Vom Körper-Kunstwerk zum Weltrekord

Rolf Buchholz hält einen Weltrekord: Kein anderer Mann hat so viele Piercings wie er. Foto: Markus Bergmann

Rolf Buchholz hält einen Weltrekord: Kein anderer Mann hat so viele Piercings wie er. Foto: Markus Bergmann

Es begann mit einer spontanen Idee und endete als Weltrekord: Rolf Buchholz aus Dortmund hat 453 Piercings und ist damit der meistgepiercte Mann der Welt. Dass er es bis ins Guiness-Buch schaffen würde, hatte er dabei nie geplant.

Im Dezember 1999 fängt alles an. Eher zufällig besucht Rolf Buchholz eine Tattoo- und Piercing-Messe in Berlin. Als er sie wieder verlässt, hat er beides am Körper: Seine erste Tätowierung und sein erstes Metall-Accessoire.

Es soll nicht sein letztes Piercing bleiben. Rolf findet Gefallen an Piercings, über die Jahre werden es nach und nach mehr. In seinem Stamm-Studio „Deep Metal“ in der Weißenburger Straße in Dortmund lässt er die meisten davon stechen. Heute trägt er am ganzen Körper fast 500 kleine Metallteile. Die genaue Zahl ist ihm entfallen: „Irgendwann hört man halt auf zu zählen.“

2011 wird allerdings genau nachgeschaut: Rolf will es ins Guinness-Buch der Weltrekorde schaffen und hat sich via Internet beworben. Als offizielle Anzahl notieren die Verlagsleute 453 Ringe und Stäbchen, die auf Rolfs Körper verteilt sind. Für Rolf ist das nicht mehr als ein Richtwert – es sind wohl eher ein paar mehr als im Buch angegeben. Aber Sorgen, dass er seinen Titel wieder verlieren könnte, muss er sich vorerst nicht machen: Der Engländer, dessen Rekord er 2011 brach, hatte es nur auf 280 Piercings gebracht.

Keine Probleme am Flughafen

Dabei hatte Rolf das Guinness-Buch nie als Ziel im Kopf gehabt. „Ich habe nicht darauf hingearbeitet. Ich hatte einfach Spaß an Piercings. Aber ich habe es nicht für den Rekord gemacht.“ Dennoch fliegt er 2011 nach London zur Präsentation des neuen Guinness-Buchs. Und er findet sich in einer bunten Gemeinschaft wieder: Da ist die Frau mit der längsten Zunge und der Mann mit dem größten Afro der Welt. Zu einigen Rekordhaltern hat Rolf bis heute Kontakt.

Im Profil: Rolf hat vor 15 Jahren angefangen, sich Piercings stechen zu lassen. Foto: Markus Bergmann

Im Profil: Rolf hat vor 15 Jahren angefangen, sich Piercings stechen zu lassen. Foto: Markus Bergmann

Genauso wie zu anderen Piercing-Fans. Viele von Rolfs Wochenenden gehen für Auftritte auf Messen drauf. Auch ins Ausland ist er dafür schon eingeladen worden. Probleme beim Sicherheits-Check am Flughafen hat Rolf übrigens keine: „Die Piercings bestehen aus Titan. Das ist nicht magnetisch und die Metall-Detektoren schlagen dabei nicht Alarm“, sagt er.

Unter der Woche führt Rolf ein ganz normales Leben. Anfang der 80er Jahre hat er an der Dortmunder Uni Informatik studiert, inzwischen arbeitet der 54-Jährige in der EDV der Telekom in Münster. Übrigens ohne Kundenkontakt – vielleicht auch eine kleine Vorsichtsmaßnahme.

Fans gibt es selbst in Pakistan

Dafür pendelt er jeden Tag mit dem Zug zum Arbeitsplatz. In der Bahn und auf der Straße sind die Reaktionen auf sein Äußeres unterschiedlich. Da ist die Verkäuferin in der Bäckerei, die staunend bis ungläubig fragt, ob er mit den schweren Ringen in der Unterlippe denn keine Probleme beim Essen habe. Da sind die vielen Blicke, die er in der Fußgängerzone auf sich zieht. Und da sind die Jungs vor dem Hauptbahnhof, die aufgeregt fragen, ob sie ein Foto mit Rolf schießen dürfen. Sie tragen selbst Piercings, für sie ist Rolf so etwas wie ein Idol. „Ich habe Sie mal im Fernsehen gesehen“, sagt der Eine. Rolf nimmt sich die Zeit und posiert mit den Fans vor der Kamera.

Gewöhnungssache: Im Alltag stören die Piercings Rolf längst nicht mehr.

Gewöhnungssache: Im Alltag stören die Piercings Rolf längst nicht mehr. Foto: Markus Bergmann

Was andere Leute von ihm halten, ist ihm relativ egal. „Blöde Sprüche kommen nur ganz, ganz selten. Wenn Leute komisch gucken, fällt es mir kaum auf. Und was hinter meinem Rücken geredet wird, interessiert mich nicht.“

Dass er gerade in Dortmund eine kleine Berühmtheit ist, stört ihn da auch nicht weiter. „Es kommt häufig vor, dass Leute mich auf der Straße erkennen.“ Schon bevor er den Weltrekord in der Tasche hatte, war Rolf ein Medienphänomen. TV-Sender drehten Beiträge mit ihm, Leute erkannten ihn auf der Straße wieder. Nach dem Rekord hat Rolf ein Shooting mit einer internationalen Nachrichtenagentur – ein paar Wochen später bekommt er Fanpost aus Pakistan.

Rolf will den nächsten Weltrekord 

Was die weltweite Bekanntheit angeht, ist Rolf allerdings nur die Nummer zwei. Sein Weltrekord beinhaltet eine kleine, aber feine Einschränkung: Er ist der meistgepiercte Mann der Welt – der meistgepiercte Mensch ist ein anderer, genauer: Elaine Davidson. Die Schottin liegt mit mehr als 9000 Piercings uneinholbar vorne. Zumal Rolf sich in den letzten Jahren gar keine neuen Löcher mehr stechen lassen hat.

Dafür wird er demnächst einen zweiten Titel einheimsen können. Neben den Piercings hat Rolf auch Implantate wie die Silikon-Hörner, die er auf der Stirn trägt. Und nicht zuletzt seine Tattoos, die seit 1999 ebenfalls kontinuierlich mehr geworden sind. 500 sogenannte Body Modifications hat Rolf beim Guinness-Buch angemeldet und damit in der Ausgabe von 2014 Weltrekord Nummer zwei sicher. Dieses Mal nicht nur für die Piercings – sondern für seinen Körper als Gesamtkunstwerk.