Wer hat Angst vorm bösen Clown?

 

Böse Clowns, 27.09.14 - 8.03.15, Ausstellungsansicht, HMKV im D 

 Betritt man den Austellungssaal auf der dritten Etage im Dortmunder U, findet man sich in einem großen Raum wieder. Einem Raum, gespickt mit Fotos, Plastiken und Videoinstallationen rund um das Thema „Clowns“. Lachende Besucher sind allerdings eher die Ausnahme. Den „dummen August“ mit Tröte und Spritzblume sucht man hier vergebens. Vielmehr ist es der mordende Psychopath, der seine Absichten mit einer fröhlichen Maske verschleiert oder die Zurschaustellung unserer unterhaltungssüchtigen Gesellschaft, die die Künstler zu ihren Stücken motivierten. „Böse Clowns“ lautet deshalb der Titel der aktuellen Ausstellung des Dortmunder Hartware MedienKunstVereins (HMKV) im Dortmunder U.

Vor 40 Jahren hätte der Name der Ausstellung wahrscheinlich für Verwirrung gesorgt. Damals hatte der Clown noch seine Rolle als Spaßmacher gepachtet, als großzügig geschminkter, tollpatschiger Unterhalter. Heute ist das anders.

Böse Clowns, 27.09.14 - 8.03.15, Ausstellungsansicht, HMKV im D

Heath Ledger gibt in „The Dark Knight“ als Joker einen seeeeehr bösen Clown. (Foto: Hannes Woidich)

„Die Rolle des Clowns hat sich in den letzten Jahrzenten stark gewandelt“, sagt Inke Arns, künstlerische Leiterin des HMKV. Ihr war aufgefallen, dass Künstler sich vermehrt mit der Figur des Clowns beschäftigten, vor allen Dingen mit einer möglichen dunklen Seite des fröhlichen Unterhalters. Deshalb rief sie die Ausstellung ins Leben. „Was uns an der Figur so sehr interessiert, ist ihre Ambivalenz. Alles was wir sehen ist eine stark überzeichnete Maske, doch was sich dahinter verbirgt, ist für den Betrachter auf den ersten Blick nicht ersichtlich“, so Arns.

Coulrophobie – die Angst vor Clowns

Tatsächlich belegen wissenschaftliche Studien die Existenz der sogenannten Coulrophobie, der anerkannten Angst vor Clowns. Als Unterthema der Ausstellung nennt Arns die „Entertainisierung“ unserer Gesellschaft. So stammt auch die Figur des bösen Clowns ursprünglich aus den Medien. Einer der ersten und wahrscheinlich der bekannteste Vertreter ist „Pennywise“, der Clown aus Stephen Kings „ES“. Ihm ist auch eins der zehn großen Wandgemälde gewidmet, die die bekanntesten Vertreter der Zunft der bösen Clowns zeigen. „Den Film fand ich ehrlich gesagt ziemlich enttäuschend“ so Arns, „mir wäre lieber der Clown wäre bis zum Ende des Films Clown geblieben. Am Ende des Films entpuppt Pennywise sich allerdings als riesiges, außerirdisches, spinnenähnliches Wesen.

 

