DoBus für Barrierefreiheit

An der Uni kommen wir oft unbewusst mit Dingen in Kontakt, die für Studenten mit Behinderung entstanden sind das Blindenleitsystem ist ein markantes Beispiel. Das „Dortmunder Zentrum für Behinderung und Studium“, kurz DoBus, sorgt an der TU Dortmund für solche Maßnahmen. Bianca Jakob profitiert davon.

Bianca Jakob arbeitet im Arbeitsraum von DoBus

Bianca Jakob arbeitet im Arbeitsraum von DoBus. Foto: Julia Weiß

Der Raum liegt im Halbschatten, einzig das flimmernde Licht des Computers spendet Licht. Bianca Jakob sitzt vor dem Rechner und liest. Ihre hellblauen Augen fokussieren den Text. Sie macht sich Notizen. Eine gewöhnliche Situation für einen Studenten, eine außergewöhnliche Leistung für Bianca – denn sie ist stark sehbehindert. Bianca verfügt lediglich über eine Sehkraft von zwei Prozent.

Mit 14 Jahren bekam sie eine seltene Krankheit, die ihr das Augenlicht nahm. Von den Ärzten wurde sie zu spät erkannt – Bianca erblindete binnen weniger Monate. Viele Studenten haben ein ähnliches Schicksal. Für sie ist Studieren eine tägliche Herausforderung.

Behinderung ist nicht gleich Behinderung

Bei Deutschlands Studenten liegt der Anteil von Menschen mit Behinderung bei acht Prozent. Nur bei weniger als der Hälfte von ihnen besteht allerdings eine Studienbeeinträchtigung. Behinderung ist nicht gleich Behinderung. Das wird schnell klar, wenn man über den Campus geht. Ein Querschnittsgelähmter hat andere Bedürfnisse als ein Sehbehinderter. Daher muss das „Dortmunder Zentrum für Behinderung und Studium“ (DoBus) auch auf unterschiedlichste Bedürfnisse eingehen.

Behinderung muss kein Handicap darstellen. Bianca zeigt, wie Studieren mit Behinderung funktionieren kann. Die 37-Jährige hat bereits unterschiedliche berufliche Erfahrungen gesammelt. Doch nachdem sie eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin im Krankenhaus und eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert hatte, merkte sie, dass ihre Berufung eine ganz andere ist: die Arbeit mit Kindern. Daher holte sie ihr Abitur an einer Berufsschule nach und studiert nun im fünften Semester Sonderpädagogik.

Eine Studienassistenz als Hilfe

Daria Celle-Küchenmeister von DoBus

Daria Celle-Küchenmeister berät bei DoBus. Foto: Julia Weiß

„Normalerweise“, sagt Daria Celle-Küchenmeister, Mitarbeiterin von DoBus, „haben Studenten mit Behinderung den Anspruch auf eine Studienassistenz.“ Diese wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) finanziert. Für manche Studenten mit Behinderung ist es unerlässlich, vorübergehend oder während des gesamten Studiums eine persönliche Assistenz an der Seite zu haben. Eine Studienhelferin oder einen Studienhelfer, der sie im Studienalltag begleitet und Aufgaben aller Art übernimmt. Bianca muss ohne die Studienassistenz auskommen. Wegen ihrer abgeschlossenen Ausbildungen bleibt ihr die Hilfe verwehrt. Das Studium sei für ihren beruflichen Weg nicht erforderlich,begründet das der LWL. Für eine Assistenz selbst aufzukommen, ist für sie finanziell unmöglich.

Doch Bianca kommt auch ohne die Hilfe zurecht. Sie schafft ihr Studium vermutlich sogar in der Regelstudienzeit. Immerhin bricht jeder fünfte Student mit gesundheitlicher Beeinträchtigung sein Studium vorzeitig ab, bei starker Beeinträchtigung ist es sogar jeder Zweite. DoBus kommt sehbehinderten Menschen wie Bianca nicht nur durch Maßnahmen wie dem Blindenleitsystem auf dem Campus entgegen.

Ein Arbeitsraum gibt Hilfestellung

Das Blindenleitsystem ist durch eine Initiative von DoBus entstanden

Das Blindenleitsystem hilft vielen Studenten mit Sehbehinderung. Bianca ist aber nicht darauf angewiesen. Foto: Julia Weiß

Im Gebäude der Emil-Figge-Straße 50 befindet sich auch ein Arbeitsraum speziell für Studenten mit Behinderung. Dort stehen Drucker, die die Blindenschrift Braille drucken, sowie Computer mit Sprachausgabe und Lupen. Hier kann Bianca die Texte für ihre Vorlesungen in Großbuchstaben am Computer lesen. Hier schreibt sie auch ihre Klausuren – sie hat Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Das bedeutet in ihrem Fall, dass sie länger schreiben kann. Zudem bekommt sie entsprechende Hilfsmittel zur Verfügung gestellt.

Der Arbeitsraum im Erdgeschoss mit barrierefreiem Zugang befindet sich neben dem Raum des autonome Behindertenreferats der TU Dortmund. Dort engagiert sich Bianca. Zusätzlich setzt sie sich mit zwei ebenfalls sehbehinderten Kommilitoninnen im Studierendenparlament für die Belange der behinderten Studentenschaft ein. Zusammen organisieren sie außerdem Informationsveranstaltungen und Workshops.

Bianca kann sich ohne Leitsystem orientieren

Das Leitsystem auf dem Campus braucht Bianca nicht. Dadurch, dass sie bis zu ihrem 14. Lebensjahr sehen konnte, kann sie sich gut im Raum orientieren. Trotzdem hilft ihr die weiße Farbe der Streifen, sich schneller zurechtzufinden. Andere sehbinderte Kommilitonen sind jedoch auf das Blindenleitsytem angewiesen.

Mit einer Kollegin arbeitet Bianca gerade an einer Überarbeitung der Webseite des Autonomen Behindertenreferates – die Seite soll barrierefrei gestaltet werden. Eine Großdarstellung und eine Vorlesefunktion für Sehbehinderte sind dabei die wichtigsten Instrumente. Bianca löst sich von den großen Buchstaben auf dem Bildschirm und schaut auf die Uhr. Sie packt ihre Sachen und bricht auf. Gleich hat sie Aerobik. Ein ganz normales Studium eben.

2 Comments

  • Melanie Bröcker sagt:

    Ich kann mich meiner Vor-Loberin nur anschließen.
    Gut geschrieben und vor allem: wichtiges Thema!

  • Laura Millmann sagt:

    Der Artikel ist super geworden. Und wunderbar recherchiert. Ich habe ihn gern gelesen!

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