Frieren für die pflichtlektüre

Wärme und Kälte fühlen sich nicht für jeden gleich an. Während der eine im Herbst noch mit T-Shirt rumrennt, hat der andere schon die dicke Jacke rausgekramt. Fällt das Thermometer unter null Grad ist das T-Shirt Wetter jedoch endgültig vorbei. Doch warum ist das so? Was passiert mit dem Körper, wenn es kalt ist, und wieso versucht das jeder zu verhindern? Daniela Albat hat sich im kurzen Kleid in den Schnee gestellt, um herauszufinden, wie sie sich nach 45 Minuten in der Kälte so fühlt.

Neben Jacke und Schal wird auch der Pulli abgelegt

Neben Jacke und Schal wird auch der Pulli abgelegt. Foto: Christina Trelle

Noch ist Daniela so gekleidet, wie man es im Winter normalerweise macht: Mit Winterjacke und Schal steht sie mitten im Schnee, mitten auf dem Campus. Doch ihr aufgeregtes Grinsen verrät es: Heute steht der Selbstversuch Kälte an – und dafür muss sie die Jacke ablegen.

Auch wenn es bitterkalt aussieht: Erst nach fünf Minuten fangen Danielas Beine an zu zittern. „Ich merke, dass jetzt die Kälte doch so langsam in den Körper reinkriecht und langsam wird’s ein bisschen ungemütlich.“ Um sich trotzdem ein wenig Wärme in der Schneelandschaft zu verschaffen, wippt sie vom einen Bein aufs andere. Bei Bewegung werden Kalorien verbrannt und das erzeugt Wärme.

Nach sechs Minuten kommt die erste Gänsehaut

Eine Minute später bekommt sie die erste Gänsehaut: Die soll die warme Luft zwischen den Haaren am Körper halten. Kleine Muskeln am Ende jedes Haares ziehen sich zusammen, dadurch richtet sich das Haar auf. In Zeiten, in denen Menschen noch richtiges Fell hatten, war das eine effektive Methode. Heutzutage ist es eher ein Relikt vergangener Tage. Warm hält das nicht mehr.

Danielas Haare stellen sich auf

Danielas Haare stellen sich auf. Foto: Christina Trelle

Also fällt Danielas Temperatur weiter ab. Neben dem Zittern und Bibbern fällt Ihr auf einmal auf: „Wo ist mein dicker Zeh?“ Auch ihre Hände werden rot, kalt und schwer beweglich. Der Plan des Körpers: Er will die wichtigen Organe weiterhin mit Wärme versorgen. Die Gliedmaßen sind in diesem Moment eher unwichtig. Die Adern ziehen sich zusammen, es fließt weniger Blut in die Hände und damit auch weniger Sauerstoff. Dadurch sind Danielas Hände auch nicht mehr besonders geschickt. „Ich tippe hier jetzt mal Hi ein, und das geht noch einigermaßen, aber das dauert irgendwie alles viel länger als normalerweise. Ich treffe auch die Tasten nicht so richtig. Jetzt geht’s, aber es dauert einfach ´ne Ewigkeit.“

Mit tauben Fingern ist es schwer, die Tasten zu treffen.

Mit tauben Fingern ist es schwer, die Tasten zu treffen. Foto: Christina Trelle

Aus Händen und Füßen zieht sich das Blut zuerst zurück

Ist diese Stufe erreicht, dauert es nicht mehr lang, bis der Körper auf die Notversorgung schaltet. Das Zittern wird eingestellt, der Herzschlag genauso wie die Atmung reduziert. Der Sauerstoffverbrauch verringert sich. „Die Kälte ist in den Händen am meisten und in den Zehenspitzen. Vor allen mein großer Zeh ist relativ eingefroren. Da, wo ich jetzt gedacht hätte, die Arme oder im Dekolleté ist es nicht so schlimm. Es sind wirklich hauptsächlich Finger, Zehen…das ist besonders kalt.“

So würde es Daniela wohl noch einige Zeit im Schnee aushalten, doch nach 45 Minuten ist das Experiment beendet. Sie spürt ihre Finger und Zehen nicht, doch Zittern muss sie auch nicht mehr. Was sich für Daniela entspannt anfühlt, ist für den Körper die Reduzierung der Funktionen auf ein Minimum.

Langsam ist die Kälte erträglich

Langsam ist die Kälte erträglich. Foto: Christina Trelle

Danielas Körpertemperatur hat sich bei diesem Versuch um ein Grad verringert. Fiele die Kerntemperatur ihres Körpers unter 27 Grad, käme es zum Kreislaufstillstand. Das bedeutet bei Unterkühlung allerdings nicht zwangsläufig den Tod. Das Gehirn benötigt im Notfall extrem wenig Sauerstoff, und man kann noch Stunden nach dem Herzstillstand reanimiert werden.