Der Sowohl-als-auch-Comedian

Von Timo Baudzus

Ein Abend im Sinne der Völkerverständigung zwischen den Generationen – nicht mehr und nicht weniger strebt Kabarettist Florian Schroeder erfrischend unbescheiden mit seinem Programm „Offen für alles und nicht ganz dicht“ an. Und der Name ist Programm: Mit seinem Hybrid aus Comedy und Kabarett entlarvt Schroeder den paradoxen Lifestyle einer ganzen Generation – unserer Generation.

Nicht nur von der Handbewegung, mit der Smartphone-Besitzer auf ihren Handys herumwischen, genervt: Florian Schroeder.

Nicht nur von der Handbewegung, mit der Smartphone-Besitzer auf ihren Handys herumwischen, genervt: Florian Schroeder. Fotos: Timo Baudzus

„Von allem ein bißchen, aber nichts richtig.“ Eigentlich bringt dieser Satz aus Florian Schroeders Programm den Kern seiner Botschaft auf den Punkt. Wo früher ein klares JA oder ein deutliches NEIN stand, steht heute ein unentschlossenes, zutiefst verunsichertes und dennoch auf cool getrimmtes JEIN.

Schawatten und Aperol Sprizz als Sinnbilder einer des Zeitgeists! Richtig gehört – Schawatte! Ein Schal gebunden wie eine Krawatte. Die zur Schau gestellte Mischung aus Seriösität und Kreativität ist letztlich genau wie das neue Hip-Getränk Aperol Sprizz (Prosecco mit Aperol und Soda) ein Symbol für die neue Unentschlossenheit der Generation Facebook. Alkohol trinken, aber doch lieber verdünnt. Nicht Fisch, nicht Fleisch. An dieser paradoxen Mentalität arbeitet sich Schroeder in seinem Programm ab und veralbert mit wortwitzigen Anekdoten aus dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis die Lifestyle-Rituale der Generation 20plus.

Mehr als nur Generationen-Schelte

Comedy oder Kabarett: Florian Schroeder legt sich nicht fest. Fotos: Timo Baudzus

Comedy oder Kabarett: Florian Schroeder legt sich nicht fest.

Das kam in Bochum an, auch wenn das Gros der knapp 70 anwesenden Gästen am Donnerstagabend im Bahnhof Langendreer deutlich über dem Alterschnitt derjenigen lag, die Schroeder aufs Korn nimmt. Aber Schroeder hatte mehr als nur Generationen-Schelte zu bieten. Der Kabarettist Schroeder zeigte, dass er sich auch im politischen Metier bewegen konnte. Besonders die Imitationen prominenter Personen wie Angela Merkel, Thilo Sarrazin und Peer Steinbrück trafen den Publikumsnerv. „Genau die richtige Mischung aus Klamauk und Zeitgeist“, sagte Peter Weber aus Witten während der Pause sichtlich amüsiert.

Ein nettes Kompliment für den Künstler, aber entlarvt es Schroeder nicht auch als eben einen jener Unentschlossenen, die er mit seinem schwarzem Humor bespöttelt? Ist Schroeder selbst einer jener „Sowohl-als-auch-Typen“? „Definitv, und zwar aus Überzeugung“, antwortet der 32-jährige Germanistik-Absolvent nach der Show im Backstagebereich. „Ich mache sowohl Kabarett als auch Comedy.“

Die lustige Tagesschau

Gefragt: "Offen für alles und nicht ganz dicht" - das Buch zum Programm.

Gefragt: "Offen für alles und nicht ganz dicht" - das Buch zum Programm.

Und der Wechsel zwischen den Disziplinen gelingt Schroeder in seinem Programm mühelos. Sezierte er noch zu Beginn der Show genüsslich mit wohldosierten Spitzen in bester Stand-Up- Manier die blasierte Selbstverliebtheit eines Karl Theodor zu Guttenbergs, so ließ er es sich nicht nehmen auch immer mal wieder mit etwas seichteren Nummern, wie einem Songtexte-Quiz zu punkten.In Schroeders Fall hat das Verwischen der Genre-Grenzen Methode: Inhalt und Form ergänzen einander. Und auch wenn sich die Disziplinen Kabarett und Comedy noch immer argwöhnisch gegenüberstehen, so vereinen sie sich in Schroeders Programm zu einer perfekten Symbiose. „Vor allem möchte ich mein Publikum gut unterhalten, ich bin so etwas wie die lustige Tagesschau“, sagt Schroeder. Unterhaltung mit Niveau – das ist dem „Sowohl-als-auch-Komiker“ in Bochum Langendreer auf jeden Fall gelungen.