. Deshalb finde ich, dass Castingshows eine super Möglichkeit sind, um schnell Erfolg zu haben. Natürlich wird einem auch hier nichts geschenkt: Der Weg mag zwar kürzer sein, um es weit zu schaffen braucht man aber trotzdem das nötige Talent.

Fangemeinden in Sekundenschnelle

Castingshow-Gegner behaupten oft, alle Formate seien gleich. Aber das stimmt nicht! Allein zwischen „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) und „The Voice Of Germany“, den beiden wohl bekanntesten Formaten in Deutschland, gibt es einen meilenweiten Unterschied. Es ist den Talenten daher natürlich zu raten, sich genau zu überlegen, wo sie sich bewerben: Die großartige Stimme ist wohl bei The Voice am besten aufgehoben, die Rampensau, die eher durch Entertainer- als Gesangsqualitäten überzeugt, sollte eher zu DSDS gehen.

Ein weiteres Argument für die Teilnahme an einer Castingshow: Nirgendwo entstehen so schnell Fangemeinden. Ein brillanter Auftritt und die Herzen fliegen einem zu. Und das ist wichtig, schließlich sichern die Fans dem Musiker durch ihre Investitionen in CDs, Downloads und Fanartikel sein täglich Brot. 

Klar, man muss dazu sagen, dass die Anzahl an Musikern, die nach der Castingshow dauerhaft Erfolg haben, durchaus gering ist. Aber wenn man dort die richtigen Leute kennengelernt hat und dann auch noch Eigeninitiative zeigt, steht einer erfolgreichen Karriere kaum noch etwas im Weg.

Schaut euch Justin Timberlake an!

Dass man es als Castingshow-Teilnehmer weit bringen kann, sieht man zudem an international bekannten Musikern und Musikerinnen wie Kelly Clarkson, Justin Timberlake und Leona Lewis. Alle haben einst in Castingshows ihre Karriere begonnen und ihren Erfolg darauf aufgebaut.

Auch hier in Deutschland haben es einige Künstler weit gebracht: Fast jeder erinnert sich noch an Alexander Klaws aus der ersten Staffel von DSDS. Er absolvierte nach seinem Sieg eine Musicalausbildung und ist heute einer der gefragtesten Musicaldarsteller in Deutschland.

Wer sich seiner Sache noch immer nicht ganz sicher ist, dem kann man also nur eins raten: Nicht so lange zögern und einfach mal probieren!

Selfmade ins Musikbusiness ist der einzig wahre Weg

findet Aurora Lushtaku.

Die effektivste Art und Weise, als Sänger oder Sängerin groß rauszukommen, ist für mich zunächst die stille aber harte Arbeit im Hintergrund. Kleine Auftritte absolvieren, Gesang und Perfomance verbessern – eben alles, was dazugehört. Wer Glück hat, ist dann auch noch zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder wird im Netz entdeckt. Und wenn nicht: Ab mit dem Demo-Tape zur Plattenfirma!

Nehmt euch Zeit!

Klar, auch Castingshows haben Stars wie Jennifer Hudson oder Adam Lambert den Sprung ins Musikbusiness verschafft, aber 99 Prozent der Castingshowteilnehmer/innen kennt man am Ende nicht einmal mehr mit Namen. Es sei denn, sie machen mit tränenreichen Trennungsgeschichten auf sich aufmerksam (siehe Pietro Lombardi und Sarah Engels).

Durch derartige Formate wird man zwar schnell einem großen, breiten Publikum bekannt, aber das, was so schnell losgeht, kann auch mindestens genauso schnell vorbei sein. Wer mehr Zeit für den Weg zum Ruhm in Kauf nimmt, hat deshalb oft größere Chancen auf einen lang anhaltenden Erfolg.

Kinders haben’s leichter

Nun kommen wir zu dem Ruf, den man sich mit der Teilnahme an so einer Castingshow einheimst. Nur so viel: Es ist kein guter. Und ihn am Ende loszuwerden ist echt nicht leicht. Am ehesten geht das noch, wenn man als Kind an einer Castingshow teilgenommen hat. Dass Beyoncé, Justin Timberlake oder Zara Larsson ohne die Shows heute wahrscheinlich nicht da wären, wo sie sind, wissen noch die wenigsten.

Aber gehen wir ruhig einmal davon aus, der Traum des Sängers oder der Sängerin hat sich durch eine Castingshow tatsächlich erfüllt und er oder sie kann von der Musik mehr als gut leben. Wäre der Stolz nicht größer, wenn man sich seinen Weg dorthin selbst aufgebaut hätte? Wenn man sich seine Fanbase selbst erarbeitet und es ganz ohne große Show geschafft hätte? Ich denke schon. Also: Lieber von unten hocharbeiten, als es sich so leicht zu machen!

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Foto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 
Teaserfoto: dieter michalek bei Flickr. Lizensiert nach Creative Commons 2.0 Generic.