TU: Neue Studie – Journalisten können schlecht mit Kritik umgehen

Am Erich-Brost-Institut ist eine neue Studie zur Kritikfähigkeit von Journalisten vorgestellt worden. Die stellt fest: Journalistinnen und Journalisten haben hierzulande eine zu geringe Kritikkultur. Nur die wenigsten von ihnen bekommen regelmäßig Kritik zu hören – oder teilen selbst welche aus.

Die Studie „MediaAct“ hat 1762 Journalistinnen und Journalisten in 14 Ländern zu ihrer Kritikfähigkeit befragt. Das Ergebnis: Gerade die 392 deutschen Befragten können schlecht Kritik austeilen oder einstecken. Nur acht Prozent der befragten Journalistinnen und Journalisten hierzulande gaben an, häufig ihre Kollegen zu kritisieren. Nicht einmal die Hälfte von ihnen wird selbst regelmäßig von Kollegen kritisiert. Deutschland ist damit das Schlusslicht im internationalen Vergleich. In Ländern wie der Schweiz, Niederlande und Finnland konnte die Studie dagegen eine deutlich ausgeprägtere Kritikkultur feststellen.

Professor Susanne Fengler, Leiterin des Erich-Brost-Instituts, bemängelte bei der Vorstellung der Studie vor allem das geringe Pflichtbewusstsein der Journalisten gegenüber den Rezipienten. 95 Prozent der befragten deutschen Journalisten gaben an, dass sie sich hauptsächlich ihrem eigenen Gewissen gegenüber verpflichtet fühlten. Der Leser, Zuschauer oder Zuhörer kam erst an vierter Stelle.

Positiv stellte Fengler heraus, dass die Teilnehmer der Studie sich jedoch durchaus mehr Transparenz wünschten. Ein Großteil der Journalistinnen und Journalisten aus den 14 Ländern stimmte dem Satz zu: „Die Menschen vertrauen eher solchen Medien, die Korrekturen und Entschuldigungen veröffentlichen.“

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