Schleifer und Kumpeltypen: Alle Trainer des BVB

logo_final_klein31 Der BVB und seine Trainer, das waren bis zur Ära von Ottmar Hitzfeld keine sonderlich langlebigen Bundesliga-Beziehungen. Sage und schreibe 40 Trainer hat die Borussia seit Gründung der Bundesliga 1963 verschlissen. Bei einer solchen Anzahl ist es kein Wunder, dass nahezu jeder Trainertyp in Dortmund schon unter Vertrag stand. Ob Schleifer, Taktiker, Kumpeltyp oder Dummschwätzer, die Strobelallee hat sie alle schon gesehen. Lange Zeit stand deshalb bei Neuvorstellungen auch immer die Frage im Raum: Wie lange wird der wohl überleben? Wir haben uns die Trainer-Historie angeschaut.


Hermann Eppendorf 01.07.1963 – 30.06.1965

„Ein Trainer ist nicht ein Idiot“ hat ein sehr weiser Trainer einmal gesagt. Diese Beschreibung trifft ziemlich gut auf Hermann Eppendorf zu, dem ersten Bundesligatrainer von Borussia Dortmund. Nach dem Halbfinal-Aus im Landesmeister-Pokal bei Inter Mailand wurde der bei Mannschaft und Fans beliebte Eppendorf vom Vorstand gekündigt. Doch Eppendorf hatte seine Hausaufgaben gemacht: Wegen eines Rechtsverstoßes bei der Vorstandswahl war Präsident Kurt Schönherr überhaupt nicht befugt, Eppendorf aus dem Amt zu heben. Schönherr musste zerknirscht zurücktreten, Eppendorf blieb im Amt und gewann 1965 immerhin den DFB-Pokal. Mehr zum Rauswurf und Rücktritt von Hermann Eppendorf

Willi Multhaupt (01.07.1965 – 30.06.1966)

Multhaupt hatte Werder Bremen gerade zur Meisterschaft geführt, Gleiches versprach man sich von ihm nun auch in Dortmund. Tatsächlich gelang dem BVB eine denkwürdige Saison an der am Ende der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger, sowie die Vizemeisterschaft stand. Letzteres war vor allem deshalb ärgerlich, weil die Dortmunder vom 23. bis zum 32. Spieltag Tabellenführer waren. Nach dem Pokalsieg gegen Liverpool, war die Mannschaft körperlich am Ende und da Hitzfelds Rotationsprinzip erst 30 Jahre später etabliert wurde, verlor der BVB die letzten drei Saisonspiele und damit auch die Meisterschaft. Multhaupt ging daraufhin zum 1. FC Köln.

Heinz Murach (01.07.1966 – 10.04.1968)

Murach litt unter dem „Skibbe“-Problem. Er hatte keine Erfolge vorzuweisen, war vorher nur beim Verband beschäftigt gewesen und daher keinerlei Autorität vor der Mannschaft. Dafür blieb er allerdings erstaunlich lange BVB-Trainer. In seiner ersten Saison startete die Mannschaft schwach, schied aus allen Pokalwettbewerben aus und fing sich erst zum Ende der Saison, sodass es noch zum dritten Platz reichte. Im zweiten Jahr war es genau andersherum. Einem starken Saisonstart folgte der Absturz bis auf Rang 14. Trotz des Vordringens bis ins DFB-Pokal-Halbfinale für Murach letztendlich zu wenig.

Oswald Pfau (18.04.1968 – 16.12.1968)

Pfau war ein tragischer Held. Obwohl er von fünf Bundesligaspielen nur zwei gewinnen konnte, rettete der ehemalige Torhüter die Borussia damit vor dem Abstieg und durfte im Amt bleiben. In der Folgesaison kam seine Mannschaft allerdings nur schwer in Tritt. Am 12. Spieltag befand sich der BVB nach einem 1:4 bei den Bayern immer noch auf einem Abstiegsplatz. Es folgten jedoch fünf Spiele mit nur einer Niederlage, sodass man auf Platz 12 überwinterte und zumindest mit Hoffnung auf die Rückrunde schauen konnte. Die sollte Pfau allerdings nicht mehr erleben. Er erlitt einen Herzinfarkt und starb.

Helmut Schneider (17.12.1968 – 17.03.1969)

Nun sollte es ein alter Bekannter richten. Helmut Schneider hatte den BVB bereits 1957 zur deutschen Meisterschaft geführt. Dieses Mal waren die Ansprüche gar nicht so groß, Schneider sollte das Schiff Borussia nur in sichere Gewässer führen. Aber er war ein Trainer, dem seine Spieler zu gehorchen hatten und Fußballer Indianer waren, die keinen Schmerz spürten. Mit dieser autoritären Art und Weise disqualifizierte er sich allerdings sehr schnell im Kreise der Mannschaft und musste schon nach acht Spielen (fünf Niederlagen) seinen Cowboy-Hut nehmen.

