Duell am Donnerstag: Studieren bei der Bundeswehr?

 

DAS-DUELL-Moritz-PiaDie Bundeswehr dominiert mal wieder die Schlagzeilen. Die Reformen greifen nicht, die Soldaten sind unzufrieden. Um den Nachwuchs muss mittlerweile massiv geworben werden. Und auch wir stellen uns die Frage: Ist das Studium bei der Bundeswehr eine Alternative zur Universität? Unser Duell am Donnerstag zwischen dem Befürworter Moritz Mettge und der Kritikerin Pia Lisa Kienel. 

Teaserfoto: Archiv

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Im Hörsaal sitzen und dafür auch noch bezahlt werden? Kling nach einem Traum. Für junge Leute, die sich für ein Studium bei der Bundeswehr entscheiden, ist aber genau das Realität. Etwa 1600 Euro bekommen sie monatlich auf ihr Konto überwiesen. Darüber hinaus wohnen sie sogar bis zum 25. Lebensjahr kostenlos. Universität Schlaraffenland? Ganz sicher ist ein Studium an einer der zwei deutschen Hochschulen der Bundeswehr nicht für jeden das Richtige, aber welches Studium ist das schon?

Man muss einen genauen Plan von seinem weiteren Berufsweg vor Augen haben. Denn ein Bundeswehr-Studium ist an Verpflichtungen gebunden. Mindestens 13 Jahre bindet der Vertrag die Studierenden an die Armee. Auch für Ungeduldige empfiehlt sich das Studium in Tarnfarben nicht unbedingt. Bevor zu Papier und Stift gegriffen werden darf, stehen neun Monate Grundausbildung sowie je nach Studiengang unterschiedlich lange, zusätzliche Ausbildungsinhalte auf dem Programm. In der Regel beginnt das Studium nach 15 Monaten.

Grundwehrdienst? 13 Jahre verpflichten?

Die Argumente sind häufig dieselben. Viel zu lang sei die Zeit der Verpflichtung. Und auch der Grundwehrdienst sei völlig unnötig für das spätere Berufsleben. Wo aber bekommt man sonst in Zeiten von Regelstudienzeit á la Bologna die Möglichkeit, abseits des freien Marktes in Ruhe sein Studium zu Ende zu bringen? Durch das satte monatliche Einkommen studiert es sich ein Stück unbeschwerter als an einer ,normalen‘ staatlichen Universität. Und dreht man den Spieß der Kritiker um, wird einem durch die Verpflichtung ein genau festgelegter Karriereweg geebnet. In mehrere Richtungen kann dieser gehen. Angehende Maschinenbauer findet man genau wie Pädagogen oder VWLer auf den Bundeswehr Campussen. Und diese studieren im nahezu intimen Rahmen. Überfüllte Hörsäle gibt es an den BW-Unis München und Hamburg genau so wenig wie Seminare mit 30 Leuten und mehr. Qualitativ hat die Akademikerausbildung der Bundeswehr ihren Pendants an Uni und Fachhochschule einiges voraus.

Natürlich kann ein Bundeswehr-Studium nur ein Erfolg werden, wenn die Einstellung dazu stimmt. Pazifisten und Individualisten werden mit Sicherheit weder in München noch in Hamburg glücklich. Studierende sind nämlich nicht davor gefeit, auf Auslandseinsatz zu müssen. Er ist sogar sehr wahrscheinlich. Dass muss mit der Immatrikulation jedem bewusst sein. Lässt sich das mit der persönlichen Einstellung vereinbaren, genießt man eine besonders bei Arbeitgebern hoch angesehene akademische Ausbildung.

Auf Nummer sicher

Ein Studium bei der Bundeswehr ist der beruflich sichere Weg. Für die Zeit der Verpflichtung kann mit Gehalt und festem Job geplant werden. Auch über die mindestens 13 Jahre Pflichtdienst hinaus, ist eine weitere Beschäftigung in Diensten des deutschen Staats sehr wahrscheinlich. Das Studienangebot ermöglicht diverse Chancen. Ein Studium bei der Bundeswehr ist für einen kleinen Prozentsatz von angehenden Akademikern die richtige Entscheidung. Es ist nichts für den Mainstream. Nichts Massentaugliches. Freunde und Familie stehen häufig hinten an, ausschweifende WG- Partys existieren im Bundeswehrkosmos nicht. Wer damit leben kann, erhält ein Schritt für Schritt durchgeplantes und vorgegebenes Ausbildungskonzept. Ein Studium bei der Bundeswehr ist das Richtige für die Richtigen.

