Diebe in der Bibliothek: Schließfächer in Dortmund gesperrt

Seit einer Woche herrscht in der Zentralbibliothek der TU-Dortmund ein unangenehmer Ausnahmezustand. Denn aufgrund mehrfacher Diebstähle sind die Schließfächer im gesamten Eingangsbereich gesperrt.

„Wie lange genau das noch dauern wird, wissen wir noch nicht, aber die Polizei ermittelt“, sagt Jessica Buschmann, Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsbibliothek.

Schließfächersperrung in der Uni-Bib; Foto: Mareike Maack

Beutzen verboten: Uni-Bibliothek sperrt alle Schließfächer im Foyer. Fotos: Mareike Maack

Über die Jahre hinweg habe es zwar immer wieder ein paar Vorfälle gegeben, doch gerade in der letzten Woche sei es zu übermäßig vielen Diebstählen von Wertgegenständen gekommen. Eine genaue Zahl der Schließfacheinbrüche konnte nicht festgelegt werden.
Die Täter seien dabei sehr geschickt vorgegangen, denn laut Buschmann habe die Polizei keinerlei Aufbruchspuren an den Schränken feststellen können. Spekulationen zu Folge haben die Diebe mit Zweitschlüsseln gearbeitet, sodass sie nicht als solche enttarnt werden konnten. Genaueres könne man erst sagen, wenn die polizeilichen Ermittlungen vorangeschritten sind.

Keine Aufbruchspuren – Polizei ermittelt

Auch im Webblog der Uni-Bibliothek diskutieren Studenten die Vorfälle. Hier beschreibt „Silvie“, dass sie von einer Freundin ebenfalls den Fall geschildert bekommen habe, dass ein Portemonnaie aus dem Spind entwendet wurde und kurze Zeit später ein Mann mit Zweitschlüsseln festgenommen worden sei.

Somit scheint die Dreistigkeit neue Formen angenommen zu haben. Zwar mahnen Schilder auf den Schließfächern schon länger, dass die Universität nicht für gestohlene Wertgegenstände haftet, doch mittlerweile scheint selbst gewissenhaftes Wegschließen von Taschen und Jacken nicht mehr vor Diebstahl zu schützen. Es drängt sich der Verdacht der organisierten Kriminalität auf.

Die Bibliothek hat aus den vermehrten Vorfällen der letzten Woche nun die Konsequenz gezogen und die Schließfächer bis auf Weiteres gesperrt. „Wir hoffen, dass die Ermittlungen schnell etwas ergeben, damit wir bis zum Semesterbeginn eine Alternative finden können“, sagt Buschmann.

Mitnahme von Taschen und Jacken ist nur Übergangslösung

Momentan müssen sich die Studenten damit begnügen, ihre Taschen und Jacken mit in die Bibliothek zu nehmen. „Das funktioniert für den Moment, wir haben aber auch schon Beschwerden bekommen, dass es sehr umständlich ist, die vielen Klamotten mitzunehmen“, sagt Buschmann. Das Essen und Trinken ist jedoch weiterhin in der Bibliothek verboten.

Gesperrte Schließfächer_Uni-Bib; Foto: Mareike Maack

Ausgeräumte Schließfächer: Erhöhte Diebstahlgefahr führt zur Sperrung.

Im Webblog weiß man die Sicherheitsbemühungen der Bibliothek jedoch zu schätzen. So schreib zum Beispiel ein „max“: „Das finde ich sehr gut! Sie achten auf die Sicherheit unserer Wertgegenstände. Darüber hinaus ist es für mich komfortabler, meine Tasche mit in die Bibliothek zu nehmen. Dann habe ich alles was ich brauche dabei. Laptop, Ladekabel, Block, Schreibzeug. Kein lästiges Umpacken mehr! Vielleicht kann das so bleiben!“

Schade für „max“, denn eine Dauerlösung wird das Mitnehmen der Sachen jedoch nicht werden. „Im Moment informieren wir uns erstmal welche Möglichkeiten es da gibt – ob wir umrüsten oder neue Schließfächer anschaffen“, sagt Buschmann. Das sei natürlich auch eine Kostenfrage. Fest stehe jedoch, dass es bei der jetzigen Übergangslösung nicht bleiben werde.

Weniger Diebe an anderen Ruhr-Unis

Dass die Situation an der TU eine besondere ist, zeigt auch der Blick auf die anderen Universitäts-Bibliotheken. Denn sowohl in Essen-Duisburg, als auch in Bochum sind solch extreme Fälle unbekannt.

Am Duisburger Campus seien es eher die Diebstähle, die aufgrund von Fahrlässigkeit der Studenten passieren. Die größte Fachbibliothek ist die im  Gebäude für Geistes-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften. Den Studenten stehen dort mehrere 100 Schließfächer zur Verfügung . „Hier sind uns bisher keine Diebstähle gemeldet worden“, sagt Gerhard Meiselbach von der Bibliothek.

Mehr Sicherheit auch an der RUB geplant

Ein bisschen anders sieht es jedoch an der Ruhr-Uni Bochum aus. Dort seien in der Vergangenheit auch schon ein paar Mal aufgebrochene Schließfächer gemeldet worden. Nach Jörg Albrecht, Leiter des für die Bibliothek zuständigen Dezernats, seien es in drei Jahren aber höchstens drei Vorfälle gewesen.

Schließfächersperrung_Uni-Bib; Foto: Mareike Maack

Nicht nur in Dortmund, auch in Bochum denkt man über mehr Sicherheit nach.

Dennoch denkt man auch hier über eine Verbesserung der Sicherheitsbedingungen nach. „Bei uns ist die Lage nicht so akut wie in Dortmund. Dennoch überlegen wir, ob wir eventuell sichere Schränke anschaffen oder den Bereich mit zusätzlichen Spiegeln überwachen“, sagt Albrecht. Das seien jedoch alles nur Überlegungen, man befinde sich noch in der Planungsphase.

Eine Videoüberwachung käme jedoch aus Datenschutzgründen weder in Dortmund, noch in Bochum in Frage.

Wieder zurück in der Bib in Dortmund können die Studenten im Moment eigentlich nur warten und hoffen, dass sich die Bemühungen der Bibliotheksleitung auszahlen und bald eine sichere Alternative zu den jetzigen Schließfächern gefunden wird.

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