Perfekter Prof gesucht

Den perfekten Professoren kann man sich bekanntlich nicht backen. Schade eigentlich. Charisma, interessanter Lehrstoff – und bestenfalls dazu auch noch eine gute Notenvergabe – davon träumen viele Studenten. Aber was macht einen guten Dozenten eigentlich aus? Lehrende und Lernende haben unterschiedliche Vorstellungen von den richtigen Zutaten.

„Klar ist, der perfekte Professor ist ein Idealtypus, kein Realtypus“, sagt Thomas Goll. „Dennoch können empirische Untersuchungen Hinweise geben. Sie zeigen, dass eine hohe Qualität in der Lehre mit großem Fachwissen sowie großem didaktischen Wissen beim Lehrenden korreliert.“ Goll ist Inhaber der Professur für Sozialwissenschaften und ihrer Fachdidaktik an der TU Dortmund. Er weiß um die Schwierigkeiten, mit denen viele Lehrende konfrontiert sind: „Manche Dozenten legen eher einen Fokus auf die Forschung. Die Lehre läuft nebenher.“ So sei es ein großes Problem, dass es an der Hochschule keine dem Referendariat für Lehrer vergleichbare Phase des Hinführens an die Lehre gibt.

Lehrpreis der TU ehrt besonderes Engagement

Thomas Goll, Professor an der TU, bezweifelt, dass es den "perfekten Professoren" überhaupt geben kann. Fotos: Giesbers, Teaserbild:

Thomas Goll, Professor an der TU, bezweifelt, dass es den "perfekten Professoren" überhaupt geben kann. Fotos: Giesbers

Jeder Lehrende sei selbst herausgefordert, die Liebe zum Lehren zu entwickeln. „Leidenschaft ist bei der Lehre genauso unerlässlich, wie hohe Fachkompetenz“, sagt Goll. Es sei offensichtlich, dass immer die persönliche Mischung aus vielen Kriterien wie Qualität, Transparenz und Gerechtigkeit bei der Notengebung, hervorragende methodische Umsetzung sowie ein authentischer Charakter einen guten Dozenten ausmachten. Dies würde auch immer wieder bei der Verleihung des Lehrpreises der TU Dortmund klar. Der Preis wird seit 1993 für hervorstechende Lehrleistungen vergeben. Die Kriterien für die Vergabe: Didaktik, Inhalt, Betreuung der Studierenden, Praxisbezug, Forschungsbezug, Interdisziplinarität sowie der Medieneinsatz der Lehrenden. „An den Preisträgern lässt sich ablesen, dass viele Professoren mit viel Einsatz ihre Lehre erbringen“, so Goll.

Persönlichkeit und eine Prise Polemik

„Die Professoren zu meiner Studienzeit haben sich häufig sehr zurückgehalten, sie ließen die Seminare, nach meinem Geschmack, häufig einfach laufen“, findet Lothar Waas. „Ich habe dies für mich zum Anlass genommen, genau anders zu handeln“. Waas ist Professor für politische Ideengeschichte an der Ruhr-Universität in Bochum. Er stellt für eine gute Bewertung nebeneiner hohen Fachkompetenz vor allem auch die Persönlichkeit des Dozenten in den Mittelpunkt. „Es kann hilfreich sein, nicht seine persönlichen Einstellungen zu verschiedenen Fragen hinter dem Berg zu halten, um dem Stoff so eine größere Aufmerksamkeit zu sichern. Dabei ist es der Sache manchmal dienlich, sich einer gewissen Polemik zu bedienen. Eine solche lebendige Rhetorik kann auch emotionale Höhepunkte im Hinblick auf die Sache schaffen.“

Yuan-Juhn Chiao ist noch jung und wächst in seine Rolle als Dozent. "Ich bin dankbar, für die Unterstützung, die ich bei meiner Entwicklung erhalte."

Yuan-Juhn Chiao ist noch jung und wächst in seine Rolle als Dozent. "Ich bin dankbar, für die Unterstützung, die ich bei meiner Entwicklung erhalte."

Yuan-Juhn Chiao ist Dozent am gleichen Institut wie Lothar Waas. Der 35-jährige gebürtige Taiwanese ist in Kalifornien aufgewachsen und hat dort studiert. Seit 2009 arbeitet er nun als Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Internationale Politik. Er betont ebenfalls, wie wichtig Leidenschaft fürs Lehren ist. „Gleichzeitig muss man aber sehr genau hinhören, was Studenten sagen. Kritik aufzunehmen, ist auch wichtig“, sagt Chiao. Auf die Rückmeldungen von Studenten müssten Dozenten unbedingt eingehen. „Es gibt schließlich immer einen Grund hierfür.“

Wenn er sich den perfekten Professoren backen würde, müsse er den unbedingten Willen haben, sich einzusetzen für seine Lehre. Gleichzeitigt dürfe es natürlich nicht an der „nötigen Expertise“ fehlen. „Gut ist auch, wenn eine gewissen Leichtigkeit und Offenheit im Umgang miteinander besteht. Chiao betont jedoch auch, wie wichtig die Arbeitsbedingungen für die Lehre sind. „Ich selbst profitiere sehr von Unterstützung, die ich von meinem Vorgesetzten erhalte.“

Die entscheidende Zutat: Charisma

„Mir ist große Aufgeschlossenheit bei Dozenten sehr wichtig“, erzählt Lilian Nguyen. Die 22-Jährige studiert Architektur an der Dortmunder Fachhochschule. Ihr ist die persönliche Beziehung zwischen Studenten und Lehrenden sehr wichtig. „Sie müssen uns die Angst nehmen, Fragen zu stellen und uns motivieren, uns unseren Problemen zu stellen.“

Lilien Nguyen: "Der beste Professor kann nicht erfolgreich arbeiten, wenn wir Studenten ihn mit einer guten Arbeitseinstellung helfen."

Lilien Nguyen: "Der beste Professor kann nicht erfolgreich arbeiten, wenn wir Studenten ihn mit einer guten Arbeitseinstellung helfen."

In ihrem Studiengang ist zudem Praxiserfahrung von Dozenten ein wichtiges Einstellungskriterium. „Wir lernen hier von Leuten, die selbst diesen Beruf ergriffen haben und uns jetzt ihr Wissen mitgeben. Das bedeutet natürlich schon, dass unsere Dozenten unbedingt lernen wollten und nicht aus Verlegenheit an der Uni geblieben sind.“

In den Professoren-Kuchen muss für Lilian auf jeden Fall Aufgeschlossenheit und die innere Überzeugung für die Inhalte. Es sei aber genauso wichtig ein Vorbild zu sein. „Dabei hilft auch Charisma, finde ich. Jemand der eine tolle, positive Ausstrahlung hat, inspiriert mich.“ Gleichzeitig ist Lilian sich aber bewusst, dass eine gute Arbeitsatmosphäre immer von zwei Seiten kommt. „Wenn man als Student selbst nichts investiert, sich nie anstrengt, kann der beste Professor kommen und man wird sich trotzdem nicht weiterentwickeln.“

Gemeinsam an einem Strang zu ziehen, das betonen alle, sowohl Lilien als auch die Dozenten Goll, Waas und Chiao, sei unerlässlich. Gleich wie viele gute Eigenschaften ein Professor auf sich vereine, ohne den Austausch mit seinen Studenten, wird er nie zum perfekten Professor, der Kuchen geht halt nicht auf.

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