Feminine Filmkunst

Mit der Eröffnungsfeier im CineStar ist am Dienstag das Internationale Frauenfilmfestival in Dortmund gestartet. Eröffnungsfilm war die Coming-Of-Age-Story „Ginger and Rosa“, die in der Zeit der Kubakrise spielt. Sechs Tage lang wird Dortmund nun von den Frauen der Filmszene übernommen. In der Schauburg, im Sweet Sixteen und im Kino im U laufen die rund 100 Filme des Festivals.

Kuratorin Betty Schiel und Festival-Leiterin Silke Johanna Räbiger eröffnen das Filmfestival

Kuratorin Betty Schiel und Festival-Leiterin Silke Johanna Räbiger eröffnen das Filmfestival. Foto: Arianne Buck

Das Schulfilmprogramm, in dem immer morgens um jeweils neun oder zehn Uhr Filme gezeigt werden, hat ordentlich Zuspruch. „Im U wurden wir letztens von der überraschten Empfangsdamen etwas verwundert gefragt, ob denn all diese Kinder hier zu uns gehören würden!“ Mit dieser Anekdote erheiterte Pressesprecherin Stefanie Görtz am Dienstag auf der Pressekonferenz die Journalisten.

Sie und die Veranstalter waren sich einig, dass auch das Schulfilmprogramm mit Filmen wie „Wintertochter“ nach dem Drehbuch von Michaela Hinnenthal nicht nur für Schüler einiges zu bieten habe. Als waschechtes Road-Movie ist es der Beweis, dass Kinderfilme auch richtige Genres bedienen können.

Allgemein sind die Filme des Frauenfilmfestivals nicht bloß Avantgarde. Ganz im Gegenteil soll nach Betty Schiel für jeden Filmliebhaber etwas dabei sein, mit einer Einschränkung: „Es ist hilfreich, wenn man sich für etwas interessiert, das jenseits von Popcorn ist. Aber von Avantgarde über Dokumentationen und Komödien bis hin zu absoluten Trash-Filmen zeigen wir eigentlich alles.“

Noch immer zu wenig Frauen in der Filmszene

Der Exzess zeigt sich beim Festival in allen Farben und Formen. Quelle: IFFF Dortmund

Der Exzess zeigt sich beim Festival in allen Farben und Formen. Foto: IFFF Dortmund

Betty Schiel wählt die Filme des Festivals mit aus. Mit einer Gruppe von Filmkennerinnen fährt sie zu den großen und kleinen Filmfestivals der ganzen Welt und sammelt Filme. Manchmal fällt es aber ganz schön schwer, etwas zu finden. „Wenn in Cannes kein einziger Film einer Frau läuft, was soll ich dann auswählen?“ Sie findet, dass Frauen in der Filmszene immer noch eindeutig zu kurz kommen. Auf den Filmhochschulen seien es schon seit Jahren immer 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen, die das Studium beginnen – sei es Kameramann oder -frau, Regisseur oder Regisseurin oder ein jeglicher anderer verwandter Berufe. „Aber wo bleiben die dann? Unter den Regisseuren und Regisseurinnen ist es hinterher ganz sicher nicht mehr 50 zu 50!“

Filmemacherinnen wollen aufrütteln

Betty Schiel trägt auch die Entscheidung zum jährlichen Thema des Festivals mit. In diesem Jahr läuft es unter dem Motto „Exzess“. Für Betty Schiel trifft das den Nerv der Zeit: „Da reicht ein Blick in die Zeitungen. Es scheint ein heißes Thema zu sein, dass überall übertrieben wird, dass Grenzen überschritten werden.“ Auf den maßlosen Verbrauch von Ressourcen und den Ausschreitungen der Wirtschaft wollen die Filmemacherinnen hinweisen. Aber auch die Filmgattungen spiegeln das Thema wider: „Wir haben eine Reihe von Exploitationfilmen, also das sind ja eigentlich Trash-Filme, die in der Regel total sexistisch und brutal sind.“

Silke Johanna Räbiger leitet das Internationale Frauenfilmfestival 2013. Quelle: IFFF Dortmund

Silke Johanna Räbiger leitet das Internationale Frauenfilmfestival 2013. Foto: IFFF Dortmund

Dabei tragen aber längst nicht alle Filme den Exzess in sich. Im Festival-Programm lässt sich leicht herauslesen, welche Filme dem Motto entsprechen und welche im Programm laufen, weil sie wohl einfach richtig gute, weibliche Filme sind. So ist „Die Lebenden“ eine mitreißende Aufarbeitung der NS-Zeit, die eher durch reduzierte denn durch ausufernde Bilder besticht. Auch der Film „2000m² mit Garten“ von Regisseurin Tama Tobias-Macht überzeugt durch Ruhe: Er zeigt das Alltags-Leben in einer Kölner Villa und kommt dabei den Protagonisten erstaunlich nah.

Beim Internationalen Frauenfilmfestival ist sogar die Chefetage mit Frauen besetzt: Silke Räbiger ist Leiterin des Festivals und seit über 25 Jahren dabei. Von der Praktikantin bis zur Pressesprecherin hat sie ein Team von engagierten jungen Frauen zusammengestellt. Und unter ihnen entbrennen im Pressebüro hin und wieder hitzige Diskussionen etwa zum Thema Frauenquote. Kaum erstaunlich, denn die Filme des Festivals regen auf jeden Fall zum Mitreden an.

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