Das sagt der Experte: Manfred Tetzlaff, Diplom-Psychologe, zur Coulrophobie
Die Coulrophobie, also die Angst vor Clowns, ist eine sogenannte „spezifische Phobie“. Ursachen für eine solche Angst liegen oft in der Kindheit der Betroffenen. Meistens war der erste Auslöser eine Situation, in der man sich vor dem betreffenden Angstgegenstand besonders gefürchtet hat. Besonders bei Kleinkindern im Alter von etwa zwei Jahren kann es schnell zu einer solchen Erfahrung kommen. Kinder in diesem Alter sind noch nicht in der Lage, Realität und Fantasie voneinander zu trennen. Das Kind erschrickt also vor dem Anblick des Clowns, da es eine solche Figur aus der Realität nicht kennt. So eine einzelne Erfahrung ist ebenso wie das einmalige Sehen eines Filmes in den seltensten Fällen Auslöser für eine lebenslange Phobie. In der Regel verlieren sich solche Ängste mit den Jahren wieder. Um sich dauerhaft zu manifestieren, muss die Angst über einen längeren Zeitraum regelmäßig ausgelöst werden. Doch selbst wenn es jetzt zu einer dauerhaften Phobie kommt, ist eine psychologische Behandlung nicht zwangsläufig der nächste logische Schritt. Besonders „behandelnswert“ wird eine Phobie erst dann, wenn mich mein Vermeidungsverhalten in meinen alltäglichen Möglichkeiten einschränkt. Im Falle der Coulrophobie ist ein Vermeidungsverhalten allerdings recht unkompliziert, da es relativ einfach vermieden werden kann, einem Clown zu begegnen.Sollte eine Behandlung allerdings notwendig werden, da die Reaktionen auf Clowns äußerst heftig ausfallen, kommt es zur sogenannten Expositionsbehandlung. Während dieser Behandlung wird der Patient bewusst miT seinen Angstgegenständen konfrontiert. Erst wenn sich der Betroffene aus einem Zustand der Angst wieder vollständig beruhigt, ohne sich der Situation zu entziehen, kann seine Angst geheilt werden.

 

Der Clown als Trojanisches Pferd

Viel treffender findet sie die Darstellung der Hauptfiguren aus dem 80er Jahre B-Movie „Killer Clowns from outer Space“. In der eher unbekannten Low-Budget Produktion geht es um eine Gruppe Außerirdischer, die als Clowns auf die Erde

Bunt wie im Zirkus mit düsterem schwarz-weiß als Kontrast. (Foto: Hannes Woidich)

Bunt wie im Zirkus mit düsterem schwarz-weiß als Kontrast. (Foto: Hannes Woidich)

kommen um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, die ihnen letzten Endes als Reiseproviant dienen sollen. „Hier funktioniert der Clown wie ein Trojanisches Pferd, er wird den Menschen vorgesetzt und sie vertrauen ihm automatisch“ so Arns.

Die offensichtlich bösen Clowns mit Reißzähnen und zerfetzter Kleidung faszinieren Arns allerdings nicht so sehr, wie die Darstellung von klassisch geschminkten Clowns. Ihr imponiert der Horror, den auch ein normal geschminkter Clown bei Passanten auslösen kann. Wie zum Beispiel der „Northhampton-Clown“ der in der gleichnamigen englischen Stadt sein Unwesen treibt. „Der Typ stellt sich einfach als Clown verkleidet mit ein paar Luftballons an eine Straße“ erklärt Inke Arns. „Der steht einfach nur da und die Leute die ihn sehen sind – horrified.“

Gegenüber des Eingangs zeigt ein kleiner Monitor das Projekt eines Künstlers, der ähnliche Reaktionen erntet. Er verkleidet sich als Clown und setzt sich vor seinen Computer um dann mit anderen Usern zu chatten. Mithilfe von Webcams erfolgt die Kommunikation eben neben der klassischen Chatfunktion auch über eine Videoschaltung wie bei Skype. Diese Funktion erlaubt es dem Künstler einen Mitschnitt von den Reaktionen seines Gegenübers anzufertigen. Und diese Reaktionen fallen zum Teil sehr heftig aus. So versuchten selbst Erwachsene Nutzer sich dem Anblick des Clowns zu entziehen, indem sie sich die Hände vor die Augen hielten.

„Nur wenig ist gruseliger anzusehen, als ein Clown im Mondlicht“

Inke Arns versucht dieses Phänomen mit einem Zitat des berühmten Horror-Mimen Lon Chaney zu erklären, der mal sowas gesagt hat wie: „nur wenig ist gruseliger Anzusehen, als das Gesicht eines Clowns im Mondlicht. Wird der Clown also außerhalb seiner „natürlichen Umgebung“, zum Beispiel dem Zirkus, dargestellt, ändert sich seine Wirkungsweise grundlegend. Anders als in der Manege ist dem Zuschauer nicht klar, was der Clown machen wird, wie er sich verhält. Diese Unberechenbarkeit macht vielen Menschen Angst. Aus der Ausstellung im Dortmunder U ist bisher allerdings noch kein Besucher geflohen.