Dr. Stratmann: Abgründe der Ahnungslosigkeit

Er ist einer von uns, ein echter Ruhrgebietsmensch: In der neuen Folge der pflichtlektüre-Serie „Vom Studenten zum Prominenten“ erzählt Dr. Stratmann von Weltveränderungen, Wissenslücken und Studenten-Sprechstunden.

Den Doktor sein Humor ist klasse. Ein echter Ruhrgebietsmensch.  Foto: Lingen/Krug

Den Doktor sein Humor ist klasse. Ein echter Ruhrgebietsmensch. Foto: Lingen/Krug

Welche ist Ihre beste Erinnerung an Ihre Studienzeit?

Meine erste Kabarettaufführung mit einigen militanten Kommilitonen aus der chaoslinksorientierten Fachschaft im Hörsaal MA10 in Bochum zum Abschluss der vorklinischen Semester. Das war die Zeit, in der ich noch glaubte, die
Welt, insbesondere die Studienbedingungen, durch scharfes politisches Kabarett zu verändern.

Und welche Ihre schlimmste?
Mündliche Chirurgieprüfung in Essen, Hörsaal mit 400 geifernden schadenfrohen Kommilitonen, Stratmann mit profunder Ahnungslosigkeit und unglaublicher Sprachlosigkeit mit einem prüfenden Professor, der die Aufdeckung der Lücken, der Täler, ja der Abgründe beherrschte und genoss.

Wie waren Sie als Student? Beschreiben Sie sich in drei Wörtern.

Nett, alkoholisiert, skatspielfreudig.

Was haben Sie an Ihrem Studentenleben am meisten genossen?

Die Erkenntnis, dass mir als 25-jährigem Erstsemester nach Abendgymnasium, Familiengründung und Vorwissen als Sparkassenlehrling die mich umgebenden 1er-Kandidaten zwar intellektuell maßlos überlegen waren, ich dennoch
während des gesamten Studiums als Berater für Lebensbewältigung im Allgemeinen und im Studium besonders immer sehr gefragt war.

Welche Tipps geben Sie uns Studenten?

Gucken, was die anderen Fakultäten so machen, insbesonders die Philosophen, Literaten und Theologen, sonst vergisst man ganz, dass es außer dem eigenen Fach noch Höheres gibt. Mehr Fahrradfahren, Kneipenkultur pflegen und die Beendigung des Studiums als traurige Erkenntnis betrachten, dass die Freiheit Grenzen hat.

Der Uni-Steckbrief:
Universität: Bochum (vorklinische Semester) und Essen (klinische Semester)
Studiengang: Humanmedizin
Semesteranzahl:13
Abschluss: 1980, anschließend Promotion mit Dissertation über Duodenaltumore

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