Hermann Lindemann (21.03.1969 – 30.06.1970)

Es musste ein Retter her und weil Jörg Berger damals noch als Spieler aktiv war, verpflichtete der BVB Hermann Lindemann. Der war außerdem als gewiefter Kartenspieler bekannt und spielte seine Trümpfe auch in der Liga gekonnt aus.

Obwohl die Borussia vor dem letzten Spieltag noch auf einem Abstiegsplatz stand, schaffte sie den Klassenerhalt durch ein 3:0 gegen Kickers Offenbach. Im Jahr darauf schaffte die Lindemann-Elf – ganz untypisch für einen Trainer vom Typ Retter – einen überraschenden fünften Platz. Wie der Fußball aber nun mal so ist, musste Lindemann trotzdem gehen, weil der Vorstand der Meinung war, er wäre zu gutmütig mit der Mannschaft umgegangen.

Horst Witzler (01.07.1970 – 21.12.1971)

Die Erwartung, dass nun ein harter Hund kommen müsste, wurde nicht erfüllt. Stattdessen wurde Horst Witzler aus Essen geholt, der beileibe kein schlechter Trainer war. Nach dem ersten Spieltag war man sogar Tabellenführer, landete am Ende aber nur auf Rang 13. Weil der BVB in der Folge aus finanziellen Nöten heraus einen Leistungsträger nach dem anderen verkaufen musste, sah Witzler keine Perspektive mehr und soll dem Vorstand vor der neuen Saison 71/72 gegen eine Abfindung seinen Rücktritt angeboten haben. Unter diesen Voraussetzungen waren die Aussichten auf eine erfolgreiche Saison natürlich gering. Wie hilflos auch die Führung in Dortmund war, sah man daran, dass Witzler im November sogar eine 1:11 Niederlage bei den Bayern überlebte und erst nach Ende der Hinrunde gehen musste.

Herbert Burdenski (03.01.1972 – 30.06.1972)

Wie verzweifelt der Vorstand mittlerweile war, konnte man daran erkennen, dass er zur Rettung ein Mitglied des legendären Schalker Kreisels installierte. Herbert Burdenski sollte das Unmögliche möglich machen – scheiterte aber an der Unfähigkeit der eigenen Mannschaft. Nach 36 Jahren Erstklassigkeit ging Burdenski mit dem BVB sogar runter in die Regionalliga West, um den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Allerdings wurde das Team so gut wie nicht verstärkt. Burdenski gab am 23. Spieltag und auf dem dritten Tabellenplatz liegend auf.

Detlev Brüggemann (01.07.1972 – 31.10.1972)

Es folgte eine Art früher Ralf Rangnick. Ein Fußball-Lehrer, der Bücher über Fußball-Training schrieb, jedoch nie die Sprache der Spieler sprach, und deshalb nur ein paar Spiele bleiben durfte.

Max Michallek/Dieter Kurrat (Spielertrainer) (01.11.1972 – 01.03.1973 bzw. 02.03.1973 – 30.06.1973)

Daraufhin übernahm der bisher nur als Assistent fungierende Max Michallek das Amt des Trainers und ließ sich dabei ab März auch von Spieler Dieter Kurrat (der heute eine Gastronomie in Holzwickede betreibt) unterstützen. Es half aber alles nichts. Der direkte Wiederaufstieg wurde verpasst.

János Bédl (1.07.1973 – 1974)

Mit Janos Bedl saß zur neuen Spielzeit ein Weltenbummler auf dem Trainerstuhl des BVB, der schon in Afrika und Nordamerika gearbeitet hatte. Das Ziel Aufstieg war mit dem vorhandenen Spielermaterial sehr optimistisch gewählt und schließlich kam der Klub auch in große finanzielle Schwierigkeiten. Der Vorstand verlangte von den Spieler, halbtags arbeiten zu gehen und auf Geld vom Verein zu verzichten. Wer nicht mitzog, sollte nicht aufgestellt werden. Da machte der ohnehin genervte Bedl aber nicht mit, weshalb er vorzeitig entlassen wurde.

Dieter Kurrat (1974)

Wieder übernahm Kurrat das Traineramt, der mittlerweile seine Karriere verletzungsbedingt beenden musste. An der Zweitklassigkeit des BVB konnte aber auch er nichts ändern. Am Ende landete man auf Rang Sechs.

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