Wissenswert: Verhütung für ihn

Frauen haben viele Möglichkeiten, sich vor einer Schwangerschaft zu schützen: von mechanischen Verhütungsmitteln bis zur hormonellen Verhütung durch die Anti-Baby-Pille. Für die Männer gibt’s nur eine Lösung: das Kondom. Bald könnte sich das aber vielleicht ändern. Ein Forscherteam der University of California hat zwei Wirkstoffe entdeckt, die in den Befruchtungsablauf durch die Spermien eingreifen. Damit haben die Wissenschaftler einen neuen Ansatz gefunden, um die Pille für den Mann zu verwirklichen.

Im April 2017 haben die Forscher ihre neuen Erkenntnisse in Sachen Verhütung für den Mann im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht. Und so soll das Ganze funktionieren: Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne Verhütungsmittel bewegen sich die Spermien nach einem Orgasmus des Mannes im Regelfall mit gleichmäßigen und rhythmischen Bewegungen der Geißel, ihrem schwanzartigen Bewegungsapparat, auf die Eizelle zu. Dort angekommen reicht diese Bewegung aber nicht aus, um durch die Membran der Eizelle in diese einzudringen. Damit es zur Befruchtung kommt, brauchen die Spermien erst noch eine Art Energieschub. Dieser Powerboost wird normalerweise durch das Hormon Progesteron erzeugt. Und genau da soll die hormonelle Verhütung für den Mann eingreifen. Die beiden Wirkstoffe Pristimerin und Lupeol können nämlich die Wirkung von Progesteron verhindern. Der Powerboost bleibt aus und es kommt zu keiner Befruchtung.

Das Forscherteam rund um die Biologin Polina Lishko fand zuerst heraus, dass auch das Stresshormon Cortisol und die beiden Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen den Powerboost der Spermien bremsen können. Daraufhin nahmen die Forscher natürliche Verhütungsmittel unter die Lupe, deren Inhaltsstoffe ähnlich wirken wie die der drei Hormone. Sie wurden fündig: Beide Substanzen lassen sich in verschiedenen Pflanzen finden. Lupeol konnten sie zum Beispiel in Löwenzahn oder in Mangos nachweisen. 

Einfach zu viele Spermien

Dr. Georg Kunz bei einem Beratungsgespräch mit einer Patientin. Foto: Georg Kunz

Frühere Methoden zielten eher darauf ab, die allgemeine Beweglichkeit und die Konzentration der Spermien im Ejakulat zu reduzieren. Laut Gynäkologe Dr. Georg Kunz ist dies in naher Zukunft allerdings schwer umsetzbar. „Das liegt auch an der Reproduktion des Mannes. Die Konzentration der Spermien im Ejakulat liegt, wenn alles in Ordnung ist, bei etwa 40 Millionen pro Milliliter. Das Ejakulat umfasst meistens drei bis fünf Milliliter. So kommt man auf eine Zahl von 100 Millionen und mehr Spermien. Da ist es einfach schwierig, das runterzudrücken auf eine Zahl, die deutlich unter den 40 Millionen Spermien liegen muss.“ Selbst wenn sich nur fünf Millionen Spermien in einem Milliliter Ejakulat tummeln, ist eine Schwangerschaft nicht unmöglich. Die gleiche Schwierigkeit besteht bei der Qualität der Fortbewegung der Spermien. Normalerweise zeigen etwa 20-25 Prozent der Spermien eine starke Vorwärtsbewegung. Auch hier muss die Zahl wieder massiv reduziert werden. Trotzdem ist auch bei nur fünf Prozent Spermien mit einer starken Vorwärtsbewegung eine Schwangerschaft nicht ganz auszuschließen.

Was ist der Pearl-Index?

Letzte Schritte und Tests

Das Ziel ist es, ein marktfähiges, natürliches Verhütungsmittel für beide Geschlechter herzustellen. Doch zuvor müssen die Forscher noch einige Hürden überwinden. Zum einen sind die Wirkstoffe nur in sehr geringen Mengen in den Pflanzen enthalten. Sie zu extrahieren ist aufwendig und teuer. Noch gibt es auch keine Möglichkeit, große Mengen zu akzeptablen Preisen synthetisch herzustellen. Außerdem müssen noch weitere Tests an Spermien gemacht werden, denn eine gute Alternative zur Pille muss einen ähnlich niedrigen Pearl-Index erreichen wie sie. 

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Mehr Informationen zum Thema Verhütung, Sex und Liebe gibt es jeden zweiten Donnerstag in der Vorlesungszeit von 18 bis 19 Uhr in der Sendung Herzfrequenz auf eldoradio*.

Frequenz 93.0 MHz und per MP3-Stream.

Beitragsbild: pixabay.com/Thomas Breher mit CC Lizenz