Die Welt der (8) Frauen

„Oh Gott, mit der Perücke sehe ich aus wie ein Beatle!“; „Kannst du mir mal das Kleid enger stecken?“; „Ich probiere es mal mit ’nem Haarreifen – wie sieht das aus?“; „Wo sind meine Schuhe, verdammt?!“

8-Frauen auf der Bühne

Acht Frauen: auf dem Foto, auf der Bühne, und im bekannten gleichnamigen Film "8 Frauen", an den die Inszenierung angelehnt ist. Foto: Nils Jacobi

So fangen sie meistens an, die Proben für das Theaterstück „Die 8 Frauen“ im „theater narrenschiff“ in Unna. Seit Mitte Oktober laufen die Proben für das Stück, das am 13. Dezember Premiere feiert. Mittlerweile – nur noch ein paar Tage vor der Erstaufführung – stehen Kostüme und Perücken größtenteils fest und auch der umfangreiche Text sitzt fast fehlerfrei. Hier und da liegen noch Skripte mit gelb markierten Passagen herum, aber die kommen höchstens noch in den Pausen für ein schnelles Nachlesen zum Einsatz und finden nur noch selten den Weg mit auf die Bühne.

Und darum geht es

Die Geschichte des Stücks: Acht Frauen wachen morgens in einem Landhaus auf, eingeschneit und abgeschnitten von der Welt, und stellen fest, dass der einzige Mann im Haus tot ist – ermordet. Jede der acht Frauen hat ein Geheimnis, das sie verbergen will, deswegen ist es schwer herauszufinden, wer die Täterin ist. Vielleicht war es ja Pierette, eine verrucht-elegante Lebedame und Schwester des Toten. Oder dessen Witwe Gaby, Hausherrin und Diva der Provinz – sie wollte ihren Mann verlassen. Oder vielleicht Louise, das Dienstmädchen, das ein Verhältnis mit dem Ermordeten hatte? Alle Eingeschneiten haben irgendein Motiv, verdächtigen sich gegenseitig und spinnen Intrigen…
„Gerade die völlig unterschiedlichen Charaktere, die in diesem Haus aufeinandertreffen, machen das Stück so lustig und interessant“, findet Kathrin Bolle. Sie studiert Design Medienkommunikation an der FH Dortmund und schauspielert seit 2005 im „theater narrenschiff“ in Unna. An den Proben gefallen ihr vor allem „das Zusammensein mit den Anderen, die lustigen Momente und dass man sich immer wieder neu ausprobieren kann“. Unter der Woche sind die Proben für sie ein guter Ausgleich zur Uni und bedeuten Entspannung – am Wochenende müsse sie sich dagegen eher mal aufraffen, erzählt die Darstellerin der verruchten Pierette.

In diesem Stück spielen fünf Dortmunder Studenten mit. Sie gehören zur kleinen „8 Frauen-Familie“ des „theater narrenschiff“ und fühlen sich dort sehr wohl. „Die Proben machen wirklich viel Spaß in so einer kleinen Gruppe. Bei großen Produktionen mit 25 Leuten wird es schon mal stressig – untereinander und auch was die Terminplanung angeht. Aber in unserer kleinen Gruppe ist die Stimmung immer sehr gut und lustig“, erzählt Kuwi-Studentin Lilja Kopka. Und wirklich, die Truppe wirkt wie eine echte kleine Familie – sogar ein Baby und Theaterhündin Emma sind meistens mit dabei.

Auf der Bühne

Auf der Bühne stehen „Die acht Frauen“ und proben die letzte Szene. „So, und an der Stelle kommst du dann schon die Treppe herunter, Cara“, wirft der Regisseur ein. Sehr engagiert dirigiert er seine Schauspieler und gibt mit viel Ruhe seine Anweisungen. „Danach stellt ihr euch alle in eine Reihe auf und schaut ganz neugierig. Ungefähr so… .“ Also stehen acht Frauen in acht völlig unterschiedlichen, bunten Kostümen in einer Reihe und schauen neugierig. André ist zufrieden und lobt seine Schauspieler. Die Freude an seiner Arbeit ist offensichtlich und nichts scheint ihn aus der Ruhe bringen zu können, auch keine kleinen Textaussetzer. „Oh nein, was sage ich da noch mal?“ „Es war ein Versehen“, hilft Regieassistentin Judith. „Ach ja, also: Es war ein Versehen“ – Und schon geht es weiter im Text.

8-Frauen: Aber wer hat gemordet?

Wer ist die Mörderin? Auf dem Bild sind fünf der acht potentiellen Täterinnen... Foto: Nils Jacobi

Mit Spaß und vielen Lachern, aber auch mit Ernsthaftigkeit und Ehrgeiz probt die kleine Schauspielertruppe das Stück von Robert Thomas, das in seiner Geschichte dem Film „8 Frauen“ von Francois Ozon entspricht. „Uns allen gefällt das Stück sehr und jede von uns mag ihre Rolle. Jeder Charakter ist irgendwie einzigartig und besonders“, findet Lilja, die Darstellerin der Susanne. Da nimmt sie es auch gerne in Kauf, sich mit ihrer schwarzen Kurzhaar-Perücke wie ein Beatle zu fühlen…

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