 

contra

Ich studiere an einer staatlichen Universität – und zahle dafür. Es fallen zwar keine Semestergebühren mehr an, trotzdem finanziert sich das Studium ja nicht von selbst. Im Hörsaal zu sitzen und dafür auch noch bezahlt zu werden, ist definitiv nicht die schlechteste Vorstellung.

Ein finanziertes Studium gibt es bei der Bundeswehr. Doch was erwartet mich dann da? Für 1600 Euro im Monat bekommen Studenten einen Schlafplatz plus Studium. Doch das war längst noch nicht alles. Zudem dürfen die Studenten den Grundwehrdienst ableisten, die Offizierschule besuchen und sich für 13 Jahre verpflichten. Sie dürfen? Sie müssen!

Im Krisenfall ist jeder Soldat 

Wer bei der Bundeswehr in München oder Hamburg studiert, muss also auch schießen und marschieren können. Er lernt auf 1200 Seiten Paragrafen auswendig, die vorgeben, wie sich ein Soldat zu verhalten hat und er wird im Umgang mit gefährlichen Situationen geschult. Und wozu der ganze Aufwand? Ganz einfach: Nach dem Abschluss wartet ein Einsatz im Ausland.

Wer Glück hat, wird in einen humanitären Einsatz geschickt. Wer Pech hat, landet mitten im Kriegsgebiet. In diesem Fall sollte man sich wohl eher nicht auf sein Glück verlassen, und sich bereits vor dem Beginn des Studiums mit dem Szenario auseinandersetzen. Denn auch wenn die Absolventen Medizin studiert haben, werden sie nicht als Ärzte ins Ausland geschickt. Im Notfall muss JEDER einen Schuss abfeuern können.

Knochenjob vs. Freiheit 

Fassen wir also mal zusammen: Ein Studium bei der Bundeswehr lässt sich nicht mit einem Studium an der TU Dortmund vergleichen. Beim Bund ist es ein richtiger Knochenjob, der Körper und Geist gleichermaßen fordert. Während „normale“ Studenten erst um 12, selten auch mal um 10 Uhr, in der Uni auftauchen, sind die Studenten der Bundeswehr dann bereits das zweite Mal durch den Schlamm gerobbt.

Während Studenten der TU sich abends in der Stadt treffen und die Kneipen unsicher machen, gehen auf dem Gelände der Bundeswehr bereits früh die Lichter aus.

Alles in allem stellt ein Studium bei der Bundeswehr für mich keine Alternative dar. Und das nicht nur, weil ich als Frau nicht schon morgens um 6 Uhr durch den Wald kriechen möchte. Ich möchte mich jetzt ungern für 13 Jahre an einen festen Arbeitgeber binden. Wer weiß, was übermorgen passieren wird? Auch das Geld kann mich nicht locken, dann investiere ich lieber selbst einen gewissen Teil in die Bildung und bin dafür frei. Ich treffe meine Entscheidungen selbst und stehe dann auch dafür ein. Luxus, den es bei der Bundeswehr so nicht gibt – vom materiellen Luxus mal ganz abgesehen.

Nicht umsonst steht die Bundeswehr aktuell in der Kritik. Es muss massiv um den Nachwuchs geworben werden. Zudem soll/muss die Bundeswehr familienfreundlicher werden! Doch wie sollen sich gefährliche Auslandsaufenthalte und Zeit mit der Familie miteinander verbinden lassen? Ich bin gespannt und werde die Entwicklungen verfolgen. Eins sollte jedem klar sein: Auch bei der Bundeswehr ist nicht alles Gold, was glänzt.

 

das-duell-feeder Foto: stockxchng/bizior, Teaserfoto: Archiv / Montage: Steinborn/Schweigmann 

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