Das Duell: Gleiche Bildung für alle?

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Der Spiegel titelte in der vergangenen Woche (Ausgabe vom 21.11.) “Wo die klugen Deutschen leben” und ganz Deutschland diskutiert: Wie kann es sein, dass Süddeutschland so viel besser dasteht im “Bildungsatlas” als der Norden? Liegt es wirklich am Bildungsföderalismus? Ist also “Gleiche Bildung für alle” die Lösung?

PRO CONTRA
Sie ist wieder da: Die ewige Diskussion über die Bildung in Deutschland, dem Bildungsatlas der Bertelsmann-Stiftung sei Dank. Und wie immer, Lösungen sind nicht in Sicht. Doch wie wäre es denn, einfach mal gleiche Bildung für alle bereitzustellen? Im Moment wird es im Bildungsatlas so dargestellt: Im Süden leben die Schlauen, im Norden, Osten und bei uns in NRW die Dummen. Es ist die ewige Diskussion über die Bildungsunterschiede, das Nord-Süd-Gefälle.

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Der Bildungsföderalismus ist schuld

Schuld an der Ineffektivität unseres Bildungssystems ist der Bildungsföderalismus mit Kompetenzhoheit bei den Ländern. Denn die gravierenden Unterschiede resultieren daher, dass jedes Land in Bildungsfragen macht, was es will. 16 Bundesländer, 16 verschiedene Bildungssysteme.

Zehn Jahre ist der große Pisa-Schock her, aber verändert hat sich natürlich nichts. Denn es wird immer nur diskutiert, aber nie gehandelt. Die mehr als notwendigen Handlungen gehen in der Diskussion um bildungsideologische Fragen zwischen den Ländern unter, Reformen scheitern an der Engstirnigkeit der einzelnen Länder. Schlimm genug, dass Deutschlands Schulsystem im internationalen Vergleich nicht besonders gut dasteht. An eine große Reform traut sich trotzdem niemand ran.

Strukturen überdenken und reformieren

Dabei müsste die Politik beziehungsweise. die Kultusministerkonferenz endlich verstehen, dass die Strukturen überdacht werden müssen. Wieso an einem System festhalten, dass offensichtlich nicht funktioniert? Ohne Frage: Reformen in diesem Ausmaß tun immer weh. Aber bei der Bundeswehr ist der Stein ja auch ins Rollen gekommen. Und die Reförmchen, die für mehr Vergleichbarkeit sorgen sollen, verpuffen ohne Ergebnis, siehe Zentralabitur. Denn was bringt es, die „Dummen” untereinander zu vergleichen? Die Unterschiede zwischen den Ländern bleiben dieselben.

Verschenktes Potential

Und diese Ungleichheit kann nicht mehr der Anspruch einer Gesellschaft sein, die Fachkräfte bitter benötigt. Gerade in den prekären Bildungsregionen wird viel Potential verschenkt. Damit endlich mal etwas auf der ewigen Baustelle Bildungssystem passiert und möglichst viele davon profitieren können, müssen endlich Taten und ein einheitliches Bildungssystem her. Schluss mit den Diskussionen!

Und wieder ist sie da, die ewige Diskussion um unser Bildungssystem. Jeder schmeißt mit Reformvorschlägen um sich und bald fordert der erste die Abschaffung des Bildungsföderalismus. Die Argumente sind immer die gleichen: Unser System funktioniert nicht, wir blamieren uns in der PISA-Studie und so weiter. Sicherlich ist das deutsche Bildungssystem noch nicht so gut wie es sein könnte, das liegt aber nicht an zu viel Föderalismus, sondern an zu wenig. Bildungsföderalismus ohne wenn und aber – das ist in der Tat die Lösung.

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Wettbewerb als Chance

Das größte Gut unseres Systems muss die Wettbewerbschance sein. Jedes Bundesland kann sein eigenes Modell ausprobieren und sehen wie es im Vergleich zu anderen abschneidet. Das machen gerade Studien wie der “Bildungsatlas” möglich. Nur muss jetzt auch die Konsequenz gezogen werden!  Statt zu jammern, dass im Süden alles besser ist, muss man sich im Norden auf den Hintern setzten und analysieren, was im anderen Teil Deutschlands besser läuft. Von den Besten lernen, statt im Selbstmitleid vergehen, ist jetzt angesagt. Dabei darf es aber nicht so laufen wie in NRW, wo man das Zentralabitur zwar aus Bayern übernahm, aber auch nur so halb. Die Konsequenz war, dass die neuen Bücher, die man unbedingt selbst bestimmen wollte, nicht überall rechtzeitig fertig waren.

Vielfalt und Kreativität

Ziel des Bildungsföderalismus ist es, jeden Schüler individuell zu fördern. Schulen müssen die Möglichkeit haben, unterschiedliche pädagogische und inhaltliche Schwerpunkte zu setzten. So können sie konkret auf die Situation ihrer Schüler eingehen. Eine Schule in einem migrationsstarken Gebiet braucht vielleicht mehr Deutschförderung, eine Schule auf dem Land müsste dagegen viel mehr Nachmittagsangebote haben, damit die Schüler sich treffen können. Man kann also nicht einen Beschluss für alle Schulen und Schulformen fällen und denken, das wäre gerechter. Auch Hochschulen müssen ihr eigenes Profil ausbilden können, nur dann sind sie im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig.

Weniger reden – mehr machen

Die guten Seiten des Bildungsföderalismus kommen allerdings nur zum Tragen, wenn man ihn konsequent durchzieht. Ewige Debatten und unklare Strukturen weichen das System auf und schaden ihm. Jetzt heißt es: aus den Fehlern lernen und die Vielfalt genießen. Wir brauchen klare Zuständigkeiten der Länder und eine Regierung, die zu dem System steht, das sie gewählt hat – dann funktioniert es auch!

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Foto: stockxchng/bizior, Montage: Steinborn/Patzwald, Teaserfoto: pixelio.de/Dieter Schütz