Zwischen Facebook und exzessiven Eindrücken

Louisa Wittke wurde mit einem Praktikum beim Internationalen Frauenfilmfestival Teil eines professionellen und motivierten Teams. Die 22-Jährige studiert an der Kölner FH Onlineredakteur. Im Praktikum konnte sie theoretisches Wissen  anwenden. Pflichtlektuere.com sprach mit mit ihr über Social Media, Exzesse und das Festival.

Louisa, wie bist du an dein Praktikum gekommen?

Louisa Wittke gehörte für sechs Wochen zum Frauenfilmfestival-Team

Louisa Wittke gehörte für sechs Wochen zum Frauenfilmfestival-Team. Foto: Privat

Ich hab im vergangenen Jahr am Blog zum IFFF mitgearbeitet, das seit einigen Jahren von Online Redakteuren der FH Köln gestaltet wird. Das hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt noch mal mitmachen wollte. Mit etwas Vermittlungshilfe von meiner Dozentin hat es dann geklappt und ich konnte ein sechswöchiges Projektpraktikum machen.

Die wievielte Woche ist das jetzt für dich?

Die Festivalwoche ist meine Letzte, leider. In den fünf Wochen zuvor habe ich aber auch sehr viel machen und mein theoretisches Wissen umsetzen können.

Und was genau waren und sind deine Aufgaben beim IFFF?

Ich habe mich um die Zielgruppenwerbung gekümmert. Dabei hab ich geschaut, was für Filme laufen werden und welche Zielgruppen das interessieren könnte. So hab ich zum Beispiel für den Film „Anton´s All Right“, der von einem autistischen Jungen handelt, einen Flyer entwickelt und den dann an Organisationen und Vereine geschickt, die sich mit dem Thema beschäftigen. Außerdem hab ich bei Facebook Werbung gemacht, indem ich zum Beispiel auf den Seiten der Filme auf das IFFF aufmerksam gemacht habe.

Was hast du dabei gelernt?

Vor allem konnte ich praktisch anwenden, was ich bisher im Studium nur theoretisch gelernt habe. Gerade bei Facebook wurde mir sehr viel freie Hand gelassen und ich konnte selbst feststellen, was funktioniert und was nicht. Auch über das Festival habe ich viel erfahren: über die Filme an sich, die verschiedenen Genres und die Regisseurinnen.

Hast du nun einen oder mehrere Lieblingsfilme?

Bis jetzt hat mir der Dokumentarfilm „The Ballad of Genesis and Lady Jaye“, der am Mittwoch lief, sehr gut gefallen. Darin geht es um den Sänger Genesis P-Orridge und dessen Freundin, die am Ende leider stirbt. Die Regisseurin Marie Losier zeigt, wie die beiden sich operativ einander angleichen lassen. Dadurch werden sie eins. Krass und etwas verrückt, aber auch faszinierend und eine tolle Liebesgeschichte. Und den Film „Vierzehn“, der im Schulfilmprogramm lief, fand ich auch sehr gut. Vier Mädchen, die mit 14 Jahren Mütter wurden, wurden von der Regisseurin Cornelia Grünberg über lange Zeit begleitet. Sehr spannend!

Wie sieht dein Arbeitstag jetzt während des Festivals aus?

Lang! Ich war am Dienstag um 22.30 Uhr zuhause, das war noch früh. Aber das liegt vor allem daran, dass ich abends immer noch ins Kino gehe, um mir Filme anzuschauen. Das ist dann natürlich keine Arbeit mehr, sondern Freizeit. Und die Arbeit in den letzten Wochen hat wirklich Spaß gemacht, weil das Team toll ist und ich sehr viel mitnehme. Ich lerne Regisseurinnen und tolle Filme kennen und kriege die ganze Organisation mit. Das ist echt spannend, allein die ganze Organisation drumherum! Von den Getränken bis zum W-LAN steckt ja eine ganze Menge Logistik hinter dem Festival.

Was verbindest du selbst mit dem Thema Exzess?

Also vor dem Festival habe ich damit eher etwas Positives assoziiert. Exzessiv leben oder lieben zum Beispiel bedeutet für mich, dass man nicht groß über etwas nachdenkt. Irgendwas Extremes, das allerdings nur kurzfristig funktionieren kann. Aber hier, durch die ganzen Filme, hab ich gemerkt, dass sich Exzess natürlich auch auf etwas Negatives beziehen kann. Zum Beispiel, die Absurdität von bestimmten bürokratischen Prozessen, wie in dem Film „Die 727 Tage ohne Karamo“. In dem Film werden binationale Paare durch den österreichischen Staat getrennt, nur weil sie unterschiedlichen Nationalitäten angehören.

Wie geht es nach dem Festival weiter?

Nach dem Festival habe ich erst einmal frei, was auch ganz gut ist, denn ich werde bestimmt ein paar Tage brauchen, bis ich wieder in meinem normalen Alltag angekommen bin. In den letzten Wochen hatte ich so viele neue Eindrücke, das wird mir sicher in der nächsten Zeit auch fehlen. Im Sommer mache ich dann noch ein Praktikum in Berlin und dann geht die FH wieder los.

Und was hast du hier gewonnen?

Viel. Vor allem Kontakte, ein Netzwerk von neuen Freunden, Bekannten und Ansprechpartnern. Dann natürlich die vielen Filme, die ich gesehen habe. Und ich weiß jetzt, dass ich journalistisch auf jeden Fall im Kulturbereich bleiben möchte. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt, auch dadurch, dass ich immer ernst genommen wurde. Ich hatte das Gefühl, etwas zum Festival beitragen zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.