Das Orientierungs – Los

Wir Bochumer Studenten haben es nicht leicht. Ich muss ausgebildeter Labyrinth-Überwinder sein, um mich an der RUB zurecht zu finden. Schaffe ich das nicht, so rügen mich Professoren und andere Lehrende aufgrund von Anwesenheitspflichten. Doch das Schlimmste für einen neuen Bochumer Studenten ist die theoretisch logische Beschriftung des gesamten Campus.

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Im letzten Fall hilft es natürlich, dass der Campus kompakt als Bildungshafen gestaltet ist (es lebe der Architekturpreis, weil wir von oben wie ein Hafen aussehen, und das Audimax eine überdimensionale Muschel darin ist!). Es helfen auch die Hauptbuchstaben der Gebäude, die sich von den Begriffen „Hörsaal“, „Flachbau/Forum“, „Nord“, „Süd“, „Naturwissenschaft“, „Ingenieurwissenschaft“, „Geisteswissenschaft“ und „Medizin“ ableiten.

Die zweiten Buchstaben der großen Fakultäten sind allerdings lediglich alphabetisch ausgesucht (A-D) und gehen vom Audimax aus los. So bedeutet die Abkürzung „GABF“, dass das das Forum zwischen dem Geisteswissenschafts-Gebäude GA und GB ist. „HMA“ ist der Hörsaal im Medizin-Gebäude MA, „FNO3“ ist die dritte Etage im Forum Nord Ost (nord-östlich vom Audimax, also neben dem „HZO“ Hörsaal-Zentrum-Ost und dem Ingenieurs-Gebäude „IA“).

Eine schöne Nebenwirkung der verbindenden Foren (oder auch Flachbauten) zwischen den großen Schiffen ist, dass man auf tieferen Etagen (meistens 03 oder 04) von einem „A“ Gebäude (zum Beispiel NA) bis zu dem Letzten Gebäude der Reihe (hier dann ND) durchlaufen kann. Besonders nützlich ist dies, wenn mir gerade der nächste Rossmann-Schirm kaputt gegangen ist und nur im NC die Cafeteria noch geöffnet hat.

Verwirrend ist aber, dass in den verschiedenen Gebäuden Etagen fehlen. Im NC geht es mit nur einer Treppe von Etage 02 auf Etage 1. Was da die Logik ist habe ich nicht herausfinden können. Andere Etagen (zum Beispiel die Ebene 05 im NC Gebäude) kann man aufgrund des abschüssigen Campus nur über bestimmte Treppen betreten. Bei den Natur- und Ingenieurswissenschaften gibt es zusätzlich auch noch Büros, die innerhalb von Labortrakten liegen. Auf einem Umgebungsplan sind sie zu finden, aber in der Realität schier unerreichbar. Als eine Art Faustregel sind Raumnummern im Norden zweistellig, wohingegen Räume im Süden drei Stellen haben. Aber Achtung: Ausnahmen bestätigen diese Regel!

Die Nord- und Süd-Aufzüge der großen Schiffe sind in der Vorlesungszeit leider meistens überlastet, wollen nicht los fahren, stottern „Tür auf – Tür auf“ bei geschlossenen Türen oder sind gleich außer Betrieb. Dass die neuen Aufzüge mit einem Windows System installiert sind wirft für mich auch die Frage auf, wie lange diese einwandfrei funktionieren werden.

Mit dem Aprilscherz der „Parkplatz-App“ wurde mir nochmal deutlich, wie sinnlos eine solche wäre. Abgesehen davon, dass ich mir kein iPhone leisten kann, gibt es im Moment einfach keine Parkplätze mehr, wenn man nach 8 Uhr auf den Campus fährt. Geparkt wird dann hinter der Hochschule Bochum und die U35 bringt einen dann eine oder zwei Haltestellen zurück zur Uni. Ich bin auch gespannt, wie das noch wird, wenn das Wintersemester beginnt. Ein Schwall an Erstis, der durch die aufgehobene Wehrpflicht anwachsen wird. Geschweigedenn im nächsten Jahr der doppelte Jahrgang uns beehrt! Dann hilft wahrscheinlich auch der Umweg über den Lennershof nicht mehr, um auf dem Weg in die Innenstadt einen Sitz- oder Stehplatz in der U35 zu bekommen.

Wenigstens ist bei den langen Lauf- und Wartezeiten die Sonne ein mittlerweile regelmäßiger Gefährte. Da pausiere ich auch gerne vor dem Audimax, wenn die Orgel gespielt wird oder besuche den botanischen Garten. Und bald freut sich mein Lieblingskommilitone besonders, wenn er wieder zur Strandbar gehen kann. Zu seiner optischen Freude haben die dort umherlaufenden weiblichen Studierenden im Gegensatz zu seinem Fachbereich morgens Zeit, einen Spiegel zu benutzen – und man erkennt sie als solche!

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Anne K. Dote ist eine Studentin des N-Gebäudes an der Ruhr-Universität Bochum, die sich regelmäßig auch in anderen Buchstaben verirrt. In ihrer Kolumne gibt sie einen persönlichen Einblick in den Kosmos RUB - und das normalerweise alle zwei Wochen. Grafik: F. Steinborn, Teaserfoto: pixelio.de / Dieter Schütz

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