Gauck: „Brauchen Kultur des Wagens“

von Markus Bergmann

Bundespräsident Joachim Gauck hat Dortmund besucht. Das Staatsoberhaupt sprach vor 1100 geladenen Gästen im Opernhaus beim Festakt der Industrie- und Handelskammer (IHK), die am Dienstag ihr 150-jähriges Bestehen feierte. Unschöne Begleiterscheinung des Besuchs: Die rechtsextreme Partei „Die Rechte“ hielt gegenüber der Oper eine Demonstration ab.

Bundespräsident Joachim Gauck. Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung.

Bundespräsident Joachim Gauck. Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Teaserbild: Daniel Moßbrucker (zeigt Gaucks Besuch and der TU Dortmund 2012).

Die Sicherheitsvorkehrungen waren immens, Personenschützer des Bundeskriminalamts und die Dortmunder Polizei sicherten das Gebäude und den angrenzenden Platz der Alten Synagoge. Drinnen war Dortmunds Wirtschaftselite unter sich. 1100 Gäste hatte die IHK eingeladen, darunter Lokalprominenz wie Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau und NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider.

Das Bühnenprogramm drehte sich um die Geschichte der Dortmunder Wirtschaft der vergangenen 150 Jahre – der Bundespräsident begann seine Rede aber mit einem aktuellen Thema: das Hochwasser, von dem große Teile Deutschlands betroffen sind. „Es könnte sein, dass das, was wir in Mitteldeutschland und Ostdeutschland erleben, zu einer nationalen Herausforderung wird. Im immer gerne etwas tristen und problembeladenen Deutschland ist es erfreulich, auf eine Gruppe von Menschen zu treffen, deren Augen leuchten. Und das erleben wir gerade in dieser Notsituation“, sagte Gauck und rief die Zuhörer auf, für die Flutopfer zu spenden.

Fürsprecher der freien Wirtschaft

Dann schlug er die Brücke zur Jubiläumsfeier der IHK. „Ich gratuliere nicht der ältesten IHK in Deutschland, aber einer, die in besonderer Weise immer wieder Veränderungen begleitet hat. Strukturwandel ist für Sie ja nur ein anderes Wort für Normalzustand“, sagte Gauck. Ein zentrales Thema des ehemaligen Pfarrers und DDR-Bürgerrechtlers Gauck ist „Freiheit“ – so auch beim IHK-Festakt: „Ich bin ein Freund und ein Fürsprecher der Wirtschaft und eines freien Unternehmertums, das bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Und dies gilt es, an aller Stelle immer wieder zu betonen, gerade, wenn mal wieder so ein antikapitalistischer Diskurs en vogue ist“, sagte Gauck. In diesem Zusammenhang lobte er auch die Arbeit der IHK: „Das ist gelebte Freiheit. Sie braucht eine Kultur des Wagens, die sich nicht durch die Möglichkeit des Scheiterns beirren lässt.“

Zum Problem der Jugendarbeitslosigkeit in vielen südeuropäischen Ländern sagte Gauck mit Blick auf mittelständische Betriebe in Deutschland: „Ich bin sicher, dass die duale Ausbildung wie hier in Deutschland ein enormes Spitzenprodukt ist, das wir noch viel, viel stärker exportieren sollten. Das könnte ein total wichtiger Beitrag für die Überwindung der Jugendarbeitslosigkeit in weiten Teilen Europas sein.“

250 Teilnehmer bei „Dortmund Nazifrei“

Um 18.30 verabschiedete sich der Bundespräsident, der Konvoi rund um die Dienstlimousine mit dem Kennzeichen D – 1 verließ den Opernvorplatz über eine Nebenstraße. Von den Demonstrationen auf der Hansastraße direkt gegenüber bekam Gauck wenig bis gar nichts mit – dafür hatte die Polizei jetzt alle Hände voll zu tun. Die Partei „Die Rechte“ hatte ihre Demonstration für 19 Uhr angemeldet, bereits um 18.30 Uhr traf sich das Bündnis „Dortmund Nazifrei“ an der Ecke Hansastraße/Hoher Wall, um lautstark gegen die Rechtsextremen zu protestieren.

Zur Gegendemonstration waren über 250 friedliche Teilnehmer gekommen. „Die Rechte“ hatte dagegen gerade einmal 20 Mitglieder und einen Lautsprecherwagen am Eingang zum Stadtgarten versammelt. Die Dortmunder Polizei zog ein weitgehend positives Fazit. Der Einsatz sei fast ohne Zwischenfälle verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Zu den Kosten des Einsatzes und der Zahl der beteiligten Beamten wollte sich die Polizei aber nicht äußern.

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