Wir basteln uns einen Bestseller

Um Millionär zu werden, dachte ich als Kind immer, muss man besonders viel können: Man muss klug sein, irgendetwas besonders Dolles studiert haben, wichtige Leute kennen und unzählige Stunden am Tag in einem sehr hohen Gebäude in einer großen Stadt arbeiten. Heute weiß ich: Um Millionär zu werden, muss man nur kitschig schreiben können.

Wenn man bedenkt, dass Stephenie Meyer, Autorin der „Twilight“-Bücher (im Deutschen kreativst mit „Bis(s)…“ übersetzt), durch ihre Arbeit pro Jahr so zwischen 40 und 50 Millionen Dollar Gewinn macht, ist das nicht schlecht. Was sie dafür brauchte? Einen Traum. Und Google.

Im Buch steckt Geld - wenn man weiß, was gern gelesen wird. Foto: Marie Denecke

In Büchern steckt Geld - wenn man weiß, wie man aus ihnen Bestseller macht. Teaser & Foto: Marie Denecke

Wie bitte, was? Genau: Meyer kam die Idee zu dieser östrogen-triefenden Schmonzette eines schüchternen Mädchens und eines ewig deprimierten Vampirs, die sich unsterblich ineinander verlieben, im Traum. Umrahmt von vielen bunten Blumen und einer sonnigen Lichtung, die es ins Buch und auch in den Film geschafft hat.

Dann brauchte die Amerikanerin, die bis dahin Englisch studiert und ihre drei Söhne groß gezogen hatte, nur noch die Suchmaschine, suchte sich ein bisschen was über Vampire, Werwölfe und den regnerischsten Ort der USA zusammen, und schon entstand auf rund 2300 Seiten die „Twilight“-Reihe, die weltweit den Buchmarkt auf den Kopf stellte und Teenies reihenweise davon träumen ließ, mal von einem Vampir gebissen zu werden. Verdammt, denke ich mir, warum hatte ich diese Idee nicht?

Oder gucken wir uns mal eine andere moderne Buch-Hysterie an: „Shades of Grey“, einem unverblümten Abklatsch der „Twilight“-Reihe. Dieses beinahe 2000 Seiten umfassende, häm, Meisterwerk kommt ganz ohne dieses ganze Fantasy-Gedöns aus, dafür gibt es halt so ein bisschen Sadomaso – die moderne Version des Hausfrauenpornos also. Hm, okay, ob ich das unbedingt gern geschrieben hätte, weiß ich nicht. Auf der anderen Seite: Allein in den ersten sechs Monaten nach Erscheinen des ersten Bandes wurden davon weltweit 30 Millionen Exemplare verkauft, den Verlagshäusern spülten sie Millionengewinne in die Kassen. Und die Autorin E.L. James wird sicherlich auch nicht ärmer geworden sein.

Und so schwer, denke ich mir, kann es doch nicht sein, so etwas einfach mal selbst zu fabrizieren. Was braucht man also, um einen Bestseller zu basteln? Wir haben euch die Zutaten zusammengestellt.

2 Comments

  • Amelie sagt:

    Sehr schöner Artikel. Dann werde ich mich wohl gleich mal ans schreiben machen, momentan suchen die Verlage ja schon Autoren wenn ich also mein Meisterwerk fertig gestellt habe muss ich mir um den Lektor und das Marketing garkeine Sorgen mehr machen. Einfach das Manuskript losschicken und schon prasselt das Geld nur so aufs Konto. Eventuell starte ich auch eine Versteigerung, schließlich kann es den Verlagen schon was Wert sein mein Buch veröffentlichen zu dürfen.

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